Freitag, 27. Oktober 2017

Kinderzimmer - Nurseries

  Fritz Altmann

 

 Aus der Sammlung
Sammlung Gronau/Sauerland


 Kinderzimmermöbel für die Puppenstube sind selten. Deshalb freue ich mich, diese Holzmöbel von Fritz Altmann nochmal genauer vorstellen zu können. Dies ist ein fast vollständiges Set, nur die Wiege fehlt.
Die Farben erinnern noch sehr an die Fünfziger, hellblau mit einem schwarzen Klebestreifen abgesetzt. Die Blumenbilder auf dem kleinen Schrank passen nicht so richtig dazu.
In einer Anzeige von 1967 und im Katalog von 1968 werden sie noch angeboten - seit wann sie hergestellt wurden kann ich nicht sagen.
Special furniture for the nursery in the dolls house was not often produced. That is why this set still made by Fritz Altmann around 1968 is so special. The material is still wood, Altmann never changed to plastic just like Bodo Hennig, and the colours pastel blue and black have still the 50s touch.



- unterschiedliches Design der Hochstühle, rechts mit runden Beinen -
- not exactly the same design, the high chair on the right has round legs - 


Katalogblatt von Fritz Altmann 1968


Der darauf abgebildete Kindertisch mit Stühlchen.
The children's table with little chair as seen on the catalogue drawing above.


Ein Schlafzimmer aus der Sammlung Katharina im passenden Design.
A livingroom from the Collection Katharina in the same colours.




 Foto
>>> Puppenstubenmuseum Jakobsweiler mit der Sammlung von Ingeborg Michno


Die Möbel sind auch >hier in einer Anzeige für ein Puppenhaus  zu sehen.
A photo of the set from 1967       >ad of a dollshouse 


"Mama, wach auf!" -  "Wake up, Mommy!


Paul Hübsch



1962 Kultur im Heim (DDR)

1969




1969 Karstadt Spielzeugprospekt



Modella



 

70er Kinderzimmer von Modella im kleineren Maßstab
 70s nursery by Modella in the company's smaller scale



Ein ähnliches Kinderzimmer, auch im kleinen Maßstab, die Familie ist gewachsen, statt Wiege steht jetzt ein Etagenbett im Kinderzimmer - das kleinere Kind kommt aber noch ab und zu in den Laufstall. Dieses Zimmer ist wohl älter als das vorige.
A similar nursery - a little bit older than the previous one perhaps? The family has grown because there is a bunk bed instead of the cradle. But the younger one is still confined to the playpen from time to time. 


 

Im alten Puppenhaus-Kartenspiel von 1972 widmen sich diese vier Spielkarten ebenfalls dem Kinderzimmer, zusammengestellt mit Lundby, Hennig und Modella Möbeln. Unten links wurden wohl die Möbel aus der Modella Stube darüber verwendet.
In the old card game about dolls houses of 1972 are some nurseries, too. They were assembled with Lundby, Hennig and Modella furniture. The photo on the bottom left shows all furniture of the Modella nursery above.


 
Sammlung WK - Mitte der 70er - mid-70s

Die beiden Kinder sind weiter gewachsen, das Etagenbett ist zum Abenteuerbett umfunktioniert worden, aber es wird wohl nicht mehr so viel getobt sondern viel Musik gehört und auch Gitarre gespielt.
The adolescents now have an adventure bed but spend most of their time listening to music or playing on the guitar.

Foto: Moderne Zeiten im Kinderzimmer - Stadtmuseum Bergkamen

Noch ein wunderschön ausgestattetes Kinderzimmer mit sehr viel Spielzeug und einem seltenen Kinderwagen und Kinderstuhl. Sogar einen Wickeltisch gibt es!
Another wonderful detailed nursery by Modella with many toys and rarely seen perambulator and rocking chair - there even is a diaper changing table!






Bodo Hennig






 Beleuchtung fürs Kinderzimmer



1951 Kinderzimmer-Beleuchtung

Sammlung Katharina
Kinderzimmerlampe Rudolf Süß



Alles fürs Baby - All your baby needs 

 


 Plastikwerk Fiedler & Podey, Neulussheim/Baden

Hartplastik - rigid/hard plastic

Fiedler and Podey "Plasty"


Weichplastik - soft plastic


Tierbilder auf den Weichplastikwiegen von Fiedler & Podey, nicht gemarkt.
Pictures of animals on the cradles of soft plastic by Fiedler & Podey - no logo though.



DDR um 1955


DDR um 1955 



Puppenwagen - Kinderwagen - Stubenwagen

1963

DDR - GDR (East Germany) 60s - 70s?

"Korbi"



 1963 Constanze



Micky Maus - Mickey Mouse


Einzimmerstube (Selbstbau - DIY)
aus der Sammlung Anna Setz

 





Anna Setz: "Eine Puppenstube aus den 1930er oder frühen 50er Jahren. Ein Selbstbau, die grobe Heimarbeit eines Vaters?
In der damaligen Zeit war es wahrscheinlich schon schwierig, Holz für Spielzeug zu bekommen. Schleifpapier oder Schleifmaschinen waren nicht üblich.
Aber man hat sich anders geholfen. Damit die Innenwände zum Tapezieren glatt genug waren, klebte man zuerst Zeitungen an die Wände - genau wie im richtigen Leben.
Außen gab es einen Anstrich aus dicker weißer Lackfarbe.
Trotz ihrer Grobheit ist die Stube sorgfältig gearbeitet.
Dazu gab es eine lustige Kindertapete, etwas fröhliches in der damaligen Zeit: Mortimer Mouse von 1928 von Walt Disney.
Wann kam die Tapete nach Deutschland? Noch vor der braunen Zeit oder mit den amerikanischen Soldaten während der Besatzungszeit?"



Schaukelpferde aus Holz - Wooden rocking horses

 

1954 "Brigitte"

Ein Spielzeug mit langer Tradition: das Schaukelpferd. In den 50ern wurden sie noch alle aus Holz hergestellt. Diese Variante ähnelt einem Schaukelstuhl und verhindert, dass das Kind herunterfallen kann.
Rocking horses have a long tradition. During the 50s they were still all made of wood. Here they look more like rocking chairs - very safe for small children.

Natürlich gab es zur gleichen Zeit auch eine Miniaturausgabe.
At that time you could get everything en miniature, too.

1957 "Das Spielzeug"


 



Schaukel-Hahn und Schaukel-Ente.
Rocking cock and rocking duck.



Meine kleine Sammlung: rechts ein späteres Caco Schaukelpferd.
My small collection: on the right a rocking horse of the 70s by Caco.


Privatfoto aus den Dreißigern(?)  - 1930s?


- Zusammenfassung von mehreren Beiträgen zum Thema
- Summary of several posts

Freitag, 20. Oktober 2017

Badezimmer - Bathrooms

 

Und wieder spiegeln die Spielzeug-Badezimmer die Kulturgeschichte von Badewanne und WC.
In dieser Ausstellung über Minatur-Badezimmer
kann man die Entwicklung des Badezimmers als Kinderspielzeug gut nachverfolgen.
In diesem Beitrag sieht man Fotos zum Badezimmer-Design, die in den letzten Jahren in meinem Blog gezeigt wurden.

Children's toys always mirror the real world. The miniature bathrooms were equipped with exactly the same facilities as in the most modern household. In this exhibition about miniature baths
you can follow the development of the bathroom very nicely just like I try to show it in this post with German statistics and more photos.

 
Ein Bilderbuch von 1913 - A picture book of 1913
In dieser Puppenhaus-Villa mit vielen Zimmern und Personal gibt es natürlich ein Badezimmer. Die Kinder haben mit der Porzellan-Vater-Puppe gespielt und sie in der Puppenbadewanne im Wasser liegend vergessen.





In den Nachkriegspuppenstuben sind teilweise kleine Kammern mit WC eingebaut.
Bei Albin Schönherr (DDR) zum Beispiel.

Katalog 1952

Das Örtchen ist in dieser Version unter der Treppe...



... und hier im Schlafzimmer.


Am Ende des Jahrzehnts war der kleine Verschlag im Schlafzimmer schon etwas größer, hatte sogar eine platzsparende Schiebetür mit Fenster, das mit Stoff dekoriert war. So war nun Platz für ein WC und ein Waschbecken.



Wie wir in der obigen Ausstellung gesehen haben, war das Badezimmer ein beliebtes Spielzeug, das meist unabhängig von einem Puppenhaus gekauft wurde. Das Spiel mit Wasser und die Technik der Rohre, Wasserkräne und Abflüsse war spannend für Kinder. Zunächst waren die Badezimmer aus Blech, das ab den Fünfzigern den Kunststoffen weichen musste. Nun rostete es in den Spielzeugbädern nicht mehr.

 
Mitte der Fünfziger, Göso Blechbad



1954

Viele alte Blechbadezimmer sind entweder von Märklin oder von Kibri, den beiden großen deutschen Modelleisenbahnherstellern. Vielleicht sind deshalb in den Kibri-Stuben und -häusern oft Badezimmer integriert. Das obige Katalogfoto zeigt eine Stube in der sich "ein modern gekacheltes Bad mit fließendem Wasser und Einbauwanne" befindet. Kein Waschbecken, keine Toilette, keine Dusche, nur die Badewanne.



Ausstellung "Träume werden wahr"



 
1956

Auch in dieser Kibri-Stube ist ein Badezimmer - rechts, wenn man durch die türkise Tür geht.


1960
Sammlung Gröner und Heller 
Kibri-Puppenhaus mit passendem Kibri-Bad - mit räumlich getrenntem WC.
Kibri dollshouse with a bathroom made by Kibri.



Ostdeutschland


Fünfziger Jahre - DDR

 Linus Dähnert KG
Fabrik feiner Holzspielwaren
9341 Wünschendorf / Erzgeb. 

"Ausführung: Lackierung wasserfest, Nitrolack weiß mit schwarz, hochglanz lackiert, Fliesen, Wanne, Waschbecken, Eimer und Wasserbehälter Kunststoff, ein- und ausschaltbare Wandlampe, 3/4 Volt." (Katalogbeschreibung)


Hier wurde in einem Holzgehäuse geplanscht.


Das Waschbecken und der Badewanneneinsatz sind aus Kunststoff. Die Toilette vollständig aus Holz.



Eine hellgrüne Version.



Eine frühe Version, mit dickem Boiler und ohne Kunststoff.




Auch bei Moritz Gottschalk finden wir kein Badezimmer. Nur ein WC unter der Treppe.

  
um 1960

 



Sammlung Anna Setz

Viel fortschrittlicher ist zur selben Zeit der VEB Grünhainichen, der viele Badezimmer im Programm hatte. Alle in Holzgehäusen, mal einzeln, mal in Kombination mit einer Küche, so wie hier. Wanne, Waschbecken und WC sind aus Porzellan.



VEB-Grünhainichen-Porzellan-Waschbecken in einem Puppenhaus von Mitte der 1960er



C. Moritz Reichels Katalogfoto ist von Anfang der 60er Jahre und zeigt einen durch Vorhang abgetrennten Raum als Badezimmer. Ich denke, das Bad sollte aber im Schlafzimmer sein und nicht im Wohnzimmer! Die Gestalter der Werksfotos machten sich wohl nicht so viel Gedanken wie die Gestalter der Puppenstuben.

Sammlung Bruchsal





Wieder zurück nach Westdeutschland.

 
 1962 Film und Frau, Architektur H.4 (BRD)

In Bodo Hennigs Stuben und Puppenhäusern war in den Fünfzigern bis Anfang der 1960er kein Bad und er bot auch keine Badezimmermöbel an. Bis Kunden auf der Internationalen Spielwarenmesse in Nürnberg ihn darauf ansprachen. Erst danach "präsentierte er im Katalog von 1963 Badezimmermöbel in der Modefarbe türkis, die 27 Jahre im Sortiment blieben. Es wurden 300.000 Exemplare davon verkauft. In den ersten Jahren waren mehr WC's als Küchenstühle gefragt!"
(Quelle: Wohnen in Miniatur. 1950 bis heute. Puppenmöbel von Bodo Hennig. Hessisches Puppenmuseum Hanau-Wilhelmsbad 1994)


1964 sehen wir das Badezimmer als mobiles Element schon in einem Puppenhaus von Bodo Hennig.







In Hennigs Puppenhaus von 1966 ist das Bad auf der Rückseite.




1970 bis 1975 konnte man die Hennig-Puppenstuben mit diesem orangem Bad erweitern.






Das Bad in Hennigs großem modernen Flachdachpuppenhaus von 1974 bis 1978.






Aber auch die Einzel-Blechbadezimmer gab es in den Sechzigern noch. Beispiele von Martin Fuchs aus der Ausstellung "Träume werden wahr".








Wir springen wieder zurück in die DDR, hier hatte der VEB Grünhainichen auch 1965 weiterhin Puppenhäuser mit Badezimmern im Programm.



Der typische schwarzweiße Fliesenboden ist geblieben, ein Mosaikfenster gehört jetzt oft dazu, die Badeinrichtung ist nun komplett aus Plastik.



1966 wirbt Moritz Gottschalk in Westdeutschland für sein neues hochmodernes Puppenhaus - doch es hat kein Bad!




Modella-Badezimmer  -  Modella bathrooms

Paul Kerkmanns Angebot an Badezimmer-Stuben war immer groß. Man konnte zwar nicht wirklich mit Wasser planschen, aber es gab WCs mit Deckel, Spiegelschränke zum Öffnen, kleine Handtücher, Spiegel, Bürsten und Dosen, so dass trotzdem gespielt werden konnte. Wasser im Kinderzimmer hätten Eltern wohl problematisch gefunden...

1969




 Sammlung WK-Niederrhein
Bad von ca. 1970, Maßstab  1:20



1971

1972

Sammlung Gronau
1972

1972



Mitte der 70er - Mid-70s


 1974






Auch JEAN, die andere Puppenmöbelfirma, die in der BRD ausschließlich Kunststoffmöbel herstellte, hatte Mitte der Siebziger ein detailliertes rosa Badezimmer im Angebot.









1970

Die Hersteller von Puppenstubenbeleuchtung hatten immer auch Modelle für die Küche und das Bad im Programm.


Eine Kombination von Beleuchtung und Spiegel von Kahlert.


Viel verbreiteter war aber der "Allibert", ein Badezimmerschrank mit Spiegeln als Türen, der über dem Waschbecken hing.

"Allibert? Seinen Namen hat er von Monsieur Joseph Allibert, der Ende der fünfziger Jahre in Grenoble begann, Badezimmerschränke aus Plastik zu fabrizieren."
 Christine Meffert: Allibert: Der Schrank, der einmal in jedem Bad hing
 ZEITmagazin. In: Die Zeit. 20. Oktober 2016







Bodo Hennigs "Allibert" war aus Holz und etwas grobschlächtig im Design. Doch die Türen konnten die Kinder bei diesem robusten Modell gut öffnen. Etwas feiner und dem Vorbild ähnlicher waren die Kunststoff-Spiegelschränke vom Konkurrenten Modella.




Literatur
Alphons Silbermann, Michael Brüning: Der (West-)Deutschen Badezimmer. Eine soziologische Studie. 1991
Alphons Silbermann: Badezimmer in Ostdeutschland. 1993