Montag, 27. August 2018

2 "Machen wir's uns gemütlich!" - "Let's make ourselves comfortable!"

Eine "kleine" Geschichte des Wohnzimmers

A "short" story of the living room in the dollhouse"

Teil 2   DDR 1953 bis 1957 

Die Formalismus-Debatte in der DDR

Part 2  East-Germany  1953 to 1957
The Formalism Debate in East-Germany 

Besser leben - schöner wohnen, S.15

Die DDR erlebte ab 1950 eine von der SED inszenierte Antimoderne-Kampagne, in der Funktionalismus und Bauhausstil als volksfremd und dekadent bezeichnet wurden.
Wie auch in der Architektur wurde nun im Bereich der Innenarchitektur ein ideologischer Kampf gegen den Formalismus geführt.
Der gelernte Möbeltischler Walter Ulbricht versuchte mit Hilfe der Deutschen Bauakademie seinen persönlichen Geschmack als fortschrittliche Wohnkultur durchzusetzen. Der Staat konnte die Richtung der Designentwicklung in der Planwirtschaft diktieren und so wurde einige Jahre versucht, den geforderten Möbelstil auf den Markt zu bringen.
Dabei hatte man schon zu Beginn der Fünfziger mit der Serienfertigung moderner Typenmöbel begonnen, die außer der Flexibilität auch den Vorteil der niedrigeren Produktionskosten hatten.

  *1
1954

Since 1950 East-Germany experienced an anti-modern campaign staged by the SED, the leading socialist party, in which functionalism and Bauhaus style were described as alien and decadent. As in architecture, an ideological fight against formalism in interior design started. The party was able to dictate the direction of design development in this planned economy, and several years they tried to bring a traditional style of furniture to market. This was really strange as at the beginning of the fifties, mass production of modern types of furniture had also started, which, in addition to flexibility, also had the advantage of lower production costs.

 

Abb. 87. Arbeitszimmer, Bücherschrank
Entwurf und Hersteller VEB Ostthüringer Möbelwerke, Zeulenroda, Nussbaum dunkel gebeizt.
"... Anlehnung an die Renaissance unverkennbar. Die Formen wurden allerdings mehr übernommen als bewußt weiterentwickelt... Die Details, Profile und Schnitzereien sind gut. ... In der Gesamtwirkung bildet das Zimmer die Grundlage für eine Weiterentwicklung." 
Besser leben - schöner wohnen, S.88 

Die Ausstellung "Besser leben - schöner wohnen" 1953 in Berlin sollte zeigen, was sich die Partei unter schönen Möbeln vorstellte. Im Unterschied zu den "Mitunter primitiven Möbelformen, die jede Beziehung zu unseren nationalen Traditionen vermissen lassen."

The exhibition "Living better - living more beautiful" 1953 in Berlin was arranged to show what the party meant by "beautiful furniture". In contrast to the "sometimes primitive furniture design, which miss any relationship to our national traditions."
The photos are from the exhibition book and present acceptable furniture designs. Every design is commented critically though. 

But how should a socialist design look in fact?
Neither the party nor this book could give a clear answer to this question.
The economic pressure solved the problem during the next few years.
The traditional crafted design was much too expensive to produce and the people needed new furniture very urgently. By and by the functional design, presented by variable furniture systems, conquered the market, along with a typical fifties design, including kidney-shaped tables and other stream-lined forms, pastel colours and strong contrasts.

The East-German dollhouse furniture of around 1955 is very traditional and shows no sign of the fifties design - perhaps they followed the party's directions as well?

 

Ausstellung Abb. 75
Wohnzimmer VEB Büromöbelfabrik Neugersdorf, Ausführung in Nussbaum, natur mattiert
"Dieses Zimmer zeigt im Detail schon Ansätze zur Verarbeitung des kulturellen Erbes, wie in der gedrehten Fußausbildung, den verglasten mittleren Sprossentüren und auch in der Profilierung."
S.77

 
Im Begleitbuch zur Ausstellung wird schonungslos mit dem verhassten Bauhausstil abgerechnet.

Prof. Dr. Kurt Liebknecht, Präsident der Deutschen Bauakademie, schreibt:
"Die betonte Primitivität, die wir oft in den ausdruckslosen Innenräumen der Wohnungen von Industrie- und Bankherren feststellen können, ist in Wirklichkeit der Versuch dieser Herren, hinter dieser Schlichtheit die Fratze ihres Ausbeutergesichtes zu verbergen." 
S. 15
"Eine Lampe in Form eines Doppeltrichters zeigt die völlige Entartung auf diesem Gebiete"
S.16
"Während die bisher gezeigten Beispiele in voller Nacktheit die unmenschlichen Tendenzen des Formalismus zur Schau bringen, möchte ich an einigen Beispielen zeigen, dass diese Tendenzen, zwar etwas verdeckter, auch heute noch bei uns lebendig sind."
S.16



 Diese Entwicklung wirft einige Fragen auf, zum Beispiel:
Wie sollte ein sozialistisches Wohnzimmer eigentlich aussehen?
Das Ausstellungsheft gibt keine Antwort. 

Warum war der Bauhausstil der Partei so verhasst?
Ein Grund dafür war, dass einige Baushaus-Künstler in den 1930/40er-Jahren in den USA weitergearbeitet hatten und deshalb als dekadent und kapitalistisch galten.


Abb. 80. Wohn- und Arbeitszimmer, Birnbaum
Hersteller VEB Eilenburg



 
Abb. 81 Wohn- und Arbeitszimmer, Nußbaum, natur mattiert, Hersteller VEB Eilenburg

"In diesem Entwurf (Abb. 80 und 81) wurden Elemente des deutschen Klassizismus kritisch verarbeitet, was sowohl in der Gesamtkonzeption wie and den Details (Profilierung und Intarsienrosetten) erkennbar ist."
S. 82

Um diese Zeit wurden natürlich auch Puppenmöbel hergestellt, die meist sehr altmodisch wirken. Ohne Hintergrundwissen meint man, dass die Entwicklung im Ostteil Deutschlands wegen der hohen wirtschaftlichen Belastungen eben langsamer voran schritt und dass das Design deshalb so altertümlich wirkt. Denn in Westdeutschland glänzte zur selben Zeit zum Beispiel Crailsheimer mit neuen Schrankformen für das Wohnzimmer.

Aber vielleicht war auch das Puppenmöbeldesign angepasst an die staatlich vorgegebene Mode?



1954 Edmund Müller
Schränke im alten Stil, wuchtige Sitzmöbel, handwerklich sehr aufwendig verarbeitet






ebenfalls 1954 Edmund Müller


1955 EMS
(Sammlung Gronau)


1955 EMS Wohnzimmer, behäbiger Wohnstil, Sofaliege



1955 Hermann Rülke, DDR, traditionelles Wohnzimmer



nach 1955 EMS
(Evas Sammlung)


Laut der Deutschen Bauakademie (DDR) sollte die Wohnung einen repräsentativen Charakter haben.
"Der Weg von der Garderobe über die Diele ins Wohnzimmer (und von dort eventuell in ein weiteres Zimmer) soll sich dem Besucher als eine abwechslungsreiche Folge schön proportionierter Räume darstellen."
Diese Idealvorstellung wurde anfangs in den Wohnungen der als Sonderbauvorhaben projektierten Neubauten tatsächlich verwirklicht. Wohnungen mit großzügigem Zuschnitt und großzügiger Stockwerkshöhe, mit geräumiger Diele und repräsentativen zweiflügeligen Glastüren ins Wohnzimmer entstanden. Bis Mitte der Fünfziger findet man eine sehr solide Ausbauqualität auf traditionellen handwerklichen Grundlagen. Dann machte der Kostendruck dieser Bauweise ein Ende.


Kehrtwende in der zweiten Hälfte der Fünfziger

" Besser, billiger und schneller bauen "

1954 wurden vom Ministerrat der DDR "Grundsätze zur Entwicklung einer 'realistischen' Wohnkultur" beschlossen - aber von den meisten Möbelherstellern und Designern wurden sie nicht mehr beachtet. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten waren entscheidend, Massenproduktion von Konsumgütern war die einzige Lösung, eine auf Handwerk und Traditionen basierendes Design war in der Herstellung viel zu teuer.
 So setzten sich in der Praxis auch international erfolgreiche funktionale Möbel durch, aber auch -  einige Jahre später als im Westen - eine gemäßigte Nierentisch-Mode.
Dies kann man auch in der seit 1956 herausgegebenen Wohnzeitschrift "Kultur im Heim" verfolgen. Auch wenn einige staatliche Stellen, wie das Ostberliner Institut für angewandte Kunst, versuchten gegenzusteuern und 1957 über "Leuchten, geformt wie Fliegenklatschen" schimpften.
"Kultur im Heim" berichtete stattdessen über westeuropäisches Möbeldesign und lobte die Entwürfe, die kurz vorher noch als dekadent galten.
Die Moderne war wieder im DDR-Design angekommen.
Man baute jetzt nicht mehr nur die schwerfälligen, teuren Einzelmöbel sondern auch die von Ulbrecht als formalistisch bezeichneten Anbaumöbel, angelehnt am Bauhausdesign. Es wurde aber ein neuer Name dafür gefunden: Aufbaumöbel. Der während der Fomalismusdebatte heftig beschimpfte VEB Deutsche Werkstätten Hellerau zeigte sie zum ersten Mal auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1957. Das Design erwies sich als zeitlos. Die Möbel sind heute sehr begehrt.
 
1957 entwarf Franz Ehrlich den Möbeltypensatz „602“ für die Deutschen Werkstätten Hellerau
(Lewitzky, Meine Wohnung, Berlin: VEB Verlag für Bauwesen 1966)


*1
"Vorwort
Das Forschungsinstitut für Innenarchitektur der Deutschen Bauakademie hat mit der Innenarchitekturkonferenz, die am 17. November 1953 im Haus der Ministerien in Berlin durchgeführt wurde, den Meinungsstreit über die Frage des Realismus und Formalismus in der Innenarchitektur und der Möbelkunst in den Vordergrund gerückt. In Verbindung mit dieser Konferenz stand die Ausstellung "Besser leben - schöner wohnen" (Raum und Möbel), die von 15. November bis 29. November 1953 in Berlin stattgefunden hat. Das gemeinsame Ringen um die Probleme einer fortschrittlichen, nationalen Wohnkultur, die den geistigen soweie den materiellen Lebensnotwendigkeiten der Werktätigen entspricht, ist der Ausdruck unseres Kampfes gegen den Kulturzerstörenden Formalismus."


siehe auch


 
...wird fortgesetzt!
...to be continued!

Freitag, 10. August 2018

Ein neues Buch über - Moritz Gottschalk - a new book

 
Knoll, Ulrike: Vom Kindertraum zum Sammlerobjekt : >Puppenstuben, Puppenhäuser & weitere Erzeugnisse der Spielwarenfabrik Moritz Gottschalk Marienberg aus der Sammlung Knoll = From childhood dream to collector's item. Dresden: radicula Verlag 2016
 ISBN 9783000544064


Und schon wieder ist ein Buch zu unserem Hobby erschienen. Wieder zeigen Sammler/innen ihre Schätze. Diesmal sind es Ulrike Knoll und ihre Mutter aus Marienberg.
Sie haben eine wunderschöne Sammlung von Puppenhäusern, aber der weltbekannte Hersteller Gottschalk aus ihrer Heimatstadt gehört zu ihren Favoriten. Die Historikerin Ulrike Knoll recherchierte sorgfältig, sprach mit Nachkommen der Familie und so ist auch der Begleittext zu den schönen Fotos spannend zu lesen.
And again a book about our hobby has been published. Again, collectors show their treasures. This time it is Ulrike Knoll and her mother from Marienberg.
They have a beautiful collection of dollhouses but the world-famous manufacturer Gottschalk from their hometown is one of their favorites. The collector and historian Ulrike Knoll researched carefully, spoke to descendants of the family and her results are just as interesting to read as the beautiful photos are fun to look at.


Der Inhalt - The table of contents


Der Text im Buch ist durchgehend auch in Englisch.
The book is from end-to-end in German and English. 


 
Kontakt zur Autorin/Sammlerin/Verlag - Contact for the author/collector/publisher
info@radicula-verlag.de

...und noch mehr >Bilder - ...even more >pictures


2014 konnte man die Moritz-Gottschalk-Sammlung der beiden unter dem Titel
150 Jahre Spielwarenfabrik und 15 Jahre Schulstiftung Moritz Gottschalk"
Museum sächsisch böhmisches Erzgebirge in Marienberg

sehen. Seitdem sind viele neue Stücke dazugekommen und die Begeisterung der beiden hat nicht nachgelassen!
In 2014 the two collectors presented their Gottschalk collection for the first time in Gottschalk's hometown Marienberg with more than 50 dolls houses, room boxes and other objects made by the famous firm from 1892 to 1967. Since then they discovered a lot more items and their passion for dollhouses has not faded a bit!

Bis jetzt gab es die folgenden Bücher mit Informationen über Moritz-Gottschalk-Puppenhäuser
Other books with information about Moritz Gottschalk 


Bibliography:

1994 Evelyn Ackermann "The genius of Moritz Gottschalk"

2000 "Moritz Gottschalk 1892 - 1931"


2003 Marianne Cieslik, Swantje Köhler "Lexikon der Puppenstuben und Puppenhäuser"  

2004 Femmie Markestein, Karin Wester "Poppenhuizen 1880-1980. Een wereld van illusie."



Mittwoch, 1. August 2018

1 "Machen wir's uns gemütlich!" - "Let's make ourselves comfortable!"

Eine "kleine" Geschichte des Wohnzimmers -  A "short" story of the living room in the dollhouse"

 Teil 1 1930 bis 1954  -  Part 1 1930 to 1954


Nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich der Möbelstil einer modebewussten Minderheit in Richtung "Neue Sachlichkeit". Geometrische Formen, praktische Anbaumöbel und wenige Ornamente waren der Kontrast zum überladenen Stil der Gründerzeit. Am bekanntesten sind heute noch die Gestalter des Bauhauses und ihre Stahlrohrmöbel. 

Der allergrößte Teil der Bevölkerung lebte jedoch in den nur leicht veränderten Möbeln der Jahrhundertwende, d.h. im Stil eines gemäßigten Historismus, und auch die Wohlhabenderen  hielten  die neuen sachlichen Inneneinrichtungen für kalt und ungemütlich.


1930 Mein Eigenheim
Sofagarnitur eines Wohnzimmers. Streifenmuster. Über dem Sofa ein Bild.

After the First World War, the furniture style of a fashion-conscious minority developed in the direction of "New Objectivity". Geometric shapes, modular systems and few ornaments were the contrast to the overloaded style of the Wilhelminian era. Today the best known designers are the ones of the Bauhaus movement and their celebrated tubular steel furniture. However, the vast majority of the population lived in the only slightly altered furniture pieces from the turn of the century, and even the more well-off people considered the new Bauhaus interiors cold and uncomfortable. 


1930er Sessel von Paul Hübsch
Die zwei Armlehnenformen der Sessel - spitz und rund - sieht man genauso auch im Karstadt-Katalog von 1935


1935 Karstadt Polstersessel
Gemusterte Stoffe, gestreift oder kariert. Armlehnen gerundet oder spitz

1930s armchairs by Paul Hübsch. The two armrest shapes of the armchairs - pointed and round - can also be seen in the Karstadt catalog from 1935.


1930er Jahre Paul-Hübsch-Puppenmöbel 
aus "Traumwelten der Fünfziger Jahre"

1930s Paul Hübsch doll furniture

1935 Kaffeetrinken im Wohnzimmer. Über dem Sofa darf ein großes gerahmtes Bild nicht fehlen.
1935 Drinking coffee in the living room.
Typical: above the sofa is a large framed picture 


1932 Mein Eigenheim
Werbung: "Tapeten für den modernen Menschen"
Die Wände sind kahl und ohne Bilder. Auch die Möblierung ist karg und wirkt noch strenger durch die Stahlrohrmöbel: ein Tisch mit zwei Freischwingersesseln

Der Bauhausstil konnte sich nach 1933 nur außerhalb Deutschlands weiterentwickeln, z.B. in den USA, wo auch Marcel Breuer, Walter Gropius und Ludwig Mies van der Rohe arbeiteten.

Advertising: "Wallpaper for modern man".
 The walls are bare and without pictures. The furnishing is sparse and even more severe by the tubular steel furniture: a table with two cantilever armchairs. After 1933 The Bauhaus style could only evolve outside Germany, e.g. in the USA, where also Marcel Breuer, Walter Gropius and Ludwig Mies van der Rohe worked.


Aus der Sammlung  Bruchsal:
1939 Hermann Rülke
Stahlrohrmöbel im Bauhaustil aus der Vorkriegszeit
Pre-war Tubular Steel furniture - >Bauhaus style
Die Firma Hermann Rülke überrascht hier mit einem Miniaturwohnzimmer, das man im Jahr 1939 nicht erwartet hätte. 
Miniature furniture made by Hermann Rülke surprisingly as late as 1939.

Denn in den 30er Jahren war im nationalsozialistischen Deutschland die bevorzugte Stilrichtung im Wohnzimmer neo-klassisch und auch eher schmucklos. Der Bauhausstil wurde abgelehnt.
For in the 1930s, the preferred style in the living room was neo-classical in Nazi Germany.
The Bauhaus style was rejected. 
 "We want simplicity, but not primitiveness."
Quote from German Hausschatz 1938 


1938 Deutsches Wohnen, in: Deutscher Hausschatz

"Wie sieht es überhaupt mit unserer Wohnkultur der letzten Jahrzehnte aus? Trotz aller Errungenschaften der modernen Technik leider recht traurig, muß man sich eingestehen, wenn man besonders an den entsetzlich schwülstigen Jugendstil um die Jahrhundertwende denkt, der geradezu im Gegensatz zu dem letzten echten deutschen Stil, dem klaren, schlichten Biedermeier, steht. Doch schon vor dem Weltkrieg und besonders in den zwanziger Jahren trat glücklicherweise in der Form der Möbel eine wesentliche Besserung ein: Die allzu vielen Verzierungen verschwanden, und die
Formen wurden wieder schlichter und klarer gegliedert.

Allerdings schoß man nun auch wieder über das Ziel hinaus; in dem Bestreben, alles möglichst 'rationell' zu gestalten, waren bei manchen Architekten um 1930 nur mehr fast leere Zimmer mit kahlen Wänden und einigen Stahlmöbeln übriggeblieben. Vom Standpunkt des Reinmachens aus ja ganz bequem, aber ein 'Heim' stellt eine solcherart eingerichtete Wohnung wirklich nicht dar."

"Wir wollen Einfachheit, aber keine gesuchte Primitivität."

Alles Zitate aus Deutscher Hausschatz 1938



1938 Ein Mädel will heiraten:
1938 A girl wants to marry: What is needed to set up a micro-apartment ...

Was zur Einrichtung einer Kleinstwohnung nötig ist...

Möbel: Wohnküche bestehend aus Küchenschrank, Tisch und Kommode, Ruhebank mit Kissen und 2 Stühlen, RM 290,-  (plus Schlafzimmer 345,- = 635,- RM)

Oder - wenn man etwas mehr anwenden kann:
Wohn-Schlafzimmer bestehend aus 2 Schlafsofas mit Bettkasten, Kleider- und Wäscheschrank, kleinem Schreibschrank, Tisch und 2 Stühlen 570,-
(plus Küche 150,- = 720, - RM)

Vorhänge (6m Vorhangstoff), Teppiche (2 Vorleger), Lampen (4 insg.) 39,- RM

Ausstattung für 3000 Mark, mit Wohn-Esszimmer mit kombiniertem Geschirr- und Bücherschrank, Schreibtisch, Ausziehtisch, 4 Stühle mit Polster, Schreibtischsessel, Liege, Nähtisch
Ergänzungsmöbel: großer Polstersessel (120 RM), Stehlampe (30 RM), Teewagen (20 RM), einen Satz Tische (40 RM), Rundfunkgerät (150 RM)




 Nach dem Zweiten Weltkrieg war die einst führende Rolle Deutschlands auf dem Gebiet der Möbelentwicklung völlig gebrochen. Die Ideen der Zwanziger Jahre waren inzwischen durch die vielen, die Deutschland verließen oder verlassen mussten, in den USA weiterentwickelt worden.
Eine wichtige Rolle spielten jetzt die nordischen Länder Europas.
Deutschland musste neu Anschluss gewinnen und das gelang auf einigen Gebieten erstaunlich rasch. Zum Beispiel im Möbelentwurf:
hier wurde klar die Systembauweise bevorzugt.
Der internationale Anschluss bedeutete auch, dass dem sogenannten Internationalen Stil gefolgt wurde.
Doch zunächst blieb man noch in der Formensprache der Vorkriegsjahre und suchte den neuen Stil.
After the Second World War, Germany's once leading role in the field of furniture development was completely broken. The ideas of the twenties had meanwhile been further developed in the USA by the many who left or had to leave Germany.
An important role was played now by the Nordic countries of Europe. Germany had to gain new connections and succeeded in some areas surprisingly quickly. For example in furniture design: Here, the modular design was clearly preferred.
But in the beginning the design of the pre-war years prevailed.


1950 Hermann Rülke, DDR
Ein Wohnzimmer, das sehr wuchtig und schwer wirkt, trotz des hellen Holzes. Ein mit Schnitzereien verziertes schweres Buffet steht im Mittelpunkt.

In meinem Foto habe ich eine etwas andere Sofagarnitur gebildet als das Katalogfoto vorgibt, weil ich die niedrigen Polstermöbel zu dem Beistelltisch gestellt habe. Aber so war es damals gar nicht üblich. Der hohe Tisch steht immer noch vor dem Sofa, obwohl das doch sehr unpraktisch gewesen sein muss. In dieser kleineren Variante des Wohnzimmers gibt es keine Polstersessel.
Wie soll man es sich denn hier gemütlich machen?
A living room that looks very heavy, despite the light colour.
There are no armchairs in the smaller version of the living room, see catalogue photo below.
How was you supposed to make yourself comfortable here?





1950 Hermann Rülke, DDR
Hier sind kaum Verzierungen zu sehen, mit Ausnahme der leicht gebogenen Schrank- und Tischbeine, und durch die Verwendung von hellerem Holz und niedrigeren Schränken erzielt man eine aufgelockerte Wirkung.
Die Glasplatte auf dem Beistelltisch rechts hat ein Loch in der Mitte und ist nur lose aufgelegt. Es handelt sich um ein sogenanntes Rauchertischchen, auf das der Herr alle Utensilien zum Rauchen ablegen konnte. Damit die Holzoberfläche nicht beschädigt wurde, war die Oberfläche dieser Tische oft aus Metall, hier sehr elegant aus Glas.

This German livingroom is a complete set.
  Note the warm wooden colour and the wonderful craftsmanship. The small table is covered by a  glass plate. Formerly there were special tables designed for smokers where you could lay down your smoking accessories without the risk of burning the table. They often had a metal surface, here it is glass.

Schon hier sehen wir also zwei Möbelstile, zwei Einrichtungsmöglichkeiten, aus denen man wählen konnte. Im selben Katalog gab es noch weitere Wohnzimmer, von denen die meisten dem ersten wuchtigen Stil ähneln.
Already we see two furnishing options: light and heavy.




1952 Wilhelm Hergenröther, Nürnberg
Stahlrohrmöbel
"Moderne Puppenmöbel, elegante Clubgarnitur, Couch und Sessel sind mit abwaschbaren Plastikstoffen bezogen."

Die westdeutsche Puppenmöbel-Firma übernimmt zwei Jahre später den Bauhausstil der Zwanziger Jahre. Beispiele dafür finden sich auch in westdeutschen Wohnzeitschriften und Einrichtungsratgebern.
"Modern doll furniture, elegant club set, couch and armchair are upholstered with washable plastic." The West German doll furniture company takes over the Bauhaus style of the twenties two years later. 


1951 "Wohnungen gut eingerichtet"

1952
hat auch diese Erna-Meyer-Puppenfamilie ein Wohnzimmer in der eleganten Variante des Bauhausstils...
In 1952
this Erna Meyer doll family also had a living room with elegant tubular steel furniture ...


... während im selben Jahr das Caco-Familienleben in einer altmodischen und wuchtigen Wohnzimmereinrichtung stattfindet.
  ... while in the same year the Caco family life takes place in old-fashioned and massive living room furniture.


1954 Crailsheimer Wohnzimmer
in einfacher Ausführung, aber modernem Stil, d.h. Sessel ohne Lehnen, in drei verschiedenen Farben, Schrank und Tisch in hellem Holz, und natürlich ein Gummibaum.
A Crailsheimer living room in a simple but modern style, armchairs without armrests, three different colours, cabinet and table in light wood, and of course a rubber tree. 


1954 "Wir richten unsere Wohnung ein"
 Sesseldesign

In den Einrichtungsratgebern dieser Zeit findet man viele Tipps für das Wohnen auf engem Raum.
In the furnishing manuals of this time you get many tips for living in small rooms.



Hier eine Kammer für einen jungen Mann, die platzsparend mit Klappbett, Klapptisch und Klappstuhl ausgestattet ist.
Es gab wenig Wohnraum und meist kleine Räume. Deshalb kam es zu einer neuen "Mobilität", z.B. durch wegklappbare Tischplatten, ausziehbare Betten oder Schlafcouchen.
In dieser Zeit der Zuzugsgenehmigungen, Wohnraumbewirtschaftung und der sozialen Wohnungsbauprogramme empfiehlt 1953 die Gewobag Frankfurt a.M. für Kleinwohnungen des sozialen Wohnungsbaus zur Raumgewinnung eine zweckmäßige Einrichtung:
Einbaumöbel, Ausnutzung des toten Raumes, z.B. in Zimmerecken, keine schweren Stilmöbel. Nichts übermäßig Schweres, Dunkles, Unruhiges, das die Harmonie stört. Man soll vermeiden, die Räume mit Möbeln vollzustellen, die keinen Zweck erfüllen.
1953 Richtig Wohnen helfen. Versuch einer Lösung. Hg. Hans Kampffmeyer, Reinhold Tarnow. Hamburg

Here is a chamber for a young man, which is space-saving equipped with folding bed, folding table and folding chair.
The post war apartments were small. Therefore, a new "mobility" was necessary, e.g. with fold-away table tops, pull-out beds or sofa beds, built-in furniture, use of dead space, e.g. in room corners. It was recommended by housing associations to avoid filling the rooms with furniture that served no purpose.


1954 Von Jahr zu Jahr (DDR) - East Germany
 Hier wohnen zwei glückliche Menschen


Eine Ein-Raum-Wohnung, die als Wohn-Schlaf-Arbeits-Musikzimmer für zwei Personen, einschließlich Küche, dient. 
Here live two happy people
A one-room apartment that serves as a combined living room, bedroom, study, music room for two people, including a kitchen.



... wird fortgesetzt!
... to be continued!