Freitag, 16. Mai 2014

C. Moritz Reichel


 Translation by Rebecca >>> here

Die Holzspielwarenfabrik C. Moritz Reichel aus dem Erzgebirge gab es seit 1883 und erst 1972, mit der Enteignung aller noch bestehenden mittelständischen Betriebe der DDR, wurde sie aufgelöst.
The toy factory C. Moritz Reichel in the ore mountains existed from 1883 to 1972 when it was nationalized by the East German Government like all still existing privately owned companies.




1958 feierte die Firma C. Moritz Reichel ihr 75jähriges Bestehen mit einer Erinnerungschrift:

Das Dorf Niederlauterstein im Erzgebirge, an dessen Fuß die Ruine der Burg Lauterstein stehe, habe neben Olbernhau, Seiffen und Grünhainichen auch Anteil am guten Ruf des erzgebirgischen Spielzeuglandes.
Am 18.2.1883
begann Carl Moritz Reichel in einem einstöckigen Häuschen mit der Herstellung von Holzspielwaren.
Ein großes Drehrad übertrug die Muskelkraft des Menschen auf die Kreissäge. 5 bis 6 Mann halfen dem Gründer bei der Arbeit.
1888 waren es schon 10 Personen, der Antrieb erfolgte nun durch eine Dampfmaschine mit 2 PS. 
Die Dampfmaschine wurde in den folgenden 26 Jahren viermal gegen eine stärkere ausgewechselt.
Die Beschäftigtenzahl stieg bis Beginn des 2.Weltkriegs auf 75. 1958 hat die Firma 62 Mitarbeiter.
1914 besitzt die Firma eine 70 PS starke >>>Lokomobile (eine Dampfmaschinenanlage). Schon 1912 sorgte eine eigene Lichtmaschine mit Akkumulatoren für Strom, und seit 1940 ein eigener Drehstrom-Generator.
Die "technische Vervollkommnung" erreichte der Betrieb nach dem 2.Weltkrieg,  z.B. 1946 durch den Einbau eines Walzenvollgatters (automatische Sägevorrichtungsanlage) und 1957 durch eine künstliche Holztrocknungsanlage.

Der Gründer Carl Moritz Reichel übergibt 1924 den Betrieb an seine Söhne Max und Ewald. Die beiden sind zur Zeit der Erinnerungsschrift die Inhaber, der Betriebsleiter ist seit 1948 Gottfried Reichel, der Sohn von Max Reichel.

Zur Produktion
Die Firma blieb sich in Bezug auf ihre Artikel treu, nur die Ausführung wurde je nach Zeit angepasst.
Die Kaufläden und Puppenhäuser waren immer naturgetreue Nachbildungen modernster Bauweise. Die Fichte - der  Baum des Erzgebirges - liefert das Holz.
Das gute Einvernehmen zwischen der Belegschaft und der Betriebsleitung wird stark betont, z.B. durch den Hinweis, dass die Stammbelegschaft während der vergangenen 75 Jahre immer vor langfristiger Arbeitslosigkeit bewahrt wurde.


Bis 1920 wurden die Waren zum Verleger nach Grünhainichen und Olbernhau geliefert, zeitweise in etwa fünfstündigem Fußmarsch durch die Frau des Gründers mit Tragekorb auf dem Rücken.
Im Frühjahr 1920 war die Firma zum ersten Mal auf der Leipziger Messe vertreten, sie gehörte auch zu den ersten Ausstellern im Messehaus "Petershof", wo sie noch "heute" (d.h. 1958) regelmäßig ihren Stand bezog. Der Betriebsleiter selbst vertrat die Firma auf der Leipziger Messe und dadurch auf dem Weltmarkt. Auch auf der Nürnberger Messe waren sie seit deren Bestehen dabei. Die ersten ausländischen Einkäufer kamen 1920 aus den Niederlanden, weiter ging es mit Italien, England und der Schweiz. "Heute" war der weitaus größte Teil der Produktion für den Export bestimmt:
"Außer nach dem Westen unseres Vaterlandes, der Bundesrepublik, gehen die Waren nach Belgien, den Niederlanden, Dänemark, Italien und der Schweiz."


Dass die Firma ein kapitalistisches Unternehmen in einem nun sozialistischen Staat ist, wird außer im im letzten Satz nicht erwähnt:
"...da Betriebsinhaber, Betriebsleiter und Belegschaft bemüht bleiben werden, als Exportfirma den guten Ruf unseres jungen sozialistischen Staates durch die Güte ihrer Erzeugnisse weiterhin festigen zu helfen (...) Ist doch kaum eine andere Ausfuhrware so geeignet wie das Spielzeug, Bote häuslichen Glückes und Mahner zum Frieden zu sein!"


Werbung im westdeutschen Branchenmagazin "Das Spielzeug":



Traumwelten der Fünfziger Jahre - Inge Michno




Sammlung Borbeck


Sammlung Borbeck

Sammlung WK-Niederrhein

>>>mehr Fotos vom Spielwarenladen - >>>more photos of the toy shop


Eine Puppenstube aus der Sammlung Bruchsal.

A room box from the Collection Bruchsal.

Ein Schlafzimmer mit kleinem Bad, ein Wohnzimmer und sogar noch einer Dachterrasse aus der ersten Hälfte der 60er Jahre.

Das Badezimmerchen wurde durch einen Vorhang verschlossen.
A bedroom with integrated bathroom, a livingroom and a roof terrace - from the first half of the sixties.



 

Eine Reicheltür aus den 60ern - ein Erkennungsmerkmal, das vielleicht auch weitere Stuben identifizieren hilft.

Es sieht aus wie Metall, ist aber aus dickem Karton gestanzt.
Cardboard - not metal


Ein aufwendiges Blumenfenster aus Holz. Leider fehlt die gemusterte Scheibe.
 A wooden window with a broad sill for flowers and a wooden door.The bathroom was originally separated by a curtain.


Links ein Schlafzimmer von >>>Crailsheimer - sehr ungewöhnliches Design, wenn man genau hinsieht: wer hat schon mal Einbauschränke am Fußende eines Doppelbetts gesehen?
On the left is a bedroom made by >>>Crailsheimer - a very unusual design or have you ever seen built-in cupboards at the end of a double bed?


Diese Möbel sind aus den Fünfzigern  -  im C. Moritz Reichel Werksfoto sieht man die zeitgemäßen Möbel:


Courtesy: puppenhausmuseum.de

This interior is from the middle of the fifties - in a photo of C.Moritz Reichel you see the original one:
Aber bitte - ein Wohnzimmer mit Bad? Wahrscheinlich konnte man die Schlafzimmereinrichtung nicht in dem verwinkeltem Raum rechts unterbringen. Man sieht, sie hatten damals dieselben Probleme wie wir. Die Einrichtung ist von Wichtelmarke (Ullrich und Hoffmann).

What is that? A livingroom with bathroom? I guess they had the same problems that we have when trying to put the bedroom pieces in the angled room.
The furniture is by Wichtelmarke (Ullrich und Hoffmann).



Eine >>>andere Reichel Doppelstube aus dieser Zeit aus der Sammlung Anna Setz.
die sogar mit genau diesem Wohnzimmer eingerichtet ist,
sowie einem anderen Wichtelmarken-Schlafzimmer.

Another >>>Reichel room box from the Collection Anna Setz.


 
A bad copy of a catalogue photo around 1961. The bathroom was on the side of the room and the window was at the back. The furniture is of Wichtelmarke, too.
Eine schlechte Kopie aus einem Katalog um 1961. Das Badezimmer und das Fenster sind an einem anderen Platz - die Möbel sind aber auch schon von Wichtelmarke.

Und auf diesem Privatfoto sehen wir die Stube dann nochmal seitenverkehrt hergestellt.



Stube mit Hübsch-Möbeln - C. Moritz Reichel - 1960s roombox 

 





 1964 auf der Messe in Leipzig



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