Samstag, 27. Februar 2016

1930er Wohnzimmer - Paul Hübsch - 1930s livingrooms

Paul Hübsch

Puppenmöbel-Fabrik
 Seiffen/Erzgebirge
1907 bis 1976


Die Produktion dieser Puppenmöbelfabrik NACH dem Zweiten Weltkrieg ist durch ihre Kataloge sehr gut dokumentiert. Es ist wohl die einzige Spielzeugfirma der DDR, bei der man auf so viele Katalogfotos zurückgreifen kann. 
Die Zeit VOR dem Krieg ist wesentlich schlechter erschlossen, ich kenne einige Bilder, doch fast nirgendwo steht ein Jahr dabei, oft auch kein Hersteller, z.B. bei alten Kaufhauskatalogen.


1930s dolls furniture made by Paul Hübsch

The production of this dolls furniture factory AFTER WWII is very well documented by their catalogues. It is probably the toy company of East Germany with the most published catalogues. Of the time BEFORE the war however I know some photos but mostly without any information of the published year, very often even the name of the manufacturer is a guess, e.g. when you find photos in old department store catalogues. 

Die Katalogseiten sind von Paul Hübsch, es findet sich aber leider kein Jahr darauf. Vielleicht stammen sie sogar noch aus den 1920er Jahren.

Aus der Sammlung Katharina



1935 Karstadt Weihnachtsprospekt:
"Schreibschrank, Couch, grosse Form, Nähtisch, Barwagen in modernen Farben lackiert mit Zigarrenschrank und Likörgläsern."

1935 advertising of a big department store 

Welchen Möbelstil verbinden wir mit den Dreißiger Jahren?

Altmodisches, bürgerliches Design, vielleicht sogar Gelsenkirchener Barock. Alle Möbel sind "verschnörkelt", die repräsentative und kaum benutzte "Gute Stube", dunkles Holz, geschwungene Dackelbeine. Flucht aus dem Dritten Reich in die Gemütlichkeit oder Heimatstil der Nazis? Bestickte Kissen, dicke Vorhänge, Schondeckchen aus Brokat, orientalisch gemusterte Teppiche, Pergamentlampen, Ziergegenstände aus gehämmerten Kupfer...

Ja, das gab es natürlich alles, aber welchen Stil bevorzugte nun Paul Hübsch?



1930s furniture by Hübsch in a 1950s room box by Kibri.


What furniture style do you connect with the 1930s? 
An old-fashioned, bourgeois style? All furniture being "richly ornamented"? The parlour is hardly ever entered and reserved for guests, dark wood everywhere, curved dachshund legs. Escape from the Third Reich to the comfort of your own home OR Nazi kitsch? Embroidered pillows, thick curtains, doilies, oriental patterned carpets, parchment lamps, decorative objects made ​​from hammered copper ... ?
Yes, certainly you would have seen all this but what style preferred Paul Hübsch?




Ein Umbauregal für das Sofa.
Corner shelving unit for the sofa.

Vorkriegsspielzeugkatalog:
"Wohnzimmer im Karton, Couches mit modernem Umbau"




Hübsch-Katalogblätter

Hübsch-Sessel-Modelle

1935 Karstadt: Sesselmodelle


Zwei Eckregale



Die vielen Beispiele zeigen, dass die Firma ganz bestimmt nicht den geschmacklosen und überladenen Möbelstil des "Gelsenkirchener Barocks" verkaufte. Es sind teilweise sogar recht schlichte Modelle und einfache Zimmer, in denen es anstelle des stattlichen Wohnzimmerschranks nur eine niedrige Anrichte gab.
Die umfangreicheren Wohnzimmereinrichtungen zeigen sehr schön, was das Bildungsbürgertum sich unter einem kultivierten Wohnstil vorstellte, einen Schreibtisch, einen Bücherschrank, gerne auch Herrenzimmer genannt, und einen großen Servierwagen, um die Gäste im Wohnzimmer bewirten zu können.
Desweiteren fällt in diesen Miniaturwohn-Welten auf, dass es die uns so geläufige Gruppierung von Sofa und Sesseln um einen Couchtisch noch nicht gab. Das Sofa steht oft an der Seite und lädt durch die Form eher zum Liegen ein. Der Mittelpunkt war eindeutig der Esstisch (Spieltisch, Lesetisch, Handarbeitstisch), das Zentrum sämtlicher familiärer Aktivitäten im Wohnzimmer.
Ich vermisse das Radio auf den Katalogbildern, um das sich die Familie bestimmt auch gerne versammelt hat. Die einzige Dekoration ist die Uhr.

Swantje Köhler "Traumwelten der Fünfziger Jahre"



Sammlung WK-Niederrhein

Servierwagen



Zwei Sofas lassen sich zu einem Ecksofa zusammenstellen.
Simple livingroom - two single sofas form a corner sofa.

Kaufhaus Wertheim - Puppenmöbel 

The photos show that the company did certainly not sell the tasteless and overloaded furniture style. Many rooms are quite simple with a sideboard instead of a living room cabinet. The bigger sets illustrate how the educated middle class wanted to live: a desk, a bookcase and a large trolley for the food.

Sonntag, 21. Februar 2016

1980er Tante-Emma-Laden - 1980s mom-and-pop grocery store



Ein "Tante Emma" Kaufladen aus den 1980er Jahren? Wie kann das?
Zu dieser Zeit waren die kleinen Kaufmannsläden um die Ecke doch eigentlich schon ausgestorben. Die Kinder spielten mit kleinen Plastik-Supermärkten, schoben kleine Einkaufswagen durch den Selbstbedienungsladen zur Kasse am Ausgang.
A mom-and-pop grocery store of the 1980s? How is this possible?
Had they not all died during the 1960s? Shouldn't children play with little supermarkets at that point? Pushing little trolleys through a self-service shop?
Perhaps the old-fashioned shop was a nostalgic reminder of the past? Of times when shopping meant to have a chat with the seller, even to buy sth and pay at the end of the month for it?




Was war aus dem Selbstbedienungsprinzip, dem modernen Supermarkt geworden? War es schon Nostalgie, die sich im Kinderzimmer zeigte?
Oder lebte Tante Emma doch noch weiter, zum Beispiel in Form der kleinen familiengeführten türkischen Lebensmittelläden bei mir im Ruhrgebiet?
Geschichte Tante-Emma-Läden und ihre heutigen Nachfolger in Osnabrück


Der Laden wird aus Plastikteilen zusammengesteckt, er ist nicht mehr ganz vollständig, aber die vorhandenen Teile sind nicht beschädigt.
The plastic parts of the shop are plugged together. Some parts are missing though.


Der Maßstab ist etwas zu groß für die Puppenstubenpuppen, deshalb kommen die großen Biegepuppen aus der DDR aus den Sechziger Jahren hier mal zum Einsatz. Soweit ich weiß stammen sie aus der Arnstädter Puppenmanufaktur "Hedler". 
The scale is a little bit bigger than the usual 1:10 or 1:12 of dolls houses. That is why these slightly larger flexible dolls from the 1960s make their appearance. They were presumably made in East Germany by the Arnstädter Puppenmanufaktur "Hedler" at the end of the 1960s.


Wie immer haben die ursprünglichen Süßigkeiten aus den Kaufmannsläden nicht überlebt und ich habe sie durch heutige Naschereien ersetzt.
As usual the original sweet contents of the grocery shops was eaten a long time ago. I filled the boxes with sweets of today.


Die Rückseite des Ladens. 
Behind the shop


Abbildungen vom Karton
The box

"Stabile Kunststoffausführung, Kaugummiautomat mit echter Funktion, Waage, Schokoladenständer, 5 Körbe, div. Regale, 2 Schubladen. Ohne Kaufladenfüllung."
Hersteller: KÖHLER

Hier handelt es sich um eine traditionsreiche Spielzeugfirma, die vor allem Sammlern von Blechspielzeug bekannt sein dürfte, Georg Köhler, Nürnberg, GKN. 1932 gegründet, stieg man Mitte der Sechziger auf Plastik um, stellte 1997 aber die Produktion ein.

Etwa zur selben Zeit wie vom Tante-Emma-Laden hatten sie auch ein Puppenhaus und Puppenmöbel aus Plastik im Programm.

The producer is a traditional toy firm, Georg Köhler, Nuremberg, founded in 1932, famous for its tin toys, switching to plastic in the 1960s and resigning in 1997.

Mittwoch, 17. Februar 2016

1970er Läden - PLAYBIG - 1970s shops

 1970er Konditorei - PLAYBIG2000 - 1970s pastry shop


 

Der Karton - The box
 

Der Zusammenbau klappt auch ohne Anleitung.
The assembling is not difficult even though the manual is missing.



Alle Pakete und Plastikbrote und -kuchen sind Teil des Bausatzes.
All these boxes and the plastic breads and cakes came with the shop.




Auch wenn die Figuren auf dem ersten Blick wie die bekannten Playmobil-Verwandten aussehen, nur etwas größer, so sieht man schon am Fußmechanismus den Unterschied.




          Ein Puppenhaus von derselben Firma - A dolls house made by the same firm
  • 1974 bis 1979   >Play Big Figuren   ... kamen nicht gegen die Konkurrenz der Playmobil-Figuren an.

Den Laden gab es mit vielen verschiedenen Einrichtungen, nicht nur als Supermarkt oder Blumenladen, auch als Arztpraxis oder Krankenhauszimmer.
The shop was sold with many different equipments: flower shop or supermarket, and served also as a surgery or a hospital room.

PLAYBIG2000



Blumen-Mayer - The flower shop





Fleisch- und Wurstwaren - The butcher




Virtuelles Depot des Nürnberger Spielzeugmuseums - ich glaube, die Museumfotografen haben den Supermarkt nicht richtig aufgebaut. Wo ist die Tür? Vielleicht fehlte ihnen das Foto auf dem Karton.
Photo of the Nuremberg Toy Museum - I think they did not succeed in assembling the shop correctly. Perhaps the box with the photo on it was missing.



Meine Konditorei - My shop



Krankenzimmer - Hospital room



 Operating theatre



GP Doctor Paulus



School

Anzeige 1976 ad

Für die Schule wurde auch nur mit der Einrichtung und den Püppchen geworben.
An ad for the school equipment and the dolls. 



Die PLAY-BIG-Figuren auf dem Titel der Zeitschrift "Das Spielzeug".
The PLAY-BIG dolls on the cover of the German toy trade magazine.

Freitag, 5. Februar 2016

Küche - 1958 Paul Hübsch - kitchen


Paul Hübsch Küchen sind oft sehr schöne Abbilder einer realen 50er Jahre Küche, mit vielen Details und in den typischen Pastellfarben - aber es gab auch einfache kleine Küchen wie diese hier.

Paul Hübsch designed many sophisticated kitchen buffets - this one is rather simple and only one step away from the built-in kitchen. 




Die Schubladen und die unteren Türen sind nicht wirklich einzeln zu öffnen. Und auch Hübsch verwendet für seine einfachen und billigen Zimmer nur die Polsternägel als Griff.


Das goldene Muster auf den Plastikschiebetüren wirkt altmodisch und passt eher in ein Wohnzimmer - Crailsheimer z.B. verwendete zur selben Zeit modische Streifen.


A fake door - and simple upholstery nails for knobs. A slightly oldfashioned golden pattern on the plastic sliding doors - don't you think? E.g. Crailsheimer had more modern looking stripes on the upper doors at that time.




 

ABER nun kommen wir zum herausragenden Designelement dieser kleinen Küche:
3-beinige Stühle.
Selten und sehr modern - aber auch sehr wackelig.

BUT now we come to the design highlight of this little kitchen:
three-legged chairs!
How rare is that - and how wobbly.


 

Das Katalogfoto bestätigt, dass diese 4 Teile wirklich zu einem einzigen Küchenzimmer gehörten, ein wirklich karges und wohl auch preiswertes Set, kein anderer Küchenschrank, kein Herd, kein Kühlschrank gehört dazu.
Mir fehlen also nur der Küchenhandtuchhalter, die Uhr und ein Stuhl.

The catalogue photo confirms that the few pieces above were really meant to be a set - no other cupboard, sink, fridge or oven was included.
My set is missing another chair, the wall clock and the towel rail, the last two pieces should be easy to find as they were part of many Hübsch kitchens but the three-legged chair...