Mittwoch, 24. Mai 2017

Ari (DDR) und Edi (BRD) - Ari dolls and Edi dolls


Ari-Modell 427

© Museum für Sächsische Volkskunst, Dresden

"Zwei Puppenstubenpuppen in Tracht

ARI GmbH & Co. KG|Hersteller
Thüringen / Königsee und Garsitz, um 1930 Museum für Sächsische Volkskunst
Material und Technik: Masse, geformt, gemalte Augen und Schuhe, offener Mund, fester Kopf, bewegliche Glieder, alte Kleidung
Maße H 7,5 cm"

Die obigen zwei DDR-Ari-Püppchen aus Masse sind den beiden Steingut-Püppchen aus der Westdeutschen Puppen- und Steingutfabrik wie aus dem Gesicht geschnitten - und das ist kein Zufall:
The two little East-German Ari dolls made of composition which you see above resemble very much another pair of dolls, made in West-Germany by a completely different firm - and that is no coincidence at all:


1949

Die traditionsreiche Puppenfabrik August Riedeler, Königsee, befand sich nach dem Zweiten Weltkrieg in der "Ostzone". Aus Sorge vor Enteignung wollte man eine Zweitfabrik im Westen gründen und schickte Oskar Oelzner, den kreativen Kopf der Firma, 1946 zu Erich Dittmann nach Bonn. Erich Dittmann, der aus Schlesien stammte (* 1901), und der 1947 in Bonn einen Großhandel in Papier-, Spiel- und Korbwaren eröffnete, der aber vorher wohl mit der Herstellung von Puppen nie etwas zu tun hatte, mietete die bekannte Villa Genienau in Mehlem, einem Ortsteil des Bonner Stadtbezirks Bad Godesberg. Ab Jahresbeginn 1948 diente sie als Manufaktur der neu gegründeten Westdeutschen Puppen- und Steingutfabrik (Edi-Puppen). Die Fabrik diente als zweites Standbein der Puppenfabrik Riedeler mit einem ähnlichen Produktionsprogramm, bis sich Dittmann nach der Währungsreform 1948 als Unternehmer verselbständigte.

Der eigentliche Edi-Puppen-Schöpfer war Oskar Oelzner. "Dittmann war nur der Strohmann für die Zweitfabrik von August Riedeler aus dem thüringischen Königssee", erklärt Oelzners Tochter 2010 im Bonner Generalanzeiger. Oelzner kaufte die nötigen Maschinen und bezahlte mit Riedelers Geld auch die Villa Genienau. Er stellte erst Steingut-, und später dann Kunststoffpüppchen her. Die ähnelten sehr den in der DDR produzierten "Ari-Puppen" August Riedelers. "Klar, alles die Handschrift meines Vaters", sagt Christel Meißner dem Generalanzeiger, die damals als Kind selbst in der Villa lebte. 82 Festangestellte habe Oelzner etwa 1953 beschäftigt. Dazu kamen viele Mehlemer Heimwerkerinnen. "Ein Millionengeschäft", so Meißner. "Edi"-Puppen wurden in großer Zahl auch exportiert. Der Verkaufshit war Oelzners Laufpuppe mit der Kugel am Band, die auf glatter Fläche nachgezogen wurde. Nur leider sei ihr Vater alles andere als Geschäftsmann gewesen, habe sich wie Riedeler von Dittmann übers Ohr hauen lassen. Als die Grenze schloss, habe sich Dittmann die gesamte Fabrik unter den Nagel gerissen - aber sie dann durch Konkurs zweier anderer Firmen wieder verloren. Im Herbst 1960 wurde die Fabrik abgemeldet und das Privatvermögen Dittmanns zwangsversteigert.

Quelle: Auf der Spur der produzierten "Edi-Puppen", General-Anzeiger, 16. Januar 2010

The traditional doll factory August Riedeler, Königsee, was in the Eastern part of Germany after the Second World War. For fear of expropriation by the new communist government, they wanted to found a second factory in the West and sent Oskar Oelzner, the creative head of the company, to Erich Dittmann in Bonn in 1946. Erich Dittmann, who came from Silesia (*1901), and who in 1947 opened a wholesale trade in paper, toys and wickerwork in Bonn, but who had never had anything to do with the production of dolls, rented the famous Villa Genienau in Mehlem, a suburb of Bonn-Bad Godesberg. From the beginning of the year 1948 it served as a manufactory of the newly founded Westdeutsche Puppen- und Steingutfabrik (Edi dolls). The factory served as a second stand of the doll factory Riedeler with a similar production program, until after the monetary reform in 1948 Dittmann became independent as entrepreneur.

The actual Edi-doll creator was Oskar Oelzner. "Dittmann acted just as a front for the second factory of Riedeler from Thuringia," explains Oelzner's daughter in 2010 in the local newspaper "Bonner Generalanzeiger". Oelzner bought the machines and paid with Riedelers money also the Villa Genienau. He first produced composition dolls and later plastic dolls.They were very similar to the "Ari dolls" produced by the Riedeler firm in East-Germany. "Sure, all my father's handwriting," says Christel Meissner, who was living as a child  in the villa herself. In 1953 workers were employed and in addition a lot of home workers from the suburb Mehlem. "A gold mine," says Meissner. "Edi" dolls were also exported in large numbers. The sales hit was Oelzner's walking doll with the ball on the belt. Unfortunately, her father had been anything but a business man, and was tricked by Dittmann, just as Riedeler was betrayed. When the iron curtain closed, Dittmann owned the entire factory - but then lost it by bankruptcy of two other of his companies. In the autumn of 1960, the factory was de-registered and the private assets of Dittmann were forcibly auctioned off.

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