Sonntag, 3. Mai 2026

Caco-Eleganz der Fünfziger - Caco elegance of the fifties

 Es überrascht mich immer wieder,
wie viele Modelle der Caco-Biegepuppen es gegeben hat.
Aus den Fünfziger Jahren kennen wir keinen Katalog
und können deshalb auch nicht wissen, 
welche Puppen wir noch finden können.
Aber zu jeder Zeit achtete die Firma wohl darauf,
dass die Miniaturfamilien in verschiedenen Ausstattungen angeboten wurden. 

 English version - translated by Zoe: 

Dolls' Houses
Past & Present

A website and ezine about dolls' houses: antique, vintage and modern.
Plus furniture and accessories. 
Issue 51 (March 2026)



 
Hier hätten wir wohl die Straßenkleidung
des Puppenvaters.
Natürlich mit Krawatte, die er auch im Haus nicht ablegt,
und im Anzug.
Die Mutter mit chicem Kleid,
inclusive weißem Lackgürtel und Kragen,
weder besonders festlich noch für die Hausarbeit gekleidet.
 
 
 
Sammlung Katharina

Das Muster des Kleides ist interessant,
weil es wohl über viele Jahre als modern angesehen wurde,
und es deshalb ungefähr zehn Jahre für die Caco-Mutter verwendet wurde.
Hier sehen wir drei verschiedene Puppen-Modellstufen und immer dasselbe Kleid,
von Mitte/Ende der Fünfziger bis Mitte/Ende der Sechziger Jahre.
 



Während es immer auch eine Stufe weniger elegante Puppeneltern gab,
also eher in Hauskleidung, d.h. Schürze für die Mutter
und nur Hemd für den Vater, 
bot Caco auch eine sehr festliche Variante von Puppen an,
die dadurch für die alltägliche Arbeit im Puppenhaus
wenig geeignet waren.
Trotzdem wurden sie gekauft. 
Hier also der Vater im Smoking und die Mutter im Abendkleid aus Seide.



 
Diese Seidenkleider gab es in vielen Farben,
wie hier in der Sammlung Borbeck zu sehen.
Die Frauen trugen mit diesem Outfit alle eine Perücke 
und hatten flache Schuhe an,
d.h. sie sind aus den frühen Fünfzigern. 


 
Straßenkleidung, die ausgezogen werden kann.

 
 
Auch dieser Hut hält durch ein dünnes Gummi.

 

Sieht wie ein warmer Wintermantel aus.
 



Doch auch Mitte und Ende der Fünfziger gab es besonders
festlich gekleidete Cacos - auch immer (?) mit Perücke.
Die mittlere Dame im hellblauen glänzenden Kleid
- Sammlung Anna Setz - 
und dem Blumenschmuck ist ein Beispiel.
Rechts neben ihr steht eine ebenfalls chice Dame mit schwarzem Lackgürtel,
doch sie ist wohl das Beispiel für die "normale" Eleganz.




Aus der Sammlung Katharina kommt noch eine sehr elegante Dame,
die ebenfalls kein Abendkleid trägt, 
aber ein edles "Cocktailkleid".
Also für Festivitäten vor 20 Uhr, wo die Rocklänge kürzer sein durfte.
Der besondere Schnitt des Kleides im Ausschnitt ist bei Cacos 
ein Hinweis auf nicht alltägliche Kleidung - denke ich.

 
 
 Noch ein wadenlanges Cocktailkleid für Veranstaltungen zwischen 18 und 20 Uhr. 
Wieder dasselbe Dekolleté und auch die Blume.


 

 Der Stoff ist von hoher Qualität, sehr sorgfältig ausgewählt 
und das Muster exakt dem Schnitt angepasst.
Damit die im Dekolleté gezeigte Haut makellos erscheint,
ist eine dünne hautfarbige Stofflage über das gewickelte Baumwollband 
des Biegepuppenoberkörpers drapiert worden.
 
 
 
 
 
 Die eleganten Eltern hatten auch entsprechendes Personal.
In den Fünfzigern gab es bei Caco diese Hausmädchen/Serviererinnen.
Links die ältere Variante aus einem Scenokasten.

 
 

 
Trägt eine Caco-Dame noch einen Hut,
können wir davon ausgehen, 
dass sie in Straßenkleidung unterwegs ist,
und nicht für das Haus gekleidet ist.
Leider sind sogar die aufgeklebten Hüte
oft über die Jahre verloren gegangen,
die mit einem Gummiband befestigten Hüte sowieso.
Hier sehen wir drei Frauen aus der Sammlung Gronau,
die Kleider und Kostüm aus demselben Stoffmuster tragen,
und zwei sogar noch mit passendem Hut. 


 
 
Diese Frauen stammen aus einem Scenokasten,
eine von ihnen muss also die Straßenkleidung präsentieren
und die andere die Hauskleidung.
Der Hut hilft uns bei der Unterscheidung. 

 

Schwarz-weiß kariertes Kleid mit Gürtel in der Farbe des Hutes
auch 1952 in "Der neue Schnitt" Heft 8 auf dem Titelblatt. 

 

 
 
 
Nicht immer war der Hut aufgeklebt,
wie wir hier deutlich sehen können.
 



Noch eine Hutvariante und ein Kleid mit Schößchen,
sicher auch eine elegantere Kleiderversion.
Nein, kaum vorstellbar, dass diese beiden Mütter
in diesem Outfit das Bad putzen.




Die mittlere Dame mit dem Hut
aus der Sammlung Anna Setz
ist dann die Dame für den Spaziergang in dieser Gruppe. 
Die rechte Puppe bestimmt auch,
 denn ihr fehlt wohl der Mantel und der Hut,
meist waren die Kleider darunter sehr einfach geschnitten.




Zum Mantel wird wohl immer ein Hut gehört haben.
Bei den Männern auch?
Die Männerhüte sind extrem selten in Sammlungen zu sehen. 


 
Wenn meine Beobachtung zum festlichen Dekolleté stimmt,
ist die Dame in rot festlicher gekleidet als
die Dame in Blau, die vielleicht sogar "nur"
ein Hauskleid trägt - 
aber die Perücke weist wieder auf eine hochwertigere Ausführung hin.


 

Dieses figurbetonte Kostüm erschien mir immer sehr elegant.


 
 
Den raffinierten Schnitt können wir hier noch besser erkennen.


 
 
Und einen wundervollen blonden Dutt trägt die Dame ebenfalls.
Eine Perücke ist ja immer mit einem höherem Preis der Puppe verbunden.


 

Es gab das Kostüm auch in grün.
Ähnliche Schnitte und Farben sehen wir in einem
Modeüberblick der Zeitschrift "Praline":
 Das zeigt PARIS
 

 
 Auch hier das "kurze Schößchen" mit breitem Gürtel
1959 Praline, Heft 17
 



Hier fällt die raffinierte Verzierung mit der schwarzen Lackschleife ins Auge
- und die Perücke.


Ein zweiteiliges Kleid.
 


 Auch hier ein besonderer Lackgürtel,
wieder ein anderes Modell
aus der Sammlung Gronau. 
Keine Perücke, d.h. nicht besonders elegant?



 
Und in Evas Sammlung sehen wir wohl die älteste Variante
dieses Kostüms/Kleides, denn es hat die längste Rocklänge.  




Die Erklärungen des Scenokasten deuten ja darauf hin,
dass die wunderschönen weit ausgestellten Kleider mit 
den schwarzen Lackgürteln wohl als Hauskleidung zu sehen sind
und nicht als besonders festliche oder Ausgehgarderobe.

 
 
 
 Während Kleider mit aufwändigen Dekolletés 
und extra eingelegtem hautfarbigem Stoff
 wahrscheinlich als eleganter einzuordnen sind.
Die Puppen tragen ja auch meist die teueren Perücken.
 
 
 

Ausgehkleidung erkennen wir ja leicht an den Jacken oder Mänteln.
Bei Caco zunächst immer aus dünnem Filz.

 
 


 Hier fehlt eindeutig der Hut ;)
 
 

 
Diese Gruppe von Frauen aus der Sammlung Katharina
trägt meiner Meinung nach Hauskleidung, 
die natürlich wunderschön ist.
Durch den Mantel der einen Puppe wird ihre Kleidung aufgewertet,
der Spielwert steigert sich,
sie kann nun im Haus und auch auf der Straße agieren,
das Kleid selbst ändert sich dadurch nicht,
ganz im Gegenteil, es ist unter den Mäntel meist einfach.
Der Hut fehlt höchstwahrscheinlich.



 Sammlung Borbeck
 
Einfache Kleider und wunderschöne Mäntel.
Hier ist sogar noch ein Hut erhalten geblieben.


 

 Diese festlich gekleideten Mädchen sind aus verschiedenen Scenokästen,
wo ein Mädchen absichtlich so gekleidet war,
damit es eine besondere Rolle einnehmen konnte
 - die Prinzessin zum Beispiel.
Aber auch im regulären Angebot konnten Puppen mit diesen Kleidern
wahrscheinlich erworben werden.
Es gibt nämlich tatsächlich doch einen einzigen Katalog aus dieser Zeit,
den ich kenne, er ist aber aus Ostdeutschland.
1953 war die Spaltung der Firma ja noch nicht so lange her
und deshalb wird das Angebot noch nicht so stark verändert gewesen sein.
Tatsächlich gibt es hier einige besondere Mädchenpuppen,
alle mit Perücken, mit "Tanzkleid" oder "im Festkleid, Locken" oder "Organdikleid, Locken".
 
Dass die im Katalog gelisteten  Puppen aus einem sozialistischen Staat kamen,
war aber doch schon deutlich zu sehen. 
Das ist mal einen weiteren Blogartikel wert.
 
 
 
    Wenn nicht anders vermerkt, sind alle Fotos aus meiner Sammlung
diePuppenstubensammlerin
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz

Sonntag, 26. April 2026

Zwei Sofas - Design 1984

 Lundby

 
 
 
Lundby Katalog
1984
 Schlafsofa und Regale
 Sofa bed and shelves
 
Erkennbar das IKEA-Design,
angelehnt an das Sofa Klippan und das Regal Billy.
Recognisable IKEA design,
based on the Klippan sofa and Billy shelf.






  IKEA Klippan
 wurde vom schwedischen Designer Lars Engman entwickelt
 und 1979 erstmals verkauft. 
Es wird seitdem ununterbrochen produziert
 und zählt zu den am meisten verkauften IKEA-Möbeln. 
Es war allerdings kein Schlafsofa und es hatte Beine. 
 

 was developed by Swedish designer Lars Engman
 and first sold in 1979. 
It has been in continuous production ever since
 and is one of IKEA's best-selling pieces of furniture. 
However, it was not a sofa bed and it had legs. 

 Das Sofa steht im Schlafzimmer oben links.
The sofa is used as a bed upstairs. 
 
 
 
 Sammlung Ratingen
 
Das Sofa steht unten links. 
  The sofa is at the bottom left.
 
In IKEAs eigener Miniatur-Möbel-Serie
sind Billy und Klippan natürlich auch enthalten
und sehen haargenau wie ihre Vorbilder aus. 

Billy and Klippan are of course also included
 in IKEAs own miniature furniture series
and look exactly like their real-life counterparts.
 
 
 
 
Bodo Hennig 
 
 
1984 - 1985
Aus dem selben Jahr wie Lundbys neues Sofa,
doch das Design ist wesentlich provokanter.
Knallrote Lippen bzw. ein Kussmund schauen uns an. 
 From the same year as Lundby's new sofa,
but the design is much more provocative.
Bright red lips or a kissable mouth look at us. 
 
 

Im Ausstellungskatalog
 
 

 wird Sofa 258 ebenfalls abgebildet (S.80).
 
Die Rückenlehne, die an einen Lippenstiftmund erinnert, 
wurde vielleicht durch das 1970 entworfene Sofa
der Designgruppe Studio 65 inspiriert,
wird hier vermutet.
 The backrest, reminiscent of a lipstick mouth, 
may have been inspired by the sofa designed in 1970
‘Bocca alias Lips alias Marilyn’
by the design group Studio 65,
it is suspected here.

  
Oder vielleicht sind es doch die Lippen von Mae West?
 Or perhaps it is Mae West's lips after all?
 
 
P.S.
Es war Zufall, dass ich beide Sofas von bekannten Puppenhausherstellern
zur selben Zeit gekauft habe, und dass sie tatsächlich aus demselben Jahr sind. 
It was a coincidence that I bought both sofas from well-known dollhouse manufacturers
at the same time, and that they are actually from the same year. 

 
    Wenn nicht anders vermerkt, sind alle Fotos aus meiner Sammlung
diePuppenstubensammlerin
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.


Sonntag, 19. April 2026

Postamt - 1957 Moritz Gottschalk - Post office

  Ein Postamt mit Schalter ("Paketannahme" "Postwertzeichen" = Briefmarken), 
Fernsprecher ("Öffentlicher Fernsprecher" = Telefon), 
Briefkasten "Deutsche Post", Wanduhr und Garage für das Postauto.
 
 A post office with a counter (“Parcel Drop-off” and “Postage Stamps”), 
a payphone (“Public Telephone”), 
a “Deutsche Post” mailbox, a wall clock, and a garage for the mail truck.



 
Sammlung Familie Gröner
 
Ein sehr seltenes Gehäuse.
vor allem habe ich es selten in so gutem Zustand gesehen.
Nicht verbaut oder überstrichen. 
A very rare dollhouse.
Above all, I’ve rarely seen one in such good condition.
It hasn’t been modified or repainted. 
 
 
 
Die Caco-Biegepuppen sind im kleinen Maßstab.
 The Caco bendable dolls are small-scale.
 
 
 Postämter als Form des Kaufladens sind selten.
Ich kenne nur noch die viel später produzierte 
  Post offices as a type of toy store are rare.
I only know of the Modella one produced much later.
 
Die Kinderpostämter waren nämlich nicht im Bereich Puppenhäuser
angesiedelt, sie waren eine Form der Beschäftigungs- und Lernspiele
und damit auch meist aus Pappe.
 
Die Museumsstiftung Post und Telekommunikation 
besitzt rund 450 Kinderpostämter
 überwiegend deutscher Herkunft 
aus der Zeit von 1900 bis zur Gegenwart.
 
In fact, children’s post offices were not part of the dollhouse category;
they were a form of educational game
and were therefore usually made of cardboard.
 
The Museum Foundation for Post and Telecommunications
owns approximately 450 children’s post offices,
mostly of German origin,
dating from 1900 to the present.
 See the link above for photos
 



Parkettboden und weißblau-gepunktete Tapete 
im Postbüro.
 


Wie alt ist dieser Kaufladen nun?

 In der DDR wurden kaum Herstellerkataloge gedruckt,
ein Effekt der Planwirtschaft,
 denn Werbung war für eine Firma nicht überlebenswichtig.
Das ist für die Datierung sehr schade...
  
Im einzigen Gottschalk-Katalog der Nachkriegszeit,
den ich kenne, von 1952,
 ist kein Postamt,
 aber ein Postauto wird angeboten.
 
Wir sehen aber eine 
Tankstelle mit derselben Uhr und dem Garagentor
dieses Postamts.
Die Bestellnummer ist 
530/2
Das Bestellnummernsystem sieht 1952
500er-Nummern für die Tankstellen, Läden und das Bad vor.
 Das Bad hat die Nr. 500/14,
aber in Sammlungen fnden wir es (später?) auch gemarkt mit
 45/5 und 45/20 
 
Diese Post ist ebenfalls mit der 45 gemarkt:
 45/19 
 
Zwei Jahre später 
sind einige Gottschalk-Kaufläden und Tankstellen, aber auch keine Post.
 
Die Bestellnummer unter dem Siedlungshaus von Gottschalk
ist 46/9 mit demselben runden Gottschalk-Stempel. 
Es wurde in Westdeutschland Ende der Fünfziger angeboten und 
hat die gleiche Basisplatte wie das Postamt,
deshalb datiere ich es auf 1957. 
 
 
 



So how old is this toy store?

In the GDR, manufacturer catalogs were rarely printed,
a consequence of the socialistic economy,
since advertising wasn’t essential for a company’s survival.
That’s a real shame for dating purposes...
  
In the only post-war Gottschalk catalog
I know of, from 1952,
there is no post office,
but a mail truck is offered.
 
However, we see a 
gas station with the same clock and garage door
as this post office.
The order number is 
530/2
The 1952 order numbering system
assigns 500-series numbers to gas stations, stores, and the bathroom.
The bathroom has the number 500/14,
but in collections we also find it (later?) marked with
45/5 and 45/20 
 
This post office is also marked with 45:
45/19
 
Two years later
in the 1954 VH catalog
there are some Gottschalk stores and gas stations, but no post office either.
 
The order number under the Gottschalk settlement house
is 46/9 with the same round Gottschalk stamp. 
It was sold in West Germany in the late 1950s and 
has the same base plate as the post office,
which is why I date it to 1957.