Montag, 29. Mai 2017

Puppenhäuser - Arno Hübsch - Dolls houses

Puppenhaus mit Wellpappedach - 1961 Arno Hübsch - dolls house



Anzeige 1961 in "Das Spielzeug"






Es passiert heutzutage sehr selten, 
dass ich ein deutsches Puppenhaus der Nachkriegszeit noch nie irgendwo gesehen habe. 
Deshalb habe ich mich besonders gefreut, 
dass ich das Haus sogar ersteigern konnte.
 Ich hatte vor vielen Jahren eine Anzeige für dieses Haus gesehen und konnte es sofort einordnen:
der Hersteller ist Arno Hübsch
ein Sohn von Paul Hübsch, der 1957 in den Westen ging,
 in Hiltpoltstein eine neue Firma „Arno Hübsch“ gründete,
 dort mit 20 Mitarbeitern Puppenhäuser und Puppenmöbel herstellte und 1968 starb.


Seldom I buy a dollshouse that I have never seen before in a collection. 
But here I was lucky.
It is by a West-German company named Arno Hübsch
who was a son of Paul Hübsch. 
Arno went from communist East-Germany to West-Germany in 1957
 and founded there his firm for dollshouses and dollshouse furniture.
 In 1968 he died.



Originale Gardinen - leider am anderen Fenster völlig brüchig.



"Puppenhaus mit 2 Zimmern, aus Holz mit Plastikdach 
und modernem Anstrich, mit Gardinen und Tapeten sowie Schwenkfenstern."
So steht es in der Werbung für dieses Puppenhaus - 
aber das Dach ist wohl eher aus lackierter Wellpappe hergestellt als aus Plastik.



Der Boden war mit d-c-fix beklebt, das völlig verknittert war.
 Ich ersetzte es deshalb mit alten blauen Kartonbögen. 
Die Tapeten sind aber original.
The floor was a covered with a plastic material which was crumpled.
 I replaced it by an old cardboard piece. 
The wallpaper is original though.



Das Haus ließ mir keine Wahl in der Einrichtung.
Hier hing an der linken Wand noch ein altes Bodo-Hennig-Bild,
 d.h. das Wohnzimmer war und ist jetzt wieder mit Bodo-Hennig-Möbeln eingerichtet.
Because of a still fixed Bodo Hennig picture on the left wall 
I chose to furniture it with a Hennig livingroom of that time.




Tapeten, die den perfekten Hintergrund für ein Schlafzimmer bieten.
Die ersten Besitzer des Hauses wollten aber lieber eine Küche 
als ein Schlafzimmer als zweiten Raum haben.
The first owners of the house had desided that the secon room would be a kitchen.
 But the wallpaper surely meant it to be a bedroom.


Die Oberschränke einer alten Crailsheimer Küche hängen immer noch im Puppenhaus.
The upper shelves of a Crailsheimer kitchen are still on the wall.


Also steht nun eine alte Crailsheimer Küche in diesem Haus.
That is why an old Crailsheimer kitchen found its new home here.
Arno Hübsch wollte schon viel früher in den Westen gehen, wie diese Geschichte zeigt:

Im Stadtarchiv Crailsheim existiert ein Brief vom 30.10.1949,
 in dem Arno Hübsch (früher Gebr. Hübsch in Seiffen/Erzgebirge)
 bei der Stadtverwaltung anfragt, 
ob die Gemeinde an der Errichtung einer Spielwarenfabrik interessiert wäre, 
und ob ein geeignetes Gründstück, gerne mit Sägewerk, zu pachten sei.
 Er vertrete eine alteingesessene Spielwarenfabrik, 
die "erstklassige" Puppenmöbel herstellt und beabsichtigte, 
von der Ostzone in die Westzone überzusiedeln.
Die Stadt Crailsheim war der Firma wohlgesonnen, 
denn dabei lag auch eine Bescheinigung, 
dass Arno Hübsch und Richard Dietrich die Zuzugsgenehmigung
 im Januar 1950 von der Stadt erhalten hatten.
Während des Jahres 1950 jedoch änderten sich die Eigentumsverhältnisse an der Firma: 
zunächst hieß sie Hübsch & Dietrich und 
wurde von dem Gesellschafter und Geschäftsführer Richard Dietrich geleitet. 
Ins Handelsregister konnte die Firma noch nicht eingetragen werden, 
weil sich noch "mehrere Gesellschafter in der Ostzone befinden.“ (20.6.1950) 
 Am Jahresende war Arno Hübsch immer noch in der Ostzone 
und der Firmenname lautete bis auf weiteres nur Firma Dietrich. 
Und dabei blieb es wohl. Schon nach der Nürnberger Spielwarenmesse 1951 
erwähnt der Bürgermeister im Gemeinderat, 
dass die neue Firma Aufträge im Wert von über 200000 Mark abgeschlossen hätte, 
darunter etliche Auslandsaufträge.
Aus dieser Firma wurde dann die Crailsheimer Spielwarenfabrik.



Puppenhaus - 1961 Arno Hübsch - dollhouse


Sammlung Borbeck


Ein Bungalow, den es in verschiedenen Varianten 
Anfang der Sechziger Jahre in Spielzeugprospekten 
und  Versandhauskatalogen zu sehen gab.
Aus Plastik und dünnen Holzplatten.
At the beginning of the 1960s in some German toy brochures 
and mail order catalogues this bungalow was advertised in many variations.
Material: plastic and thin wooden boards


Es gab ihn auch mit gestreifter Tapete statt der gepunkteten Tapete rechts.

Das Haus aus Plastik und dünnen Pressholzwänden
 lässt sich tatsächlich ganz flach zusammenlegen.
Einfache Gardinen sind schon am Plastikfenster befestigt.


A folding dollhouse with modern wallpapers.




Im Quelle-Katalog von 1962 ist ein ähnliches Haus.
Doch gibt es noch einen Kamin auf dem Dach und 
neben der Tür ist noch ein Fenster mit Blumenkasten statt des gepunkteten Wandeinsatzes.


1962 Quelle Katalog - Mail order catalogue

Großes Puppenhaus, zwei Zimmer, Terrasse mit Flügeltüre und Blumenkasten.
Herrliche, bunte Lackierung, innen moderngemusterte Tabeten, zusammenlegbar.
Breite ca. 59 cm, Tiefe ca. 37 cm, Höhe ca. 27cm

Im Quelle-Katalog von 1961 ist es auch abgebildet, 
Türe und Fensterumrandung sind aber in Weiß.
Im Quelle-Katalog von 1963 ist der Bungalow nicht mehr enthalten.


But who produced this dollhouse?
The Virtual Depot database of the Toy Museum in Nuremberg helps again because it shows an earlier version of the bungalow which leads us to Arno Hübsch.

Doch wer ist der Hersteller?
Das Spielzeugmuseum in Nürnberg gibt einen Tipp.
Im Virtuellen Depot ist eine noch ältere Version zu sehen,
 d.h. ein Haus mit noch mehr Holzanteilen.



Fenster und Tür sind aus Holz und auch das Dach sieht aus wie Wellpappe.
Das Erscheinungsbild und die Tapete im Wohnzimmer 
weist deutlich auf die Arno-Hübsch-Häuser hin.



 Oben: Arno Hübsch 1960
Mitte: Spielzeugkatalog um 1960
Unten: Quelle-Katalog 1961




In Katalogen und Auktionen habe ich auch schon 
eine zweistöckige Variante mit Garage gesehen.
 Auch dieses Haus hat sich im Laufe einiger Jahre von Ende der Fünfziger 
bis Anfang der 60er verändert. Mehr und mehr Teile wurden aus Plastik hergestellt.

 

In catalogs and auctions I had also seen a two-story variant with a garage.
This house changed in the course of several years 
from the late fifties to the beginning of the 60s.
More and more parts were made of plastic.
 
 
   Wenn nicht anders vermerkt, sind alle Fotos aus meiner Sammlung
diePuppenstubensammlerin
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6 Kommentare:

  1. Congratulations on your new find. The kitchen cabinets are wonderful - the entire kitchen looks fantastic!
    Joan
    Ohio, USA

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  2. Was für ein schönes Haus der Zeit - und nun ist es perfekt eingerichtet und wunderbar fotografiert. Glückwunsch zum tollen Fund!

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  3. Dank auch an Euch - Thanks for commenting kindly!

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  4. You lucky girl. It looks awesome, what a perfect find.
    Gratuliere.

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