Mittwoch, 1. Dezember 2010

Schule und Postamt - Modella - School and Post office


1967
 stellte Modella eine Puppenschule in einen schön illustrierten Pappkarton - der Beginn einer Erfolgsstory, die über mehrere Jahre anhielt und von vielen Firmen kopiert wurde.
In 1967 Modella presented a doll's school in a colourful printed cardboard box. The furniture was to be displayed the same way that it would find its place in a dolls room. And - even better - the package would be a toy in itself. 


Die Schule bietet Aussicht auf den Kölner Dom.


In meiner Schule finden sogar doppelt so viele Schulbänke Platz - man kann den Boden der Schule nämlich ausklappen, um mehr Platz zum Spielen zu haben.

>>> 1972 Schule in Orange - School in orange


1969 Puppen-Postamt

 


quadratische Kinderpost - quadratic toy post office



 Alle Einrichtungsgegenstände konnten aus der Packung gelöst werden, sind hier aber noch fest - und deshalb auch noch komplett vorhanden. Die Erna Meyer Puppen sind wahrscheinlich aus den 80ern.
All pieces could be taken out of the box but here they are still fixed - the reason for my nearly complete doll post. The Erna Meyer dolls are presumably from a later period.




 
Büro mit Aussicht - worauf?
 Office with a view - on which town?

 
  - spätere längliche Post - 

 
Paul Kerkmann (Modella)

Montag, 8. November 2010

Edmund Müller - Erzgebirgische Kleinkunst-, Holz- und Spielwarenfabrik - Seiffen, Erzgebirge

  Wohnzimmer Mitte der 1950er Jahre






Die Detailfotos zeigen die aufwändige Holzverarbeitung der Miniaturmöbel.
Note the excellent craftmanship in wooden miniatures.



>Wohnzimmermöbel Ende der 50er Jahre

 

>TV und Radio mit Schiebetür 

- entweder TV...
TV and radio with a sliding door - either TV ...


...oder Radio.
...or radio.


 Edmund Müller - Erzgebirgische Kleinkunst- Holz- und Spielwarenfabrik - Seiffen, Erzgebirge

Die Erben des Gründers haben eine informative Webseite zusammengestellt, die ausführlich und mit vielen historischen Fotos über die Familiengeschichte berichtet. Sogar ihren >Produktkatalog von 1925 mit 16 Seiten haben sie online gestellt.
Puppenstubenmöbel stellten das Hauptsortiment zwischen 1915 und 1956.
"Im Mittelpunkt der obiger Abbildungen ist das Gesellenstück von Gunter Müller aus dem Jahr 1950. Darin kann man sehr gut die äußerst aufwändige Verpackung erkennen. Jedes Teil einer Puppenstube wurde mit Strick im Pappkarton an der richtigen Stelle angeordnet. So verpackte Möbel überstanden nicht nur lange Transportwege, sondern waren auch repräsentativ in jedem Geschäft.
Zudem wurden alle Polstermöbel für die Puppenstuben per Hand gepolstert und vernäht.
Die dokumentierte Firmengeschichte seit 1899 erklärt auch viele meiner Fragen zum Überleben eines kleinen Unternehmens zu Zeiten der Kriege, der Weltwirtschaftskrise oder der Planwirtschaft in der DDR.
Zum Beispiel erfährt man, warum ab 1959 kein Spielzeug und nur noch kunstgewerbliche Artikel hergestellt wurden. Ganz interessant zur Datierung der oben gezeigten Puppenmöbel, übrigens!
 Dolls' house furniture was the main focus of the product line >between 1915 and 1956.
"The journeyman's piece of Gunter Müller from 1950. The extensive packaging can clearly be seen. Each piece of a doll's room was arranged at its right place and fixed by string. These furniture packages survived long transport and were representable in every shop.
All upholstered furniture were fabricated manually." (Website)
The documented history since 1899 answers many of my questions concerning the survival of a company in times of war, depression and state-directed economy, e.g. why from 1959 on they did not produce any more dolls furniture but only arts and crafts products. Quite interesting for dating the furniture shown above!





Jedes Möbel passte auch perfekt in seine Zeit. So sieht man auf obigen Abbildungen ganz deutlich, welches Möbel z.B. in die 50-iger Jahre gehört und zu DDR Zeiten entstanden ist. So gab es u.a. auch eine Lizenzvereinbarung mit dem Staatsfernsehen zum Nutzen von Sandmannmotiven für die Fernsehmöbel."
Each piece of furniture represented perfectly the interior design style of its time. There even was a licence agreement with the state television about the use of the famous sandman on the dolls TV set.  
(Text der Webseite)


Auszüge aus der Geschichte der Firma, die die DDR-Zeit betreffen:
Extracts from the history relating to the GDR:

"1956
Nach 30 Jahren der vorerst letzter Besuch des Unternehmens auf der Leipziger Messe. Aus politischen Gründen ist es privaten Firmen nicht mehr möglich, unmittelbar Kontakt zu ihrem weltweiten Kundenstamm zu halten. Staatliche Betriebe wie DHZ und DEMUSA übernehmen jetzt den Absatz der Produkte."
After 30 years the last appearance on the fair in Leipzig for the time being. Political reasons prevent that private firms keep contact to their foreign customers. State enterprises like DHZ and DEMUSA take over the marketing.

"1960
Durch die zentrale Materialbeschaffung in der DDR sind die benötigten Roh- und Hilfstoffe immer schwieriger zu beschaffen."
Because of the central acquisition of material in the GDR the needed raw materials and intermediates are more and more difficult to obtain"

"1962
Nachdem die Puppenmöbelproduktion als Spielwarenindustrie eingestuft wird und deren Herstellung keinen Ertrag mehr bringt, kommt diese völlig zum Erliegen."
Dolls furniture is classified as toy industry and that production does not yield any more, it comes to a complete standstill.


"1986
Durch die Lohnklausel zwischen staatlichen Betrieben und privaten Handwerkern schrumpft die Mitarbeiterzahl auf drei Personen."
By the wage clause between state enterprises and private artisans the number of employees shrinks to three.

Ein toller Internetauftritt und eine schöne Wahrung der Tradition einer Firma und Familie.
A great website and a beautiful preservation of tradition of a company and a family.


 Sammlung Bruchsal

   Wohnzimmer 1



1954

Wohnzimmer 2





Wohnzimmer 3






Wohnzimmermöbel 4



Schlafzimmer



Kleinmöbel


Alle gezeigten Möbel sind aus den Fünfziger Jahren.
All shown furniture is from the Fifties.


Nicely illustrated report in English about >"Toymakers of the Erzgebirge" -
on page 16 (bottom) to 18 Ringo Müller, the great-grandson of Edmund Müller, is interviewed.

Donnerstag, 23. September 2010

Demusa DDR - 1967 - GDR's central company for export Demusa

Dieses tolle Hochhaus in Miniatur ist wahrscheinlich jedem aus der Sammlung Jörg Bohn bekannt - es ist das ausgefallenste der späteren Puppenhäuser von VERO, vorher VEB Grünhainchen. Für den Export wird VERO vertreten durch die zentrale staatliche Außenhandelsgesellschaft der DDR (für Musikinstrumente und Spielwaren) Demusa.
You probably all know this extraordinary dollshouse made in the GDR in the 60s from the collection of Jörg Bohn. It is a VERO house, exported by Demusa.


 1967

Demusa war das Außenhandelsunternehmen der DDR, das die "bedeutendsten Spielwarenfabriken der DDR" in Bezug auf den Export vertrat. So auch das Kombinat Vereinigte Erzgebirgische Spielwarenbetriebe (VERO), in dem sich die Holzspielwarenfabriken in Grünhainichen, Blumenau, Seiffen und Olbernhau zusammengeschlossen hatten. Man versprach sich davon "eine konzentriertere Enwicklungsarbeit, stärkere Spezialisierung und Austausch von Produktionsverfahren." 1967 umfasste das Exportprogramm der Demusa 15000 Spielwarenartikel von 200 Spielwarenbetrieben.
(Quelle: Heinz Trebuth, stellv. Generaldirektor der Demusa, in "Spielzeug" 1967)

Das Fachwerkhaus von der Anzeige unten habe ich noch nie gesehen, aber die Möbel darunter habe ich in einer Schachtel "versteckt", weil ich mal irgendwann über schlechten Geschmack und Gelsenkirchener Barock im Puppenhaus schreiben wollte...

 


 (Hermann Rülke)

I have never seen the half-timbered dolls house from the ad above but the dolls furniture I have in my collection - as an example for bad style, I confess. I hide it in a box for an intended post about Gelsenkirchen Baroque.
Gelsenkirchen baroque" is, according to a definition given by style experts, "a sort of art nouveau for miners in the Ruhr, although not necessarily produced in Gelsenkirchen.

Demusa was the foreign trade enterprise of the GDR which represented "the important toy factories of the GDR" in relation to export. So also the state combine company Vereinigte Erzgebirgische Spielwarenbetriebe (VERO), which associated the wooden toys factories in Grünhainichen, Blumenau, Seiffen und Olbernhau. The purpose being "a more focused policy of development, greater specialization and exchange of knowledge about the production process." 1967 the range of exported articles included 15000 items of 200 toy factories.
(Source: Heinz Trebuth, Deputy General Manager of Demusa, 1967 in "Spielzeug")


Zufällig wirbt Demusa also in diesem Jahr für das fortschrittlichste und das altmodischste Design im Puppenhaus.
By chance Demusa advertises for the most progressive and the most old-fashioned design in doll houses in the same year.

Samstag, 28. August 2010

Jugendzimmer - 1973 Modella - Teenager's room


In den 60ern und 70ern entstand ein neuer Zimmertyp: das Jugendzimmer - hier auch aufs Puppenhaus übertragen. Dieses Jugendzimmer ist unter dem Dach. Balken, Wände und Boden sind aus bedruckter Pappe, dazu Möbel und Zubehör aus Plastik.
Das Mädchen muss reiche Eltern haben, wer hatte denn zu dieser Zeit ein Fernsehen, Radio, Plattenspieler und ein Telefon im Zimmer?
Wer hatte überhaupt ein Zimmer für sich allein? Puppenstuben haben immer einen Trend repräsentiert - und welches Mädchen hätte nicht von so einem Zimmer geträumt? Warum sollte man ihr nicht wenigstens die Miniaturausgabe schenken.

 Der Raum ist nicht im Originalzustand. Der Sessel ist von mir ergänzt, es gehört eigentlich ein Plastik-Drehstuhl in blau dort hin, ursprünglich hangen am Dachbalken zwei Gitarren und auf dem Boden müssten noch zwei Tennisschläger liegen. Der Teenager ist aus den 80ern, denke ich, das Erna-Meyer-Mädchen sieht in ihrer chicen Lederhose und ihrer herausfordernden Haltung aber wie die Bewohnerin dieses kleinen Paradieses aus.
A new market: furniture designed especially for young people, here adopted for the dolls house. This room is under the roof. Beams and walls are made of cardboard, with plastic furniture and many accessoires. 
The girl has wealthy parents, who else had a TV, a radio, a record player and a telephone in her room? Who had a room of her own anyway? 
But dolls houses always represent the trend of a time - and every girl would have dreamed of such a room - so why not give her the miniature edition at least? 

The room is not complete: it is not the original armchair and a second guitar and the tennis rackets are missing. The Erna-Meyer-doll is from the 80s, I guess, she is wearing fashionable leather trousers.

 

Der Inhalt des Plastikregals ist auf Pappe gedruckt, die man in die Regale stecken kann. Den Duden kann man gut erkennen.
The contents of the plastic shelves is printed on cardboard.



 

Ich bat einen Freund wegen der Poster um Hilfe, da ich mir nicht so sicher war, wen sie darstellen: Jimi Hendrix, klar, stand ja drauf, Che Guevara, Dieter Thomas Heck, bei den anderen konnten wir uns nicht einigen, wer soll die Frau sein? Juliane Werding? "Am Tag, als Connie Kramer starb"? Der blinde Sänger könnte Ray Charles sein, aber ich denke zu dieser Zeit eher Stevie Wonder. Links der Sänger spielt eine Sitar, laut Auskunft meines Freundes, ist es aber keiner der damals bekannten Sitar-Spieler (ich wusste gar nicht, dass es Sitar-Spieler gab).
I asked a friend, who is a great music fan, about the posters on the wall because I was not sure about every one of it: Jimi Hendrix, Che Guevara, Dieter Thomas Heck (wellknown german discjockey of this time), Stevie Wonder (or Ray Charles?) but who is playing the sitar?



Die Rückseite: die Dachfenster können geöffnet werden.
The backside of the roombox - the roof windows can be opened.

Donnerstag, 26. August 2010

The history of Moritz Gottschalk's dolls' hoses - English version



In 1865 Moritz Gottschalk - born 1840 - founded a bookbinding shop in the small town Marienberg in the Ore Mountains of Germany. From 1873 on he produced also dollshouses and other toys. When two years later the railway came to Marienberg the factory grew larger and larger. They exported to England, France, the Netherlands, Scandinavia and America. That is why Gottschalk dollshouses can be found all over the world. In some capitals were showrooms of his products and in the USA was an agency of his firm. His dollshouses were world famous.

The architectural styles of each period were transfered to the miniature houses. The wooden dollhouses were often pasted with lithographic paper, which imitated the facades of the time. Windows at the sides of the building were sometimes only drawn on the paper.

Until about 1919 the roofs were blue after that they were red. Many dollshouses were marked underneath with a number which can be found in the catalogues.

 www.puppenhausmuseum.de

The designers' inventiveness was unlimited:
abundantly decorated, huge and luxurious dolls mansions, but also the small cottage, houses with a dolls' lift, with extricable or hinged gardens, with electric light, with moveable awnings, even round room boxes or dollshouses, caravans, kitchens, foldable room boxes, school rooms, baths, stables, later garages, castles, shops of any kind, from the butcher's to the apothecary's, from the magnificent pastry shop with café to a grand department store, or a market hall, a farm, a house boat, an airport, a theatre or a garden with pavillons.

Christian Hacker and Albin Schönherr were further world-famous dollshouse manufacturers of that period. Schönherr was a former employee of Moritz Gottschalk and many of his dollshouses are barely distinguishable from Gottschalk's houses. What is more, naturally other companies copied the style of the period, too, thus complicating the identification even more.
1905 Moritz Gottschalk died but the company remained family-owned, first by one of his sons, then by his widow, then by her new husband, then his son ... Swantje Köhler followed carefully all those changes in ownership.
During the two world wars the production stopped. After WWI it took some time before a new catalogue was published, and the first catalogues assumed the pre-war style. But after 1923 there were only newly designed models to be found in the catalogues.
After WWII this toy manufacture, too, was in the eastern zone of occupied Germany and the Soviets disassembled large parts of still existing factories to ship them to the Soviet Union as a form of reparations.


Nevertheless from 1947 on the Moritz Gottschalk company built dollshouses again. The end of the long-established firm came 1972 when all remaining private enterprises of the German Democratic Republic were dispossessed and nationalized. Toy companies were incorporated in the nationally-owned enterprise VERO. For some years they continued to build single toy parts in Marienberg, then the historic factory is partly destroyed by a fire. The remaining buildings were demolished in 1999 to make room for a sports hall.



Bibliography:

 

1994 Evelyn Ackermann "The genius of Moritz Gottschalk"
2000 "Moritz Gottschalk 1892 - 1931"


2003 Marianne Cieslik, Swantje Köhler "Lexikon der Puppenstuben und Puppenhäuser"
2004 Femmie Markestein, Karin Wester: "Poppenhuizen 1880-1980"