Mittwoch, 18. März 2015

Chronologie - Hermann Rülke - chronology

 Sammlung Bruchsal

Vorkriegsmöbel im Bauhausstil von Hermann Rülke  -  Pre-war furniture



 
1950


Sammlung Bruchsal

 
Frühe 50er Jahre - Early fifties


Sammlung Anna Setz

 



 ca. 1950

Von 1950 sind die letzten datierten Katalogfotos Rülkes, die ich kenne. Die Firma produzierte bis 1971 unter ihrem Namen, obwohl sie schon Anfang der Sechziger zu staatlicher Beteiligung gezwungen wurde. 1972 erfolgte die komplette Übernahme durch den Staat und Rülke wurde wie alle anderen enteigneten Spielzeugfirmen Teil der VERO.

 Wie folgt man einem Hersteller durch mehr als 20 Jahre, wenn es keine weiteren Kataloge mehr gibt?
Hermann Rülke wurde in Messeberichten der westdeutschen Branchenzeitschrift "Das Spielzeug" zwar ab und zu als traditionsreiche Firma erwähnt, Abbildungen gab es aber leider nicht. In der ostdeutschen Zeitschrift "Spielzeug von heute" finden sich erst 1968 und 1969 einige Fotos in teilweise sehr schlechter Qualität.

Als wichtigstes Hilfsmittel haben sich deshalb Möbelsets im Originalkarton erwiesen. Auch hier ist Wachsamkeit geboten, vor allem wenn die Möbel lose im Karton liegen - wie kann man wissen, dass der Inhalt wirklich original ist? Sind die Möbel noch mit der Originalkordel befestigt, was sehr selten zutrifft, können wir endlich sicher sein. Die zweite Schwierigkeit ist bei Puppenmöbeln aus den Fünfziger Jahren oft, dass die Kartons nicht mit Herstellernamen beschriftet sind.

Beginnen wir also die Recherche mit Rülke Möbelpackungen. Ein Glückstreffer stammt aus der Sammlung Gronau/Sauerland, Wohnzimmer und Schlafzimmer in den gleichen Kartons und einer der Kartons ist mit einem maschinengeschriebenem Papierstreifen beklebt, Aufschrift "Rülke" und eine Bestellnummer.

 How do I follow a firm through the 50s and 60s without having a single catalogue?
Boxed sets are a great help - 
but only when the name of the firm is actually printed on the box
 and when the furniture is really the original contents.


Sammlung Gronau/Sauerland

Ein eher unauffälliges  Design - vielleicht war dies der Grund, dass es ungefähr zehn Jahre lang produziert wurde. Ich hatte es auch mal in meiner Sammlung, aber da es viel ungewöhnlichere Designs aus dieser Zeit gibt, habe ich es irgendwann wieder verkauft. Heute finde ich es aus einem anderen Grund sehr interessant, denn es identifiziert einen weiteren Rülke-Karton für mich.

The bedroom of my last post
did not change much through 10 years -
it was accompanied by many different stools though.
Below you see some from my collection.

  

Nebenbei lernen wir hier auch noch 3 verschiedene Hocker kennen, die in Rülke-Schlafzimmern vorkommen - hier ist noch eine kleine Sammlung aus meinen Stuben:
  


Doch zunächst gehen wir einen Schritt zurück, denn unser Schlafzimmer ist zufällig (?) auch in einem noch älterem Karton zu finden, einem Karton mit rotem Blumenmuster, der in ähnlicher Form von Rülke schon im Jahr 1954 verwendet wurde. 

 www.puppenhausmuseum.de - Karton mit Rülke-Möbeln

 1954

 
 Goldene glänzende Griffe


 

1954

The yellow box illustrated with red flowers
is a mid-50s design with the same bedroom inside.
And finally the last photo was taken from an ad of 1967
with 4 boxed dolls furniture sets
all in the same kind of colourful box -
most of it is plastic by now but the wooden bedroom is still on sale.




 Der Hocker links gehört zum Schlafzimmer.
The stool on the left belongs to the bedroom.


This is a lucky strike, two boxed sets and 
one carries a label with "Rülke" and an order no.
I am very thankful for the label
because the drawings on the box do not display actual dolls furniture.
They are just a very modern and beautiful decoration for the box.
The drawing of the Harderoy chair e.g.
only Bodo Hennig in West-Germany sold it in dolls house size.
In East-Germany there was another firm at least which used the same box:
VEB Niedersaida - EMS 


 Nun das nächste Problem: mehrere Hersteller verwenden auch mal denselben Karton. Der Karton selbst ist dann mit einem eher neutralen Muster verziert, hier sind es Zeichnungen von wunderschönen und hochmodernen Designermöbeln, sogar der Fledermaussessel ist dabei. Ich kenne  nur einen einzigen Fledermaussessel aus dieser Zeit für die Puppenstube und der ist von Bodo Hennig, er wurde also in West-Deutschland hergestellt.


 Die oben abgebildeten Möbel spiegeln also kein bestimmtes Puppenmöbel-Angebot einer Firma wider, wie z.B. die Kartons von Wichtelmarke, sie dienen nur der Verzierung. Deshalb konnten auch andere Firmen mit einer ähnlichen Produktpalette diesen Karton verwenden.
Ich kenne diesen Karton beispielsweise auch original gefüllt mit EMS-Möbeln, d.h. der Karton allein hilft nicht bei der Identifizierung. Natürlich gibt er aber einen Anhaltspunkt.



Kommen wir nun zum Wohnzimmer im Rülke-Karton. Ich habe einen ähnlichen Schrank in meiner Sammlung, stark beschädigt, fehlende Beine, fehlende Schubladen, und etwas später hergestellt, denn er hat schon Plastikgriffe. Unten sieht man durch die verbliebenen Leisten und die Löcher, welche Art Beine wohl fehlen. Die Bücher-Attrappe aus Karton ist auch von Rülke und kann als weiteres Identifizierungsmerkmal dienen.


Noch ein Schrank ohne Beine, aus der Sammlung Borbeck, diesmal fehlen sie aber nicht, denn es ist ein Modell mit einer Bodenplatte. Hier sehen wir die typischen goldenen Knöpfe von Rülke, die wie eine Röhre aussehen oder auch groß und flach wie ein Tellerchen oder aber auch ganz klein und lang sein konnten -
das hört sich nicht sehr hilfreich an, ich weiß.
Mir sind noch nicht viele so variationsreiche Hersteller begegnet wie Rülke. Kaum ein Set gleicht dem nächsten.
Looking at the cabinet 
we note many similarities through the years:
the knobs, the books,
the vases, the panes.


Einige Varianten des Schrankes von Ende der 50er bis Ende der 60er Jahre:


  • große, runde, flache, goldene Griffe, kleine lange Griffe, später Plastikgriffe,
  • Plastiktüren mit goldenem diagonalen Muster, später kariert mit weißen und schwarzen Streifen,
  • Schubladen aus Holz, gar keine Schubladen, später 2 graue und zwei weiße Schubladen aus Plastik,
  • schräge Holzbeine aus runden oder eckigen Holzleisten, gar keine Beine,
  • bunte Holzbücher und silberne kleine Vasen auf den Regalen festgeklebt, später Attrappen aus Pappe

Bücher - Books

Ein Merkmal, das mir zuerst aufgefallen ist, die festgeklebten Holzbücher in vielen sehr unterschiedlichen Regalen und Schränken Ende der Fünfziger, alle mit bunten Umschlägen beklebt - und wohl alle vom selben Hersteller.

The books in some old cabinets first caught my eye -
glued to the shelves, made of wood,
individually wrapped with colourful paper.
They look so real.
As I know the wooden books of all the other
dolls furniture firms in East-Germany of that time
they could only have been made by one firm:
Hermann Rülke, I think.
On the first photo you even see the books
together with the tell-tale little vase.


Wer erkennt die Vase? Ja, genau, sie war auch in einem Rülke-Schlafzimmer zu sehen, Rülke integriert sie gerne auch mal silber lackiert.
Die Bücher sind sehr individuell gearbeitet und immer festgeklebt - sonst lägen sie nach all den Jahren auch nicht mehr an ihrem Platz. Sie sehen sehr echt aus und bringen Leben in ein Wohnzimmer.
Zur gleichen Zeit stellen in der DDR auch Paul Hübsch, Ullrich und Hoffmann, Linus Dähnert, der VEB Niedersaida und Edmund Müller Puppenmöbel her - außer VEB Niedersaida und Müller verwendet um 1960 niemand Bücherattrappen aus Holz. Schauen wir uns die Bücher dieser beiden mal an.

links/left: Edmund Müller, rechts/right: Rülke

Wie man sieht, kann man die Holzbücher dieser beiden Hersteller einfach unterscheiden.



Und so sehen die Bücher des VEB Niedersaidas aus.
Above a shelf with books of VEB Niedersaida (logo:EMS)

Meine Theorie, dass es ein einziger Hersteller, nämlich Hermann Rülke, ist, der diese einzeln in buntes Papier eingeschlagene Bücher auf seine Regale klebt, könnte also stimmen.


Die kleinen Standbücherregale sind vielleicht auch ehemalige Aufsätze von Kommoden, wie in den chsten Fotos. 



Sammlung Anna Setz


Gepunktetes Papier auf der Rückwand.

 Schrank mit festgeklebten Büchern und einer Vase
aus dem Virtuellen Spielzeugmuseum




Dies sind die Bücher aus einem Schrank, den ich schon vorlanger Zeit vorgestellt habe:




Damals erklärte ich allerdings, er sei von Dregeno hergestellt.
Was stimmt denn nun?
Ich denke, beides ist wahr: der Hersteller wird wohl Hermann Rülke sein und er verkaufte es über die Drechslergenossenschaft "Dregeno" (ein Zusammenschluss von vielen kleinen Betrieben im Erzgebirge). Auch weitere Puppenmöbel von Rülke habe ich in Dregeno-Kartons gefunden. Darüber später mehr. Es ist also doch kein Widerspruch, sondern nur ein weiterer Vertriebsweg für die Puppenmöbelhersteller aus dem Erzgebirge. Genauso wie die Wichtelmarke-Wanduhr auch in einem Dregeno-Wohnzimmer auftaucht.

A long time ago I presented this cabinet
and said that it was made by a
cooperative of  woodturners, sculptors and small manufacturers of toys made of wood,
founded in the toy village Seiffen in the Erzgebirge (Ore mountains).
What is true?
I think Rülke produced dolls furniture for the
cooperative, too, just like other firms did.

Anfang der 1960er
Schlafzimmer

 1950er bis 1960er
TV

 
Anfang der 1960er
Schränke - wooden cabinets



1967 in einem Warenhauskatalog der DDR begegnet uns das altmodische Schlafzimmer aus Holz ein letztes Mal - zwischen lauter Plastikmöbeln sieht es fehl am Platz aus, aber ich denke, dass einige Käufer das solide Design noch bevorzugten.

 

Darüber ist auch der oben gezeigte Wohnzimmerschrank zu sehen, er hat sich im Design etwas angepasst, Plastikschubladen und eine frische helle Farbe. Zum Wohnzimmer gehört noch ein Liege, ein Esstisch mit 4 Stühlen, ein Servierwagen, eine Bodenvase, sowie ein Teppich.

Darüber ist die Küche, komplett aus Plastik - wie sahen bloß Rülkes Holzküchen aus der Zeit davor aus? Und ganz oben sieht man die Terrassenpackung, der Sonnenschirm kommt uns allen bekannt vor, er wurde lange verkauft, selbst noch in der VERO-Zeit. Alle Möbelsets sind im gleichen Karton, man sieht das Muster am Rand. So sieht der Karton aus der Nähe aus:


1960er Karton von Rülke


1960er Wohnzimmer - 60s livingrooms



 1960er Jahre
grüner Knopf - a green knob


ab 1966
Stilmöbel - period furniture


 ab ca. 1968
grün-weißes Wohnzimmer - green-white livingroom set




 1960er Karton nur mit Plastikmöbeln


Alle Rülke-Artikel in meinem Blog - Rülke on my blog 


 Dies ist die Zusammenfassung und Aktualisierung von mehreren älteren Beiträgen.

This is the summary and updated version of several older posts.

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