Sonntag, 12. April 2015

ARI - August Riedeler, Königsee




 ARI-Puppen 

wurden nach dem Zweiten Weltkrieg aus
Porzellan, Steingut, Hartplastik und Weichplastik hergestellt.
Sie waren immer preiswert und wurden in alle Welt exportiert, deshalb findet man sie in vielen Puppenhäusern.

 

 1950
hatten im neu gegründeten sozialistischen Staat der DDR
die Puppenhausfamilien immer noch Personal.
Ari-Werbung
Mutter, Vater, Kinder mit Kindermädchen und Dienstmädchen

In the newly founded German Democratic Republic, the East-German socialist workers' and farmers' state, the dolls family of 1950 still had servants: a nurse and a maid


 
 Spielzeugmuseum Nürnberg - Virtuelles Depot
gemarkt 161
Masse - Composition 


© Museum für Sächsische Volkskunst, Dresden

Modell 161
"Puppenstubenpuppe, Mädchen
Deutschland, um 1930
Museum für Sächsische Volkskunst
Material und Technik
Masse, geformt, gemalte Augen und Schuhe, geschlossener Mund, fester Kopf, ausmodellierte Haare, bewegliche Glieder, alte Kleidung
Maße H 7,5 cm"

Modell 161
Masse - Composition  

Modell 147

Deutschland, um 1930
Museum für Sächsische Volkskunst
Material und Technik:
Masse, geformt, gemalte Augen und Schuhe, geschlossener Mund, fester Kopf, ausmodellierte Haare, bewegliche Glieder, alte Kleidung, Blumenstrauß aus Textil
Maße: H 8,5 cm

 
Modell 510
Masse - Composition 

 


 
Masse - Composition

 

Wohl Modell 146 (Junge) und 147 (Mädchen)
Masse - Composition 



Massepuppe - Composition doll
(wohl Ari - leider nicht gemarkt)









Und von wann sind die Puppen ungefähr?
Da es leider keine Kataloge gibt, kann ich nur Vermutungen anstellen.
Es fängt wohl oben mit den Dreißiger Jahren an und endet mit den Puppen unten in der Mitte der Fünfziger Jahre. Wer mehr Informationen hat, kommentiere gerne dementsprechend.

The age of these composition dolls from my collection is not sure. I arranged them chronolgically I hope - beginning with the 30s and ending with the 50s, I guess.


Ari dolls
were made of porcelain, earthenware, hard plastic and soft plastic after WWII.
They were always rather inexpensive and they were exported all over the world. That is why you can find them in many dolls houses.



 Hartplastik



1954



Hartplastik - Hard plastic


Model number 1014







Weichplastik - Soft plastic


Hartplastik - Hard plastic
Sammlung Bruchsal




1958








Puppen aus Weichgummi - Dolls made of soft plastic










...und dieser Matrose? Ist er auch ein Ari-Produkt? Die Augenbemalung sieht sehr ähnlich aus.
And this sailor? Another Ari doll? The painted eyes look very similar.






 Hier ist die rechte Puppe wohl ein Rotkäppchen.
Here the right doll might be a Little Red Riding Hood.


Hartplastik - Hard plastic

Dasselbe Modell in Hartplastik und Weichplastik.
The same design in hard plastic and soft plastic.






Die linke Puppe ist wohl ein Rotkäppchen.
The left doll might be a Little Red Riding Hood.


Puppen- und Spielzeugmuseum Bad Münstereifel

Sammlung Borbeck 





Weichplastic - Soft plastic





 




1990er Jahre



Sammlung Bruchsal


 >>> 1958 Werbung - Advertisement

>>> 1965 Werbung - Advertisement

>>> 1967 Werbung - Advertisement

>>> 1971 Werbung - Advertisement


History 1864-1997
a fourth-generation, family-run business of producing dolls and other articles which survived two World Wars, being disowned during the socialistic period of East Germany.


Geschichte 

1864 starb August Riedelers Vater Christian als er 15 Jahre (23.4.1849-25.2.1943) alt war und seine Mutter Christiane führte das Bijouterie-Geschäft in Königsee im Eckhaus Schmidtenstraße und Postgasse weiter. Er selbst absolvierte in Weimar eine Ausbildung zum Goldschmied. Erst 1872 kehrte er vom Militärdienst und Jahren in der Fremde - u.a. auch am Hofe des Sultans in Konstantinopel - zurück und gründet die Firma A. Riedeler, Königsee/ThüringenGroßhandel für Spielzeug 
1874 heiratete er Johanna Blankenburg. Im November kam ihr erstes Kind, Elise, zur Welt. Johanna Riedeler fing an, Puppen zu kleiden. Zuerst kleine weiße Porzellanpuppen. Die Rohpuppen wurden aus Großbreitenbach gekauft. Nach kurzer Zeit wurde eine eigene Porzellanfabrik in Großbreitenbach eingerichtet. Es wurden Porzellanpüppchen, Köpfe, Arme und Beine für Nankingbälge fabriziert, die bereits in Heimarbeit erstellt wurden.
1876 Geburt des zweiten Kindes, Sohn Carl. Das Geschäft vergrößerte sich und in Königsee wurde ein Hinterhaus im Hof angebaut. In der 1. Etage wurden die Puppenkleider zugeschnitten, im EG war der Packsaal. Ein Bauerngut in Garsitz, ein Ortsteil, der zu Königsee gehört, wurde zu einer Porzellanfabrik umgebaut, doch das Grundstück lag sehr hoch und die Zufahrt war beschwerlich. Der Betrieb "Puppen" blieb in Königsee, Schmidtenstr. 11, in Garsitz wurden zunächst zwei Brennöfen, später noch ein Dritter, gebaut. Außer Puppen wurden Puppenservices, Moccatassen für den Orient und die sogenannten Thüringer Artikel hergestellt.
1890 kommt Rudolf Röhler nach Garsitz und verbessert die Produktion, da er bereits in einer Porzellanfabrik gearbeitet hat. Auch das Hauptbüro ist jetzt in Garsitz.
Nach 1918 leiteten Sohn Carl Riedeler und Rudolf Roehler, der eine Tochter von August Riedeler geheiratet hatte, die Firma. Es erfolgten ständige Erweiterungen, vor allem in der Puppenproduktion.
Im 2.Weltkrieg: Einstellung der Spielwarenproduktion, dafür kam ein Rüstungsbetrieb aus Schlesien. 
1943 August Riedeler stirbt.
1945 Demontage durch die Russen. Umstellung von Rüstungsproduktion auf Puppenproduktion. Nach dem Krieg heiratete Horst Steinmann eine Riedeler-Tochter, Leonore, seine Großcousine, der gemeinsame Großvater war August, der Gründer des Betriebes. Steinmann hatte im Krieg als Entwicklungsingenieur gearbeitet und kannte sich auf dem Gebiet der Ersatzstoffe aus. Als es zu Engpässen in der Versorgung durch die Russen kam, dachte er: „Machen wir unsere Puppen doch aus einem anderen Material.“ Es wurden Versuche gemacht und dabei die erste Weichplastepuppe der Welt erfunden, efertigt aus Polyvinylchlorid, bestehend aus Kohle, Kalk und Salzsäure, genannt PVC.
1948 erste Plastepuppe, Marke ARI.
Bis 1950 wurden täglich 3000 bis 4000 Porzellan-, Steingut- sowie Hartplastikpuppen hergestellt.
Ab 1952 Beginn der Weichplastikproduktion, die einen enormen Umsatzanstieg brachte.
1955 Teilnahme an der Spielzeugmesse in Nürnberg mit "Große Kollektion Biege-Püppchen aus weichem Material" ("Das Spielzeug" 1955).
1958 zeigte man auf der Leipziger Messe neue Elastin-Puppen und fahrbare Quietschtiere aus Elastin.
1960 kamen neben neuen Miniaturautos auch Elastin-Puppen mit eingenähten statt aufgeklebten Haaren dazu. In einem Bericht über die Leipziger Messe wird die private Firma sehr für die Exporterfolge seit 1945 gelobt. Abnehmer sind in den USA, Kanada, Südamerika, Australien, Südafrika, Irak und der Vereinigten Arabischen Republik ("Neue Zeit")
1964 war Riedeler die größte Puppenfabrik der DDR. Inhaberin war immer noch Leonore Steinmann, geb. Riedeler, Geschäftsführer war seit 1952 der Ehemann Horst Steinmann. Mit 860 Beschäftigten plus 360 Heimarbeitern wurden pro Tag 30000 bis 40000 Puppen hergestellt, von denen 90 Prozent exportiert wurden. Immer noch waren kleine Puppen und Garnituren der Schwerpunkt. Modelle und Kleidung entwarf die Inhaberin selbst.
Erst 1972 wurde die Firma verstaatlicht, mit einer Belegschaft von 1200, davon nur zwei SED Genossen, laut Steinmann der einzige Betrieb in der DDR, in dem das so war. Damals war der Tagesausstoß 50000 Puppen. 90 Prozent der Produktion wurde in den Westen exportiert. Die Firma gehörte vorher zu den zehn größten Privatbetrieben der DDR. Königsee wurde dem Spielwaren-Kombinat Sonneberg zugeschlagen. Horst Steinmann blieb auch während der VEB-Zeit langjähriger Direktor.  
1988 Fotos aus der Produktion
1989 bekam Steinmann sein Unternehmen nach der Wende zurück, musste jedoch erst einige große Hürden überwinden bis die ARI-Puppen wieder auf Weltreise gehen konnten, denn laut Einigungsvertrag mussten die alten Lieferverträge aus der VEB-Zeit eingehalten werden, aber die damaligen Subventionen wurden gestrichen.
1994 waren die Schwierigkeiten überwunden, Steinmann hatte es sogar ohne Bankkredite geschafft. Er stieg wieder in den so wichtigen Export ein, indem er Fachmessen in den USA, in Südkorea und Taiwan besuchte. Die Firma A. Riedeler GmbH & Co. KG Puppenfabrik Königsee kehrte also wieder auf die Weltmärkte zurück. Das gelang aber nicht allein mit den bis zur Privatisierung gefertigten Weichplastpuppen, denn damit hätte man mit den Billiganbietern in Südostasien nicht konkurrieren können. Die Rettung war letztendlich das firmeneigene Modellarchiv. Es wurden Porzellanpuppen nach Entwürfen aus dem 19. Jahrhundert gefertigt. Steinmann hatte Glück, dass die alten Gipsmodelle noch in alten Brennöfen gefunden wurden, denn die neuen Leiter des VEBs hatten nach Steinmanns Eintritt ins Rentenalter im Jahr 1986 kein Interesse an diesem Archiv gezeigt. Nur durch treue Mitarbeiter konnten sie damals vor dem Müll gerettet werden. Die Repro-Porzellanpuppen machten jetzt mehr als die Hälfte der Produktion aus, teilweise wurde auch in Kooperation mit westdeutschen Firmen gearbeitet. Den Nostalgiepuppen sollten auch noch Künstlerpuppen folgen. Die auf Masse ausgerichtete chinesische Produktion blieb weit hinter der Thüringer Qualität zurück. Aber auch Weichplastpuppen wurden noch hergestellt, das Angebot wurde verkleinert und verändert. Vor allem die großen Puppen konnten noch mit dem fernöstlichen Angebot konkurrieren, denn die Transportkosten dafür waren für die Asiaten sehr hoch. Auch Gartenfiguren, wie Gartenzwerge, wurden hergestellt. Der Umsatz lag 1994 schon wieder bei 8 Millionen DM.
1995 allerdings klagt die Puppenfabrik schon wieder über Umsatzrückgang und hofft auf das Weihnachtsgeschäft (14.12. Süddeutsche Zeitung)
1997  wird die Firma unter "Konkurse,Vergleiche und Gesamtvollstreckungsverfahren" der Süddeutschen Zeitung genannt.
1999 (Januar) nennt sich die Firma "ARI - U. Steinmann Figuren - Riedeler Puppen - Große und kleine ARI-Puppen aus Elastin - Puppenausstattung - diverses Zubehör - Gartenfiguren". Der Sohn Uwe Steinmann leitet die Firma.
 1999 (Mai) Abriss eines Teils der Riedeler-Fabrikgebäude in Königsee, fast ein ganzer Straßenzug wird abgerissen. Im Gebäude befanden sich noch zwei Brennöfen. Der eine Ofen war komplett mit Original-Gipsformen gefüllt. Manche Gebäude, wie der Bahnhof und das einzelne Ziegelhaus stehen heute noch. Die ehemaligen Schleuderöfenhallen sind auch noch vorhanden.


Entwicklungen 1950 - 1959 - 1964 - 1972


Literatur:
  • Goettle, Gabriele: Deutsche Spuren : Erkenntnisse aus Ost und West. (Die andere Bibliothek ; 152) Frankfurt am Main. 1997
  • 100 Jahre Puppenfabrik A. Riedeler. In: Das Spielzeug, 1964, S. 1280-1282
  • Liebers, Peter: ARI-Puppen gehen wieder auf Weltreise. In: Privatisierte : was aus ihnen wird. Reportagen aus den neuen Ländern. Hrsg. Wochenzeitung Die Wirtschaft. Berlin 1994
  • Markschat, Annett: Gartenzwerge können auf Zuneigung hoffen. Traditionsreiche Puppenfabrik in Königsee will auch alte Traditionen wiederbeleben. In: Neue Zeit 48. 1992, 27.10.1992, Ausgabe 251, S. 24
  • "Süddeutsche Zeitung"
  • Riedeler, Else: Die Geschichte der Firma A. Riedeler, Königsee, 1872-1962. S. 1-6 (Manuskript der Jahre bis 1905) http://allfdersch.de/2016/12/02/koenigsee-fa-a-riedeler/

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen