Sonntag, 3. Januar 2016

Küchen - EMS VEB Niedersaida - kitchen

Kitchen with trellis - 1960 EMS - Küche mit Blumenrankgitter





Eine ungewöhnliche Holzküche für die Puppenstube.
Ungewöhnlich aus mehreren Gründen:
um 1960 hergestellt und trotzdem in einem einfachen funktionellen Stil,
Anbauelemente,
ein Blumenrankgitter,
der Eckschrank fehlt.

A remarkable wooden kitchen for dolls houses.
Remarkable because of
the functional and simple style although it was made around 1960,
built-in kitchen, the trellis, the corner cupboard is missing.



Das ungewöhnlichste Küchenelement ist rechts:
 nur für den Blumentopf und die Rankhilfe gedacht.
The furniture piece with the wire trellis 
- solely for displaying the glued on flower pot.
 
 

 

Die Puppenküche in einem Gehäuse vom VEB Grünhainichen.
The doll kitchen in a room box of the
VEB Grünhainichen.


Was für ein Glück, dass ich ein Katalogfoto mit dieser Küche habe. 
Obwohl ich die Rankhilfe schon ein paar Mal in verschiedenen Sammlungen gesehen hatte,
 konnte ich mir so gar nicht vorstellen, 
dass sie wirklich mal in ein Küchenprogramm gehört hat.
 So kann man sich irren.
What a stroke of luck to have a catalogue photo of this kitchen. 
Although I saw the furniture piece with the trellis in different collections
 I could never believe that it really belongs into a dolls kitchen.


um 1960

Alle Schränke lassen sich öffnen.
Der Eckschrank ist diesmal nicht für Töpfe gedacht. 
Hier werden Handtücher getrocknet.
 Vielleicht ist doch der Freischwinger-Küchenstuhl noch ungewöhnlicher
 in einer Puppenhausküche dieser Zeit als das Rankgitter?
 All cupboards can be opened.
The corner cupboard is meant for drying tea towels.
 Perhaps a cantilever chair in a kitchen of that time 
is the most remarkable thing after all.




Verspiegelte Fliesen und grüne Schütten. Sehr ausgefallen.
Mirror tiles, green containers for flour, sugar etc. 
An extraordinary design.




Farbvarianten: mit hellgrünen Schränken und weißen Türen, 
es gibt auch noch eine Variante mit weißen Schränken und hellgrünen Türen.



 

Cantilever chair kitchen - EMS - Freischwinger-Küche

Mal bezeichnete ich diese Küche als "Küche mit Rankgitter", 
ein anderes Mal dann als "Küche mit Freischwinger", 
wohl weil ich mich nicht entscheiden kann, 
welches Merkmal außergewöhnlicher ist. 
Schauen wir uns die EMS-Stühle doch genauer an.
Sometimes I call it "Kitchen with trellis", 
sometime "Cantilever chair kitchen",
 because I cannot make up my mind 
which feature is more extraordinary. T
ake a closer look at the chairs made by EMS around 1960.


Bei dem gelben Holzstuhl links könnte es sich um einen Vorgänger handeln, 
 der schon durch seine moderne Rückenlehne auffällt. 
Der grau-weiße Freischwinger in der Mitte gehört vielleicht in die Küche,
 die auf dem Katalogfoto zu sehen ist - 
wegen des Schwarzweiß-Fotos kann man das natürlich nicht wissen. 
Und die gelbweiße Version gehört sicherlich in eine gelbe Küche.
The yellow wooden chair on the left might be a preceeding model
 which has also an unusual back. 
On the catalogue photo you cannot see which colour the kitchen might have.
 I have a grey/white version and a yellow/white one.



Der Draht des Rankgitters wird hier als Stuhlunterteil verwendet.
The wire of the trellis forms also the legs of the chair.




1960
wurde für ostdeutsches Spielzeug sogar in der 
westdeutschen Frauenzeitschrift "Constanze" geworben. 
Der VEB Grünhainichen stellte dabei sein hochmodernes Puppenhaus "Constanza" vor: 


 Man kann nur die Kücheneinrichtung erkennen, 
d.h. den EMS Küchenschrank mit Oberteil, 
einen kleinen Küchenschrank, den Eckschrank, 
auf der anderen Seite den Hochschrank 
und den Küchentisch mit Drahtunterteil, sowie zwei Freischwingern.

1960 the East-German nationally owned toy firm VEB Grünhainichen
 placed an ad for a very modern dollshouse in a West-German women's magazine.
 You can only see the kitchen furniture,
 an EMS kitchen with two cantilever chairs.


 
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Die EMS-Küchen zwischen den Katalogfotos von 1955 und 1959
 lassen sich nur durch Ähnlichkeiten identifizieren, 
gesichert ist hier leider nichts, 
aber die hervorstechenden Elemente sind schon recht einzigartig
 und finden sich nur bei diesem Hersteller. 


Ich denke, dass diese Küche eine Vorform 
der wunderschönen Anbauküche von 1959 mit den Freischwingerstühlen ist.
 Beide Küchenschränke haben dieselben grünen Küchenschubladen.
I think this is an early EMS kitchen made between 1956 and 1958. 
It features the same green plastic drawers as the kitchen of 1960.


Im Katalog von 1959 finden wir ähnliche Griffe, 
nicht golden lackiert, und ähnliche Schrankfenster.
And it shows similar knobs as in the kitchen of 1959. 
 

Sammlung Sylvia Wentzlau

Noch liegen mir sehr wenige Fotos von Sammlerinnen vor, 
da diese Küchen sehr selten sind 
und in den letzten Jahren selbst bei ebay nur sporadisch auftauchten.


1959







 
 
 
Mitte der Sechziger
aus der Sammlung Anna Setz







Einige Puppenmöbelhersteller sind jeder Sammlerin bestens bekannt, 
ich denke an Bodo Hennig, Crailsheimer oder VERO. 
Seltener taucht der Name EMS oder VEB Niedersaida auf.
EMS war das Warenzeichen des VEB Niedersaida 
und nicht jedem ist geläufig, dass es sich dabei um den Vorläufer der VERO-Puppenmöbel
 aus den 60ern handelt.
 Schade, denn diese Firma stellte neben den traditionellen Puppenmöbeln
 auch erstaunlich ausgefallene Puppenzimmer her.





Die VEB Erzgeb. Möbel- und Spielwarenfabriken Niedersaida 
1952-1965
 
Logo: EMS
entstand nach dem 2. Weltkrieg durch Enteignung der Firma Neubert und Richter und Vereinigung mit anderen kleinen Fabriken. Mitte der 50er Jahre waren sie spezialisiert auf Großfahrzeuge und Puppenmöbel. Am 1.1.1966 wurden alle volkseigenen Spielzeugbetriebe des Erzgebirges zur bekannten VERO in Olbernhau vereinigt, d.h. EMS gab es nicht mehr als eigenständige Marke.



VEB Erzgeb. Möbel- und Spielwarenfabriken Niedersaida 1952-1965, Logo: EMS
  • in 1952 founded by dispossession of  the firm Neubert und Richter and incorporation of some smaller factories
  • by the mid-50s specialized in wooden dolls furniture and larger wooden toy vehicles like diggers and trucks
  • since 1.1.1966 part of VERO 
Zusammenfassung mehrerer Blogposts über EMS
Summary of several posts about EMS

Sonntag, 20. Dezember 2015

Sammlung - Bruchsal - Collection

Sammlung Bruchsal

Puppenmöbel - Dolls furniture 

 

1939 Hermann Rülke
Stahlrohrmöbel im Bauhaustil aus der Vorkriegszeit
Pre-war Tubular Steel furniture - >Bauhaus style

Marcel Breuer war wohl der bekannteste Designer von Stahlrohrmöbeln
 und arbeitete für die >>>Firma Thonet.
Marcel Breuer was the most famous designer for tubular steel furniture.
 He worked for the firm >>>Thonet.
 
 

Sammlung Bruchsal


Aus der Nähe sieht man natürlich, dass die Möbel sehr alt sind, 
doch der Bezug ist noch gut erhalten und das Design
 ist immer wieder überraschend für eine Firma in Nazi-Deutschland.
The modern design always surprises me -
 especially when you remember that a firm
 in Nazi-Germany produced it for a dolls house.
 
 



Gemarkte Puppenmöbel, wie schön und wie selten 
- eine Firma, die ich nicht kannte:
 Möbel Wehrsdorf, ein VEB, 
der eigentlich Möbel und keine Spielwaren herstellte. Hier also ein Schlafzimmer.
 


Strange: furniture made in East-Germany by a nationally owned firm 
which produced "real" furniture and not toys.




Dohnalek-Schlafzimmer von 1954












1950er Schlafzimmer, wohl von Anton Werner.
Auch noch nach 60 Jahren blitzen die silbernen Griffe.



 
Terrassenmöbel von Wichtelmarke
 
 

 
 unbekannte Hersteller
 



Fritz Altmann
Kinderzimmer - Nursery



Fritz Altmann Einbau-Küche




 
Edmund Müller Wohnzimmer
 








 Edmund Müller Wohnzimmer
 
 
 
 
Edmund Müller Schlafzimmer




1957 Paul Hübsch
 
 
 
 


 

seltener 1959  EMS Blumenständer

 

 Wichtelmarke

 

 

Puppenhäuser und -stuben - Dolls houses

 

 

1950er Doppelstube VEB Grünhainichen 
mit Patscheider Puppenmöbeln
 
 
 
 
 
 
1950er Puppenstube vermutlich von Elfriede Lipfert
 
 
 
 
 Bungalow ebenfalls wohl von Elka, Lipfert
 
 
 

Sammlung Bruchsal

Sammlung Bruchsal

Tapeten mit Motiven aus der Geschichte der Kölner Heinzelmännchen.
Wallpaper based on >this legend.
 
 
 
 
 
 
 C. Moritz Reichel - Anfang der 1960er
 
 

 

Albin-Schönherr-Bungalow

Oft fehlt die Markise an Schönherr-Häusern,
doch man kann sie relativ einfach nachbauen:
Very often the awning is missing. 
Fortunately you can replace it quite easily:


...es ist nur ein Stück Pappe, das mit Stoff beklebt ist. 
Man benötigt keine Befestigung, 
es wird einfach in die Leiste über dem Fenster oder den Türen eingelegt.
...it is only a piece of cardboard with glued-on cloth.




VERO





Das mir bekannte VERO-Schwedenhaus hat auf jedem Foto oder Katalogbild links eine Treppe.
Der Treppenabgang ist mit einem einprägsamen Plastikgitter geschützt. 




Dieses Haus hat ja gar keine Treppe!
Dieses Modell war mir neu.
Economy?
Oder Terrasse statt Treppe.
 

Kein auffallendes Plastik-Treppengeländer in orange.





Originalkarton einer Puppenstube im rustikalen Stil aus derselben Zeit.



Und noch ein Originalkarton eines Puppenhauses aus dieser Ära. 
 
 




Puppenhaus Petra, wohl aus den späten 1970ern. 
Hier ist der Originalkarton und das Beiblatt.


 



Eine Ergänzung zu meinem >>>Marktstand-Beitrag,
der Haushaltswarenstand.

 

1930er Baumaterialien für Puppenhäuser 

1930s DIY dolls houses

Puppenhäuser wurden traditionell oft selbst gebaut.
Dazu gab es auch schon in den Dreißiger Jahren vorgefertigte Materialien zu kaufen.
Hier stelle ich nun das Angebot der Marke Breto vor,
denn die Katalogzeichnungen zeigen zeittypische
Puppenhaus-, Puppenstuben-, Kaufladen- und Möbelmodelle.
Zu verdanken haben wir diese Bilder der "Sammlung Bruchsal" .


In former times fathers would spend many hours before Christmas
building a dolls house for their daughters.
Breto was a German brand of the Thirties that had many helpful wooden components on sale.
Today I will show you some pages of their catalogue.
When I visited the "Sammlung Bruchsal" last month
I took not only these photos but many others of interesting room boxes
and dolls furniture which you will see next year.


Fensterrahmen, Fensterläden, Fenster mit Gläsern und Griffen,
verschiedene Türen, auch mit Glaseinsatz, und sogar eine Schiebetür mit Gläsern.
Passend zu den Fenstern gab es sogar Zugrollos,
Zuggardinen, Gardinenstangen und Blumenkästen.

The sliding door with glass inserts.





Und so konnte
Püppchens Wohnhaus
aussehen: Flur, Küche mit WC,
Esszimmer, Wohnzimmer, Schlafzimmer mit separater Badewanne und ein Balkon.

A look into dolly's house with entrance,
kitchen with WC, dining room, living room,
bedroom with separate bath tub, and a balcony.



Auch ein preiswertes Angebot für die Fenster sehen wir hier:
3 Typen von billigen Fenstern ohne Gläser.
Darunter die Ansicht und der Grundriss zu "Püppchens Stube",
die ähnlich wie das Erdgeschoss des Puppenhauses konstruiert ist.

Simple "cheap" windows without glass
and a plan for a three-room-box looking similar
to the ground floor of the dolls house above.



Das Küchenbüffet. 


Die Dreißiger im Puppenhaus - 1930s dollhouses 

 

 

Puppen 
 
 
 
 
Milon Gehler Puppen 
 
 



Ari - Hartplastik - Hard plastic


 

 


 
1950er Caco Biegepuppe
 


1960er Caco-Dame mit Maxi-Kleid
 
 
 
 
 1980er Caco Puppenmüttermode
 
 
 
 
1960er Erna Meyer Biegepuppen-Kinder
 
 
 
 
Aus der Sammlung Bruchsal
From the Collection Bruchsal


Die Sammlerin ist sich sicher, dass dies "Gablonzer" Glasminiaturen sind, 
es steht leider kein Hersteller auf dem Karton.

Der Name "Gablonz" leitet sich nicht von einer Firma ab,
 sondern von einer Stadt in Böhmen
 (heute Tschechische Republik) in der schon seit dem 16. Jahrhundert Glas hergestellt wurde.
 Im 19. Jahrhundert erlebte die Gablonzer Industrie mit der Fertigung von Modeschmuck
 (Glasperlen, Strass) einen großen Aufschwung. 
In alle Welt wurde exportiert, 
dem Netzwerk der unterschiedlichsten Handwerks-, 
Industrie- und Dienstleistungsbetrieben gehörten im Jahre 1938 über 4000 Unternehmen an.

Nach dem Zweiten Weltkrieg befand sich Böhmen hinter dem Eisernen Vorhang.
 Die deutschen Einwohner aus der Region um Gablonz 
wurden von den neuen Machthabern vertrieben
 und viele siedelten sich im Süden West-Deutschlands in Kaufbeuren an.
 Ein ganzer Stadtteil beherbergte die vertriebenen Handwerker und Facharbeiter aus Gablonz,
 die in den Trümmern einer Munitionsfabrik ihre Werkstätten wieder aufbauten
 und Kontakt zu ihren Vorkriegskunden knüpften.
Der Stadtteil wurde 1952 umbenannt in 

Neugablonz

und ist heute wieder der größte Verbund Modeschmuck herstellender Betriebe der Welt.

The collector is sure that these are "Gablonz glass miniatures".
 Sadly there is no name on the beautiful box.

Googling the origin of that brand reveals a fascinating story:
the name derives not from a firm but from a town in Bohemia
 (today Czech Republic) where they produced glass since the 16th century.
 In the 19th the region boomed with success because of their famous costume jewellery 
 (rhinestones) which was exported all over the world.
 In 1938 more than 4000 firms were involved in that industry.

After WWII Bohemia was behind the Iron Curtain 
and the German population was forced to leave - 
exactly the people who owned or worked in the glass industry.
 They could not take anything with them when they fled across the border
 into the south of Germany. 
Many of them settled in a quarter of the town Kaufbeuren
 where they revived their craft and contacted their former clients.
They were successful and in 1952 the quarter was renamed in 

Neugablonz = New Gablonz

Today it is the largest trade accociation for costume jewellery of the world.



Die Weingläser sind allerdings nicht aus Glas sondern aus Plastik. 
Man findet sie häufiger in älteren Puppenhäusern.
Actually the wine glasses are made of plastic and not of glass
 - they are frequently found in German older dolls houses.





Topf, Blüten und Blätter sind aus Glas.
Pot, leaves and blossoms are made of glass.
 
 
 
Nachtrag 11.04.2015
Eine aufmerksame Sammlerin (Bruchsal) machte mich auf den Hersteller aufmerksam:
Joh. Gg. Schopper, Metallwarenfabirk Zirndof bei Nürnberg.
 Annonciert 1956 "Puppenuhren und Puppengeschirr".
Im "Lexikon der Puppenstuben und Puppenhäuser" ist sogar ein Bild von der Uhr.
Danke schön!
 
1956 
Joh. Gg. Schopper
Aluminium- und Blechspielwarenfabrik
Zirndorf bei Nürnberg
Jahnstraße 5
Neuheiten in Aluminiumwaren und mechanischen Spielwaren

Sammlung Bruchsal
 
 
Alle Fotos aus der 
Sammlung Bruchsal 
- zuletzt aktualisiert 3.11.2025 -