Montag, 30. Mai 2016

Wohnzimmer - Paul Hübsch - livingrooms

 

Die Firma Paul Hübsch aus Seiffen im Erzgebirge stellte schon vor dem 2.Weltkrieg sehr schöne detaillierte Puppenmöbel her. 1951 gab es wieder einen Katalog und es wurde auch wieder exportiert. Trotz schwieriger Bedingungen für kleine Betriebe in der DDR wurde bis zur Verstaatlichung 1972 produziert.
The firm Paul Hübsch from Seiffen in the ore mountains sold dolls furniture before and after WWII. As early as 1951 they published a catalogue and began exporting again. In spite of many difficulties facing a small company in a socialistic country they survived until the general nationalisation of all private enterprises in the GDR in 1972.

Vorkrieg



Die Katalogseiten sind von Paul Hübsch, es findet sich aber leider kein Jahr darauf. Vielleicht stammen sie sogar noch aus den 1920er Jahren.

Aus der Sammlung Katharina



1935 Karstadt Weihnachtsprospekt:
"Schreibschrank, Couch, grosse Form, Nähtisch, Barwagen in modernen Farben lackiert mit Zigarrenschrank und Likörgläsern."

1935 advertising of a big department store 

Welchen Möbelstil verbinden wir mit den Dreißiger Jahren?

Altmodisches, bürgerliches Design, vielleicht sogar Gelsenkirchener Barock. Alle Möbel sind "verschnörkelt", die repräsentative und kaum benutzte "Gute Stube", dunkles Holz, geschwungene Dackelbeine. Flucht aus dem Dritten Reich in die Gemütlichkeit oder Heimatstil der Nazis? Bestickte Kissen, dicke Vorhänge, Schondeckchen aus Brokat, orientalisch gemusterte Teppiche, Pergamentlampen, Ziergegenstände aus gehämmerten Kupfer...

Ja, das gab es natürlich alles, aber welchen Stil bevorzugte nun Paul Hübsch?



1930s furniture by Hübsch in a 1950s room box by Kibri.


What furniture style do you connect with the 1930s? 
An old-fashioned, bourgeois style? All furniture being "richly ornamented"? The parlour is hardly ever entered and reserved for guests, dark wood everywhere, curved dachshund legs. Escape from the Third Reich to the comfort of your own home OR Nazi kitsch? Embroidered pillows, thick curtains, doilies, oriental patterned carpets, parchment lamps, decorative objects made ​​from hammered copper ... ?
Yes, certainly you would have seen all this but what style preferred Paul Hübsch?




Ein Umbauregal für das Sofa.
Corner shelving unit for the sofa.

Vorkriegsspielzeugkatalog:
"Wohnzimmer im Karton, Couches mit modernem Umbau"




Hübsch-Katalogblätter

Hübsch-Sessel-Modelle

1935 Karstadt: Sesselmodelle


Zwei Eckregale



Die vielen Beispiele zeigen, dass die Firma ganz bestimmt nicht den geschmacklosen und überladenen Möbelstil des "Gelsenkirchener Barocks" verkaufte. Es sind teilweise sogar recht schlichte Modelle und einfache Zimmer, in denen es anstelle des stattlichen Wohnzimmerschranks nur eine niedrige Anrichte gab.
Die umfangreicheren Wohnzimmereinrichtungen zeigen sehr schön, was das Bildungsbürgertum sich unter einem kultivierten Wohnstil vorstellte, einen Schreibtisch, einen Bücherschrank, gerne auch Herrenzimmer genannt, und einen großen Servierwagen, um die Gäste im Wohnzimmer bewirten zu können.
Desweiteren fällt in diesen Miniaturwohn-Welten auf, dass es die uns so geläufige Gruppierung von Sofa und Sesseln um einen Couchtisch noch nicht gab. Das Sofa steht oft an der Seite und lädt durch die Form eher zum Liegen ein. Der Mittelpunkt war eindeutig der Esstisch (Spieltisch, Lesetisch, Handarbeitstisch), das Zentrum sämtlicher familiärer Aktivitäten im Wohnzimmer.
Ich vermisse das Radio auf den Katalogbildern, um das sich die Familie bestimmt auch gerne versammelt hat. Die einzige Dekoration ist die Uhr.

Swantje Köhler "Traumwelten der Fünfziger Jahre"




Sammlung WK-Niederrhein

Servierwagen




Zwei Sofas lassen sich zu einem Ecksofa zusammenstellen.
Simple livingroom - two single sofas form a corner sofa.

Kaufhaus Wertheim - Puppenmöbel 

The photos show that the company did certainly not sell the tasteless and overloaded furniture style. Many rooms are quite simple with a sideboard instead of a living room cabinet. The bigger sets illustrate how the educated middle class wanted to live: a desk, a bookcase and a large trolley for the food.




Nachkriegszeit

 
Aus der Sammlung Bruchsal

 Ich habe schon viele Paul Hübsch Kataloge gesehen, die mir von verschiedenen Sammlern freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. Vielen Dank dafür. Ich bin immer auf der Suche nach den Möbelsets, um sie zusammen mit den schwarzweißen Katalogfotos zu zeigen, denn so erwachen diese Puppenmöbel erst wieder zum Leben. Das ist gar nicht so einfach. In meiner Sammlung findet sich nur wenig von Hübsch und auch in den Sammlungen meiner Freunde sind komplette Sets kaum zu sehen.
Im Laufe der Jahre bleibt ein Puppenzimmer nun mal nicht oft vollständig erhalten - nachdem eine oder mehrere Generationen damit gespielt haben, die Möbelchen dann vielleicht Jahre später im Keller oder auf dem Dachboden wiederentdeckt werden, landen sie mit viel Glück bei Sammlern, die sie bewahren. Aber hier werden sie oft wieder zu neuen Sets angeordnet, denn Möbel von verschiedenen Herstellern aber aus derselben Zeit ähneln sich sehr, da alle sich an der herrschenden Mode orientierten.
Last year I was lucky enough to receive many Paul Hübsch catalogue photos of different collectors. Now I am looking for the corresponding pieces to show the rather colourful sets and not only the black and white fuzzy old photos. This turns out to be surprisingly difficult. In my own collection I found very few pieces and that is why I am glad that I know so many collectors who are ready to help.

Das ist die Couch von etwa 1955, eine Armlehne ist etwas höher als die andere. 

This is the sofa of about 1955, one armrest is higher than the other. 



Noch ein Wohnzimmer aus 1955. Die Stuhlform kann man sich einprägen, denn einige Jahre lang verwendete Hübsch sie sehr häufig. 

Aber hier sehen wir uns den Vitrinenschrank genauer an, der im Original so viel besser zur Geltung kommt. Die warmen Holztöne, die Holzmaserung, die sorgfältige Verabeitung und die genaue Kopie eines Wohnzimmer-Buffets aus der Mitte des letzten Jahrhunderts. Diese Form gab es schon vor dem Krieg und bis Ende der Fünfziger hatte Paul Hübsch diesen Stil weiterhin im Programm.


Another 1955 set, please note the design of the chairs: for some years this is a very reliable feature to identify Paul Hübsch.
But here we focus on the display cabinet with its warm wooden colour and texture, its perfect design and its success in copying the real world.



Um 1957 bietet Paul Hübsch ein Wohnzimmer in neuen Formen an. Ein helleres Holz, goldene Türgriffe, sowie eine Holzbemalung, die eine bestimmte Holzart imitieren soll.
Das Design der Schränke ist zwar geradlinig, knüpft aber noch sehr an den Vorgängertyp an. Auch Stühle, Tisch und Servierwagen sind im alten Stil. Wer genau hinsieht, bemerkt aber die ungewöhnlich leichtfüßige Couch mit einem passenden Sessel. Zu gleichen Zeit hatte Bodo Hennig in Westdeutschland einen ähnlichen Sessel im Programm - genau wie in Ostdeutschland war auch er mit einem gepunkteten Stoffmuster bezogen.


Around 1957 Paul Hübsch advertised a livingroom in a new design: lighter painted wood which imitated a more valuable wood, and golden door knobs. The display cabinet and the sideboard are only a little bit more straight-lined, just like the table, chairs and the tea-trolley are not really more modern or in a fifties style. But when you look closer at the sofa and the matching armchair you see a difference though.  




Zwei Schränke aus derselben Serie.
Two display cabinets of the same series.

Jeder Schrank hat einen passenden Tisch. 


1959 ist diese Serie nicht mehr im Katalog enthalten, denn mittlerweile hatte der Fünfziger-Jahre-Stil das Design der Dreißiger auch in der Puppenhauswelt abgelöst.

Each cabinet has a matching table.

In the catalogue of 1959 this style of furniture has finally disappeared in favour of the "real" fifties look.

Im Ausstellungskatalog "Traumwelten der Fünfziger Jahre" sieht man ein Wohnzimmer mit noch einer anderen Version des Schrankes.
The photo from the catalogue (translated:) "Dreamworlds of the Fifties" which shows yet another model of the display cabinet.


1957




 Bunte Wohnzimmer - colourful livingroom sets



Wenn man die Anzeige aus dem Jahr 1960 betrachtet, kommt man nicht auf die Idee, dass die Polstermöbel in Wirklichkeit so farbenfroh aussehen.
Regarding the ad from 1960 you would not expect the colour of the sofa and the armchairs to be so colourful.


Hier ist das Muster der Sessel sogar noch bunter.
Here the pattern of the fabric is even more striking.




ca.1957

Sehr schön, die Möbel auch mal im Originalkarton zu sehen, Servierwagen mit schwarzen Kacheln, Zeitungsständer und Gummibaum - alles unverzichtbares Zubehör der 50er.
Wonderful to see the furniture in its original sale box. A Tea trolley with black tile pattern, a news rack and a rubber tree - the 50s essential accessories.


Fotos: Sammlung Gronau/Sauerland

Sammlung Katharina



1958





 Kleiner Maßstab, alles aus Holz, ganz einfaches kleines Wohnzimmer-Set (Tisch fehlt).
Small scale, wood, very simple, in my set the table is missing.





um 1958 bis 1959 im Katalog

Für mich auffallend:
ich habe die Sitzmöbel als Couchgarnitur arrangiert, in deren Mitte der Tisch fehlt.
Im Katalogfoto ist die Couch ein Solo-Möbelstück, nur die Sessel sind Teil der Tischgruppe.

 

 

 

Wohnzimmer ab 1969  - Livingroom furniture since 1969



 
Hier stelle ich ein Wohnzimmer von Paul Hübsch vor, das wahrscheinlich Ende der Sechziger Jahre verkauft wurde.
Here I present an (end of the?) 60s living room by Paul Hübsch in its original sale box.

 

 
Schrank, Kommode und Tisch sind im weißen schlichten Schleiflackstil, nur die Sitzmöglichkeiten sind etwas gewagter im Design.
Cupboards and table are made in simple white matt-lacquered style, only the seats are a little bit more daring.

 

Beschwingtes Muster des Bezuges, statt Sofa eine flotte Liege und statt Sesseln ungezwungene (und unbequeme) Hocker.
Casual modern pattern of the seat covers, easygoing (and uncomfortable) divan and stools instead of couch and armchairs.



Zur gleichen Zeit - oder früher? - wird auch dieses traditionellere Wohnzimmer verkauft. Die Blume, die Buchattrappen sind geblieben, auch die Tischform ist gleich.
At the same time - or a bit earlier? - this more traditional looking livingroom was sold. Flower pot and books are the same, just like the form of the table.



Dieses Wohnzimmer ist wieder konventioneller, ein geräumiger Schrank, eine Polstergarnitur mit Couch und Sesseln, und diesmal fehlt auch der Fernseher nicht und eine Uhr sagt uns, wann wir ihn einschalten müssen.
This time the livingroom is quite conventional, a big cabinet, a real sofa, two comfortable armchairs, a TV and a clock.


- 2017 Zusammenfassung mehrerer Blogbeiträge
-Summary of several older blog posts