Dienstag, 1. Juli 2014

Biegepuppen - Baps - posable dolls

 Hilde Bartel - Baps-Biegepuppen - Lass uns Puppen machen

The English version of this article was published a few days ago in
Let's Make Dolls: Hilde Bartel and Baps Flexible Dolls


Die Geschichte der Baps-Biegepuppen ist in Marcie Tubbs fantastischem Buch "Dollhouse and Miniature Dolls" auf den Seiten 195 bis 199 beschrieben, illustriert durch viele schöne Fotos. In ihrem Buch wird Edith von Arps als die Erschafferin der Baps-Puppen dargestellt - aber das ist nur die halbe Geschichte.
Der Markenname "Baps" weist schon auf die zweite Beteiligte an der kleinen Firma hin:
das "Ba" steht für Hilde Bartel, das "ps" für Edith v. Arps.


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Als ich vor einiger Zeit einige dieser Puppen kaufte, sandte die Verkäuferin mir freundlicherweise auch zwei alte, sehr aufschlussreiche Zeitungsartikel. Über die Geschichte der Puppen erfährt man im folgenden Bericht besonders viele Einzelheiten:

Morning News - Women's Editor vom 17.04.1980

Deutsche Baronin auf ihrem ersten Besuch im Süden (der USA)

von Frances Ellis
Eine klassische Geschichte von der Rettung eines hungernden Künstlers. Erzählt von der 86jährigen Baronin Edith Von Arps aus München, Deutschland:
"Als ich aufwuchs hatten meine Eltern viele Besitztümer in der Nähe von Berlin. Ich hatte eine französische Gouvernante und ein englisches Kindermädchen. Während des Zweiten Weltkriegs gab meine Schwester eine große Party und ich lernte Hilde Bartel, eine Künstlerin, kennen. Sie und ihre verstorbene Mutter hatten Puppen hergestellt. Hilde war sehr niedergeschlagen. Ich bot ihr an, ihre "Mutter" zu sein, und ihr zu helfen. Da die Russen voraussichtlich nach Berlin kommen würden, schlug ich vor, in Richtung Westen zu fliehen, den Amerikanern entgegen. Ich dachte daran, eine Sprachschule zu eröffnen (Edith von Arps beherrschte 7 Sprachen), aber Hilde sagte:
 'Lass uns Puppen machen.' "
Die Baronin wandte sich in München an ein Büro der Militärregierung, wo die Rezeptionistin sie für eine Hausiererin hielt, aber der diensthabende Colonel sah sich ihre mitgebrachten Puppen an, erklärte sie zu Kunstwerken und half ihr. Er lud sie zum Kaffee ein, kaufte während dieses Treffens selbst für 400 Mark Puppen von ihr und seine Gäste nahmen ihr für weitere 700 Mark Puppen ab. So begann der Erfolg der neuen Firma.

Dieser Artikel geht nicht auf die Blütezeit der Firma in Burgkunstadt ein, die mit dem Tod der Puppenkünstlerin Hilde Bartel im Jahr 1972 endete.
Zur Zeit dieses Interviews - 1980 - bemalte der Künstler Arnold Vals die Gesichter der Puppen. Er war der adoptierte Sohn der Baronin und sagte ausdrücklich:
"Wir importieren immer noch in alle Welt."
Dann beschreibt die Journalistin die Puppen wie folgt:
Die Puppen sind nicht mehr als 2 oder 3 Inches groß (1 inch = 2,54 cm), aus Draht hergestellt, mit Gesichtern aus Leinen und Baumwolle und haben Bleifüße, damit sie stehen können. Ihre Kleidung ist ebenfalls handgemacht. Darunter sind Lieblinge wie Little Miss Muppet with the Spider, Chimney Sweep, Goldlöckchen und die drei Bären, Der Gestiefelte Kater, Rotkäppchen, Winnie Puh und Pinocchio.
(Übersetzung von mir)


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1959 Spielwarenmesse Nürnberg
"Frl. Hilde Bartel" ist auch am Messestand anzutreffen.

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Der zweite Artikel springt in das Jahr 1993, auch Edith von Arps ist seit zwei Jahren tot. Die Lokalzeitung berichtet anläßlich einer Baps-Puppen-Ausstellung im Rathaus von Burgkunstadt:

Obermain-Tagblatt vom 14.05.1993, Lokales, Seite 21

"Baps-Puppen in aller Welt bekannt"

Die beiden ungleichen Damen Edith von Arps (1894-1991) und Hilde Bartel (1890-1972) bauten sich in der Nachkriegszeit am Gutshof an der Abzweigung nach Ebneth eine gemeinsame Existenz auf.
Hilde Bartel, eine Malerin, die mit enormem Fleiß immer neue Puppen entwarf, verkaufte bereits in Berlin die Vorläufer der späteren Baps-Puppen. Sie erzählen von Freude und Leid des Wirtschaftswunders, von Reiselust und anderen Träumen. Märchenpuppen, wo die Hexe und der Wolf zum Anfassen und nicht zum Fürchten gedacht waren. Trachtenpuppen , die als Botschafter in aller Welt von dem Wandel erzählten, den Nachkriegsdeutschland erleben durfte.
Edith von Arps hatte die Verantwortung für den großen Betrieb. Hilde Bartel wäre ohne ihre geschäftstüchtige Partnerin den sicheren Hungertod gestorben, da sie lieber Gedichtbände als Geschäftsbücher las. Edith von Arps war es gelungen, einen Eisenbahnwaggon voller Habseligkeiten aus den Kriegswirren und der Flucht zu retten, die es ermöglichten, einen neuen Hausstand zu gründen und die kleine Firma zu gründen.
Die Puppen zeugen vom Pioniergeist zweier Frauen, die aus Lumpen märchenhafte Puppen schufen, die in die ganze Welt exportiert wurden.
1964 setzte sich Edith von Arps in München zur Ruhe. 1976 fand sie Arnold Vals als Nachfolger für ihre Puppenproduktion. Vals erkrankte zehn Jahre später schwer und stellte die Produktion wieder ein.

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Hier nun die Fotos der Hilde-Bartel-Puppen aus der Berliner Zeit, bevor sie mit Edith von Arps in den Westen floh. Materialien: mit Faden umwickelter Drahtkörper, Stoffbekleidung, Haare aus Garn, bemaltes, textiles Gesicht und Metallschuhe.


Mädchen im Nachthemd(?), Pyjama (?) und Badeanzug

Gärtner und Koch


Mädchen in Kleidern der Gründerzeit

Theaterpuppen (?) oder Märchenpuppen

Diese Puppen sind etwas größer und haben sogar hervorstehende Nasen.



Eine Witwe oder die Königin der Nacht ?

Feen, Elfen oder auch Theaterpuppen?

Sind die Jungen in Schuluniformen gekleidet?

In meiner Sammlung von alten Privatfotos fand ich dieses Bild. Auf diesem Foto hat der Junge Ralf im Jahr 1949 einen ähnlichen Anzug an.



1958
In dieser Anzeige werden "Biegepüppchen für Puppenstuben" als Neuheit bezeichnet.

Rebecca hat für die Online-Puppenhaus-Zeitschrift
Dolls House Past and Present
meinen Artikel übersetzt,
siehe oben,
und dabei noch mehr Fotos hinzugefügt.

Beitrag von 2012


Auf dem obigen Foto ist meine komplette Sammlung von Baps Biegepuppen zu sehen: 2 Stück. Die Kleidung ist aus Filz, die Schuhe aus Metall.
The photo above shows my entire collection of Baps posable dolls: 2 items. Clothes made of felt, shoes made of metal.

Von wem, wann und wo wurden diese seltenen Püppchen hergestellt?
Edith von Arps stellte sie nach dem 2. Weltkrieg bis in die 50er Jahre in Burgkunstadt in Oberfranken her. Sie wurden nicht so bekannt wie die Biegepuppen von Erna Meyer, ähneln ihnen aber sehr im Stil.
By whom, when and where these rarely found dolls were manufactured?
They were made by Edith von Arps during the 1940s and 1950s near Nuremberg, Germany. 
They did not have the success of Erna Meyer's posable dolls although they look quite similar.


Ich habe nur zwei Hinweise in alten Zeitschriften auf ihre Puppen gefunden, 1957 wird sie unter den Neuheiten zur Messe erwähnt, weil sie "eine hübsche Serie Trachtenpuppen" gezeigt hatte. 1953 wegen ihres kleinen Puppentheaters:
"Die Nürnberger Puppenspiele "Baps", das kleinste Haustheater. Von unsichtbarer Hand an einem Stab - Ditsch genannt - in einer den Bühnenboden geschnittenen Bahn durch einfachste Handhabung geführt, spielen die kleinen Püppchen Theater. Eine Anzahl von Spielfiguren ermöglichen immer wieder neue Kombinationen im Spiel. Edith von Arps, Burgkunstadt i. Ofr.
Hier sieht man das kleine Theater in einem Auktionsfoto.

I only found her mentioned in old magazines in 1957 announcing a new series of dolls in traditional costumes and 1953 promoting her small doll theatre in which her fairy tale dolls were moved on a stick.
Here you see the little theatre on an auction photo.

Ich habe mich länger mit der Uniform meiner Puppe beschäftigt, denn nachdem ich die wenigen Informationen über Edith von Arps gelesen hatte und gesehen hatte, dass sie die in ihrer Heimatstadt stationierten Soldaten aus Amerika mit Puppen versorgte, vermutete ich, dass meine Puppe wohl eine Soldatin darstellen sollte. 
Also studierte ich im Internet die einschlägigen Seiten, fand viele interessante Fakten und Fotos, sah auch viele ähnliche Frauenuniformen - obwohl Schwarz-Weiß-Fotos ein kleines Problem bei der Suche nach einer blauen Uniform sind - ich fand sogar noch mehr wunderschöne Frauenpuppen in Uniform - aber keine stimmte mit meiner überein. Ich gab noch nicht auf und besorgte mir zwei Bücher darüber, leider ohne Erfolg. Jetzt kann ich beim Lüften dieses Geheimnisses nur noch auf Kommissar Zufall hoffen - aber spannend war die Suche trotzdem.

I wondered a lot about the uniform of my Baps doll. From all I read about Edith von Arps I assumed that she clad the dolls according to the wishes of her customers - that means American soldiers stationed in her home town who bought dolls in fairy costumes or different German traditional costumes. So my lady most likely wears a woman soldier uniform.
I studied websites about women in arms during and after the II.World War, American and British, and I read so many interesting facts and stories, saw many similar uniforms - just a little problem with the mostly black and white photos - I even found more wonderful cloth dolls in uniform - but none of them was exactly like the one of my doll: neither the Women's Royal Naval Service (WRNS) nor the Auxiliary Territorial Service... I got curious and even ordered two books about women at arms but I was not lucky either. Does anybody of my readers recognize the uniform by great chance?

Kommentare:

  1. I'm not sure about the hat - but she could perhaps be in a post-war WRAF (Women's Royal Air Force) uniform, or even be a woman police officer? Beautiful dolls, anyway!

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  2. Thanks, Rebecca, I succeeded in finding parts of the uniform, e.g. a hat with exactly the emblem of my doll, or the exact stripes on the sleeve, or on the shoulder, or the exact number of golden buttons on the jacket - but never in one uniform together.
    But I did not try the police angel, that is true.
    Anyway - interesting dolls with a lot of history.

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  3. Liebe Puppenstubensammlerin,

    in dem Buch: Dollhouse and miniature dolls 1840 to 1990 von Marcie and Bob Tubbs gibt es einen Artikel über Baps (S. 195-199) mit schönen Bildern dabei. Allerdings keines mit einem Figürchen in Uniform. Vielleicht ist sie eine Stewardess? Oder eine englische Polizistin? Jedenfalls führen Sie einen
    wunderbaren und interessanten Blog, in den man gern hineinschaut!

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  4. Danke sehr, ja, es ist ein kleines Wunder, dass in einem amerikanischen Buch die vollständigsten Informationen über deutsche Puppenstubenpuppen zu finden sind - die Artikel über Caco und Erna Meyer sind auch toll.

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