Dienstag, 8. September 2020

Gastbeitrag: Wichtelmarke-Patienten - Guest article: Wichtelmarke patients

Auf einem meiner Ebay-Streifzüge stolperte ich über ein unscheinbares Angebot mit einem Wohnzimmerschrank, einem runden Tisch und einem wunderschönen Sessel, mit hübschem Stoff bezogen, und wegen der Gitter-Lehne sofort als Wichtelmarke zu erkennen. 

 

Ich sah die Fotos durch, denn eigentlich wollte ich keine unvollständigen Zimmer kaufen. Eines der letzten Fotos jedoch zeigte das große Geheimnis im Bauch dieses Schrankes: hinter der mittleren unteren Türe verbarg sich die Haus-Bar.


Als zweiter Interessent hatte ich Glück, das Ensemble günstig erwerben zu können. Und noch etwas hatte ich entdeckt: in einer anderen Auktion des Verkäufers, die ein Sammelsurium an „Bastelmaterial“ im enthielt, befand sich der zweite Sessel meines Ensembles sowie ein weiterer Stuhl und ein merkwürdiges Hocker-ähnliches Gebilde. Wir kamen überein, und gegen einen geringen Aufpreis konnte ich diese drei zusätzlichen Möbel bekommen.

Das Päckchen traf bei mir ein, und obwohl die Möbel ordentlich verpackt waren, hatte der altersschwache Leim die Rüttelei einer Postreise nicht überstanden. Der Schrank war in seine sämtlichen Einzelteile zerfallen. Zum Glück hatten die Glasscheiben keinen Schaden genommen. So erschien mir der Schaden leicht zu beheben und ich brachte den „Patienten“ in die Werkstatt.

Meine Fotos sind mit dem Handy aufgenommen. Ich entschuldige mich für die schlechte Qualität. Das Fotografieren lief einfach neben dem Werken her. 

Ein erster unüberlegter Versuch des Zusammenklebens zeigte mir schnell die Komplexität der Angelegenheit. Das mittlere Regalbrett musste an genau der richtigen Stelle festgeleimt werden, um sowohl das Gleiten der Scheiben im oberen, als auch das Drehen der Bar im unteren Teil zu gewährleisten. Zum Glück klebte das Brett noch nicht so fest, so dass ich es korrigieren konnte. Nach vielem Zusammenhalten der Teile und Ausprobieren hatte ich eine Vorstellung, in welcher Reihenfolge das Zusammenfügen vonstattengehen musste. 


 Zum Glück war unsere Werkstatt mit allen nötigen Werkzeugen und „Zutaten“ ausgestattet. Mein Mann, der selbst mit viel Ausdauer, Geschick und Kenntnissen an einem Modell-Segelboot baut, konnte mir immer wieder helfen und zeigen, worauf man achten muss. Beim Leimen mit Holzleim zum Beispiel ist es wichtig, die Teile mit einer Zwinge aneinander zu pressen. Zwischengelegte Brettchen verteilen den Druck und schützen das Werkstück. Die 24 Stunden Trockenzeit, die mein Mann verlangte, habe ich allerdings nicht immer eingehalten…

Immer wieder staunte ich über die Genauigkeit der einzelnen Elemente. Sie passten präzise zusammen. Es war eine Freude, einem solch qualitätvollen Miniatur-Möbelstück, das seinerzeit als Spielzeug hergestellt worden war, zu neuem Glanz zu verhelfen.  

Sessel und Stuhl erforderten eine ganz andere Behandlung als der Schrank. Zuerst mussten die fehlenden Teile erstellt werden. Am Ende wurde auch geklebt, doch bis dahin war es noch ein weiter Weg.

Zuerst befreite ich den Stuhl und einen der beiden Sessel von seinen nicht mehr zu rettenden Gitter-Überresten. Verschiedene Generationen von Vätern hatten vermutlich die Möbelchen immer wieder mit viel und starkem Kleber repariert, so dass es gar nicht leicht war, die Teile voneinander zu trennen. Schließlich gaben sie aber nach. Die restlichen Spuren schliff ich mit einer kleinen Feile ab.

Als Gitterersatz fand ich in meinen Bastel-Utensilien Stramin, der dem originalen Papp-Gitter recht ähnlich sah. Allerdings war er strahlend weiß. Ich versuchte mit den drei Grundfarben blau, rot und gelb einen Farbton zu erzeugen, der dem Original entsprach.


 

Nach dem Trocknen klebte ich die Straminstücke mit Bastelkleber auf die beiden Rückenlehnen auf.

Um die Lehne zu befestigen, benutzte ich Holzleim und eine kleine Schraubzwinge und Wäscheklammern (Tipp von meinem Mann!), das funktionierte wirklich gut. 


Die größte Herausforderung war die Nachbildung der fehlenden Armlehne. Ich konnte nicht genau sehen, ob die Biegung gesägt oder gebogen war. Ich konnte mir auch nicht wirklich vorstellen, wie eine Massenanfertigung dieser Lehnen ausgesehen haben könnte. Der Weg, den ich wählte, hätte sich jedenfalls für eine Massenproduktion nicht geeignet…

Zunächst erstellte ich eine Schablone und übertrug die Form auf ein Buchenholzstück aus dem Baumarkt, das ich in der Modellbau-Abteilung extra zu diesem Zweck gekauft hatte.

Mein Sohn sägte die Form grob mit der Stichsäge aus. Mit kleinen Feilen und viel Geduld arbeitete ich die genaue Form heraus. 

Um das Holz biegen zu können, weichte ich es eine Stunde lang in Alkohol ein. Das löst die im Holz enthaltene Stärke, so dass man dem Holz eine gebogene Form geben kann. An der Unterseite hatte ich kleine Kerben eingeritzt, um das Biegen zu erleichtern. Trotzdem brach es an zwei Stellen etwas, was jedoch nicht schlimm sei, wie mein Mann mir versicherte. Er musste es wissen, denn die Planken des Schiffrumpfes werden auf dieselbe Weise in Form gebracht Um nun genau die richtige Biegung zu erhalten, klammerte ich die neue Lehne an einer alten Lehne zum Trocknen fest.

Auch das vordere Stuhlbein fehlte und musste ersetzt werden. Da es viereckig ist, machte es zum Glück keine Schwierigkeiten. Die kleine Einbuchtung erstellte ich mit der Feile. Mit meinen drei Grundfarben (siehe oben) mischte ich ein dunkles etwas rötliches Braun, womit ich Stuhlbein und Lehne mehrmals überstrich. 

 


Zum Schluss klebte ich die gebogene und angestrichene Lehne mit viel Holzleim an ihren Platz. Im Vergleich mit der originalen Lehne glänzt sie nicht genug. Vielleicht sollte ich sie noch lackieren? Ich glaube, ich begnüge mich mit diesem Ergebnis. Ein Lack würde vielleicht viel zu neu aussehen.

Noch habe ich keinen bestimmten Platz für meine Möbel vorgesehen. Vielleicht muss die richtige Stube erst noch zu mir kommen. Für das Foto habe ich die Möbel in mein Schönherr-Haus „Haus Ulla“ gestellt.


Vielleicht kann mir jemand etwas zu dem kleinen Hocker im Vordergrund sagen? Offensichtlich gehört er zu dem Ensemble dazu. Ob es wohl ein Klavierstuhl war? Oder ein Blumenhocker? Ich wäre dankbar über Hinweise oder Fotos, so dass ich auch dieses Element noch vervollständigen könnte. Auch die Bar würde ich gerne noch auffüllen: vielleicht hat ja jemand Glas und Fläschchen übrig…

Herzliche Puppenstuben-Sammler-Grüße,

Regine 

 

On one of my Ebay expeditions I stumbled across an inconspicuous offer with a living room cupboard, a round table and a beautiful armchair, covered with pretty fabric and immediately recognisable as a Wichtelmarke product because of the lattice backrest.

I looked through the photos, because actually I did not want to buy incomplete rooms. One of the last photos, however, showed the big secret in the belly of this cupboard: behind the middle lower door was the house bar.

I was lucky to be able to buy the ensemble at a reasonable price. And there was something else I had discovered: in another auction of the seller, there was the second armchair of my ensemble as well as another chair and a strange stool-like structure. For a small extra charge I could get these three additional pieces of furniture, too.

The parcel arrived, and although the furniture was neatly packed, the decrepit glue had not survived the  postal journey. The cupboard had disintegrated into all its individual parts. Fortunately the glass panes had not been damaged. So the damage seemed to be easily repaired and I took the "patient" to the workshop.

My photos were taken with my mobile phone. I apologize for the bad quality. The photographing just ran beside the work.

A first ill-considered attempt of gluing releaved the complexity of the matter. The middle shelf had to be glued in exactly the right place to ensure both the sliding of the discs in the upper part and the turning of the bar in the lower part. Fortunately the boards did not stick so tightly yet, so that I could correct it. After holding the parts together a lot and trying them out, I had an idea of the order in which they should be put together.

Fortunately our workshop was equipped with all the necessary tools and "ingredients". My husband, who himself builds a model sailing boat with a lot of perseverance, skill and knowledge, was always able to help me and show me what to look out for. When gluing with wood glue, for example, it is important to press the parts together with a clamp. Boards placed in between distribute the pressure and protect the workpiece. However, I did not always waited the 24-hour drying time that my husband demanded...

Again and again I was amazed at the accuracy of the wooden parts. They fit together precisely. It was a pleasure to help such a high-quality miniature piece of furniture, which had been made as a toy at the time, to shine again.

The armchair and chair required a completely different treatment than the cupboard. First the missing parts had to be created. In the end, glue was also used, but there was still a long way to go.

First I freed the chair and one of the two armchairs from its unsalvageable grating remains. Different generations of fathers had probably repaired the little furniture again and again with a lot of strong glue, so that it was not easy to separate the parts from each other. But finally they gave in. The remaining traces I sanded down with a small file.

As a grid replacement I found stramin in my craft utensils, which looked quite similar to the original cardboard grid. But it was bright white. I tried to create a colour tone with the three basic colours blue, red and yellow, which corresponded to the original.

After drying I glued the stramin pieces with craft glue on the two backrests.

To fix the backrest I used wood glue and a small screw clamp and clothes pegs (tip from my husband!), that worked really well.

The biggest challenge was to reproduce the missing armrest. I could not see exactly whether the bend was sawn or bent. I also could not really imagine how a mass production of these backrests could have looked like. The way I chose would not have been suitable for mass production in any case...

First I made a stencil and transferred the form to a piece of beech wood from the DIY store, which I had bought in the modelling department especially for this purpose.

My son sawed out the form roughly with the jigsaw. With small files and a lot of patience I worked out the exact shape.

To be able to bend the wood, I soaked it in alcohol for one hour. This dissolves the starch contained in the wood, so that the wood can be given a curved shape. On the underside I had carved small notches to make it easier to bend. Nevertheless it broke in two places, but that was not serious, as my husband assured me. He had to know, because the planks of the hull are shaped in the same way.

The front leg of the chair was also missing and had to be replaced. Since it is square, it fortunately did not cause any problems. I made the small indentation with a file. With my three basic colours (see above) I mixed a dark, slightly reddish brown, which I painted over the chair leg and back several times.

Finally I glued the bent and painted backrest with a lot of wood glue. Compared to the original backrest it is not shiny enough. Maybe I should varnish it? I think I am satisfied with this result. A varnish would perhaps look much too new.

I have not yet found a place for my furniture. Perhaps the right parlour will have to come to me first. For the photo I have put the furniture in my Schönherr house "Haus Ulla".

Maybe someone can tell me something about the small stool in the foreground? Obviously it belongs to the ensemble. I wonder if it was a piano chair? Or a flower stool? I would be grateful for hints or photos so that I could complete this element as well. I would also like to fill up the bar: maybe somebody has some glass and bottles left...

Hearty doll's house collector's greetings, Regine


Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


 






Mittwoch, 19. August 2020

Puppenhaus - 1930 Otto Maier Ravensburg - Dollhouse


Der Ravensburger Buchhändler und Verleger 
Otto Robert Maier
veröffentlichte Ende des 19. Jahrhunderts erfolgreich
Kinderbeschäftigungskästen, Anleitungsbücher, Modellierbögen, Vorlagenhefte.
In der Reihe
"Allerhand anziehende Beschäftigungen für die Jugend"
erschien 1908 mit der Bandnummer 27 der Titel
"Puppenhaus.
Leichtverständliche Anleitung zur selbständigen Herstellung.
Mit 9 Detailbogen. Von Otto Mayser."
Auf dem Titelbild sieht man eine riesige dreistöckige Gründerzeit-Villa.
Viele kennen das Coverfoto vom
"Lexikon der Puppenstuben und Puppenhäuser"

At the end of the 19th century the Ravensburg bookseller and publisher
Otto Robert Maier
successfully published
Children's employment boxes, instruction books, modelling sheets and pattern books.
In the series
"All sorts of attractive activities for the young"
was published in 1908 with the volume number 27
"Dollhouse.
Easy to understand instructions for independent (DIY) production.
With 9 detail sheets. By Otto Mayser."
The cover photo shows a huge three-storey Wilhelminian-style villa.

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)



1914 erschien ein weiteres Vorlagenheft für ein zerlegbares Puppenhaus
aus Karton und Holzstäbchen.
Dieses Haus war nicht ganz so groß und dekorativ.
 In 1914, another booklet for a dismountable doll's house
made of cardboard and wooden sticks was published.
This house was not quite so big and decorative.





Weitere Beschäftigungsbücher zeigten die Herstellung von Puppenmöbeln,
z.B. aus Zündholzschachteln oder zum Aussägen.
Other employment books showed the production of doll furniture,
e.g. from matchboxes or for sawing out.



In der Reihe "Spiel und Arbeit" erschien 1930 mit Band 123
die Anleitung für ein modernes
"Zerlegbares Puppenhaus.
Anleitung zum Bau eines modernen Puppenhauses
mit Autogarage, Terrasse und anderem Komfort.
Mit 4 Modellbogen. Von L. Robert."
im kastenartigen Bauhausstil.
Hier kann man sich die Bücher alle online ansehen

 In the series "Spiel und Arbeit" (Play and Work),
1930, with volume 123
the instructions for a modern
"Dismountable dollhouse.
Instructions for building a modern dollhouse
with car garage, terrace and other comfort.
With 4 model sheets. By L. Robert."
in box-shaped Bauhaus style was published.
Following the link to the German National Library above
let you see all the books online.


Zitate zum Baustil und zum Wohnen aus diesem Buch:
Citations from the book regarding the style and the interior.

Einleitung
Wir wollen ein Haus für unsere Puppen bauen,
das etwa zehnmal kleiner ist als ein gewöhnliches Haus (... )
Dementsprechend werden wir unser Haus mit Puppen bevölkern,
die zehnmal kleiner sind als wir, sagen wir von 10 bis 18 cm Höhe (...)

Wir werden das Puppenhaus zerlegbar einrichten,
so dass es flach zusammengelegt kaum mehr Platz
als eine große Aktentasche wegnimmt
und deshalb leicht verpackt und aufgeräumt werden kann.
Trotzdem muss das Haus so fest und dauerhaft dastehen,
dass es alle Arten von Erdbeben überlebt.
Dafür sorgt unsere "Spezial"-Konstruktion.
Dabei ist das Haus in 5 Minuten auf- und abgebaut.

Fotos: Mit freundlicher Genehmigung des Ebay-Verkäufers

Wir wollen natürlich ein ganz modernes Haus bauen,
 denn unsere Puppen sind moderne Leute von fortschrittlicher Gesinnung,
die natürlich wissen,
dass Licht und Luft das Leben gesund und schön machen.
Sie wollen deshalb große Fenster und einen großen Balkon,
auf dem man im Sommer frühstücken und abendessen kann,
ja der groß genug ist,
um darauf Gesellschaften unter freiem Himmel abzuhalten
und womöglich zu tanzen.
 


Ebenso ist die Autogarage mit dem Auto
für die Ausfahrten unserer Puppen höchst wichtig.
Für die Puppenkinder ist ein Planschbecken da,
in dem natürlich echtes nasses Wasser ist,
damit die Entchen und Schiffchen darauf recht herumschwimmen können
und der Bubi darin herumplanschen kann.
Aber die Zimmer erst!
Hell und luftig, einige hübsche Möbel gehören hinein
- nicht allzu viel - und unsere Puppenfamilie kann einziehen.
Kurzum unser Haus ist zum angenehmen hygienischen
und modernen Leben geschaffen
und sieht auf diese Eigenschaften mehr als auf übermäßigen Schmuck,
genau wie wir modernen Menschen es halten wollen.
S. 4

Für die Fenster benötigen wir Glasplatten
(am billigsten erhält man solche in photographischen Spezialgeschäften
als unbrauchbare oder alte photographische Platten).
S.5


Das Planschbecken endlich wird aus Zinkblech hergestellt (...)
 Wer selbst nicht löten kann, überläßt die Arbeit dem Klempner,
 der sie für einige Pfennige ausführt.
S. 6



Für die Außenwände wird meistens weißes Papier verwendet werden,
da Weiß zum sachlich klaren modernen Baustil sehr gut passt,
natürlich kann die Farbe des Hauses auch rot, braun oder gelb usw. sein.

Zimmerböden werden je nach Bodenart braun
(als Parkettboden) oder hell (als Linoleum) beklebt.
S. 12

Der Vorplatz vor der Garage und um das Planschbecken herum
wird als Kiesplatz ausgeführt.
Wir verwenden dazu feinen Sand,
den wir in einem Gefäß im Ofen zuerst tüchtig trocknen und wärmen,
sodann wird die zu bestreuende Fläche mit Leim bestrichen
und dann mit dem Sand bestreut.
Nach dem Erkalten (Trocknen) kann der überflüssige Sand
weggeblasen oder weggebürstet werden.
S.13



Einrichtung
Zu empfehlen ist, dass im Hausteil B
Parterre, Küche und Kammer untergebracht werden,
im ersten Stock Schlafzimmer und Salon,
im Teil A vielleicht Speisezimmer.
Allzuviele Zimmer erhöhen die Hausfrauenpflichten und sind unmodern.
Wer aber mehr Platz braucht,
kann dadurch abhelfen,
dass er den freien überbauten Vorplatz neben dem Planschbecken
mit Wänden verschalt und dadurch noch ein Zimmer gewinnt (...)
Das aparte Aussehen unseres Hauses wird durch dieses Ausbauen
allerdings um ein Weniges beeinträchtigt werden.
S. 13-14




"Und nun eine Festivität mit Musik und Kuchen (aber nicht zu knapp!)
zum Einzug in das neue Haus:
Grüß Gott, tritt ein, bring Glück herein!"
S. 16

The dollhouse on German Ebay was obviously made in the Thirties after
studying the instruction manual of the publisher Otto Maier Ravensburg.
Although the general appearance is very similar,
the constructor has changed many features:
the material is wood instead of cardboard
the roof is not flat,
the garage is on the opposite side,
the access to the rooms is on only one side, the back,
etc.
Nevertheless, I recognized the prototype immediatly.
 


- Die Dreißiger Jahre - The Thirties - Bauhaus - Neue Sachlichkeit - Flachdach -

Freitag, 31. Juli 2020

Der Küchenherd im Puppenhaus - The kitchen stove in the dollhouse


"Eigener Herd ist Goldes wert"

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts 
wurde das offene Feuer in der Küche durch den geschlossenen Herd abgelöst.
Bis weit ins 20. Jahrhundert wurde er mit Kohle oder Gas gefeuert,
obwohl Gas schon ab 1880 und Strom ab 1890 vereinzelt verwendet wurde.
Die meisten Haushalte wurden aber erst spät an die Gas- und Stromnetze angeschlossen.

In the second half of the 19th century the open fire in the kitchen was replaced by the closed stove.
Until well into the 20th century it was fired with coal or gas,
although gas was already being used from 1880 and electricity from 1890 onward.
However, most households were connected to the gas and electricity networks only late.



Küche im Kaiserreich


Schon in den 1920er Jahren kamen die ersten Einbauküchen auf
- Frankfurter Küche -,
richtig durchsetzen konnten sie sich in der Nazizeit aber nicht,
denn in der Diktatur wurde die althergebrachte Wohnküche propagiert.
Already in the 1920s the first fitted kitchens appeared
- Frankfurt Kitchen -,
but they could not become really popular during the Nazi era,
because during the dictatorship only the traditional kitchen-living room was propagated.
 


1951
Zeitschrift "Die Kunst und das schöne Heim"

Die Küchenmöbel sind hinter einem Vorhang verborgen.
The kitchen is hidden behind a curtain.


1954 Buch "Modernes Wohnen"

Der Herd wird neben die Einbaumöbel gestellt.
Der Kühlschrank ist schon integriert.
The stove is placed next to the built-in furniture.
The refrigerator is already integrated.


Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich die funktional ausgerichtete Einbauküche schnell.
After the Second World War, the functionally oriented fitted kitchen spread quickly.


1952

Zunächst wurde der Herd oft neben die Reihung der Einbauschränke gestellt.
Nur selten hatte er dieselben Maße.
Dasselbe geschah mit dem Kühlschrank, der Waschmaschine u.a. Elektrogeräten.
Später wurden sie aber wirklich in die Küchenzeilen eingebaut,
d.h. Sockel und Blenden wurden entsprechend angepasst.
At first the stove was often placed next to the row of built-in cupboards.
Only rarely did it have the same dimensions.
The same happened to the refrigerator, 
the washing machine and other electrical appliances.
Later, however, they were actually built into the kitchen units,
i.e. plinths and fascias have been adapted accordingly. 
 

1959 Quelle Katalog

Einbauküche ohne integrierte Elektrogeräte
Modern fitted kitchen without electrical appliances.



Diese Entwicklung lässt sich in der Puppenstube ebenfalls beobachten.
Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es allenfalls einfach gestaltete Küchen,
sogenannte Reformküchen, aber keine Einbauküchen im Miniaturformat.
This development can also be observed in the doll's house.
Before the Second World War there were at best simply designed kitchens,
so-called reform kitchens, but not miniature fitted kitchens.


1938

Ein Herd gehört nicht zum Küchenmöbelset.
A modern functional kitchen of the thirtees without electrical appliances.



Bis weit in die Fünfziger Jahre gehörten zur Küche im Puppenhaus
diverse Küchenschränke in verschiedener Höhe,
d.h. Buffet oder Anrichte, Spültisch, Abstelltisch u.ä.,
sowie ein Küchentisch und zwei Stühle.
Zu einem Küchenmöbelset gehörte normalerweise kein Herd und auch kein Kühlschrank.
Die Blechherde wurden separat aufgestellt,
Die Kinder kochten seit dem 19. Jahrhundert auf kleinen Herden aus Schwarzblech und Eisen mit Spiritus,
was nicht ungefährlich war.
Nach und nach kamen elektrische Kochherde dazu.
In Puppenküchen aus Holz war der Blechherd manchmal sehr klein
und wurde in den Raum integriert.
Ein Holzherd war in Puppenstuben eher selten Teil eines Puppenküchensets.
Erst mit den Einbauküchen kam er in jedes Puppenhaus - 
aber als Teil der Küchenmöbel.

Until well into the fifties, the kitchen in the doll's house featured
various kitchen cupboards in different heights,
i.e. buffet or sideboard, sink unit, storage table etc,
and a kitchen table and two chairs.
A kitchen furniture set normally did not include a stove or refrigerator.
The plate cookers were set up separately.
Since the 19th century, children had been cooking
with spirit on small stoves made of black plate and iron,
which was not without danger.
Gradually electric cookers were used.
In doll's kitchens made of wood the tin stove was sometimes very small
and could be integrated into the room.
In dollhouses a wooden stove was rather seldom part of a kitchen set.
Only with the fitted kitchens of the sixties it came into every dollhouse.

Translated with www.DeepL.com/Translator (free version)


 

Sammlung Gronau
 
Hermann Rülke von Anfang der 50er
Seltener voluminöser Holzherd in einer Küchenmöbelausstattung
Really rare wooden stove in a kitchen furniture set.
 
  

1955 Ratgeber für Haus und Familie 
49.Jg, H4 
 
 Der Küchenherd im Puppenhaus ... 
ist meist aus Holz und an die Küchenmöbel angepasst.



1954 Monia Blechküchenmöbel
Ein seltener Blechherd in Puppenstubengröße -
aber in dieser Stube sind alle Möbel aus Blech.
Tin furniture for the kitchen
 
 


Holzherd von Mitte der 50er, wohl BRD, als Teil der Küchenmöbel




1950er Fritz Altmann
mit Elektroherd aus Holz
Wooden stove







1957 Paul Hübsch Einbauküchen
Der Herd wird danebengestellt, hat aber dasselbe Design wie die Schränke.
The stove is just placed beside the fitted kitchen but it comes in the same design.


 

  In einer Variante dieser Küche wird der Herd separat platziert.
Separately placed stove in one version of the built-in kitchen by Hübsch.





1957 Crailsheimer Küche
Anfänge einer Einbauküche, denn es gibt Hängeschränke.
Kühlschrank und Herd sind Einzelmöbel.
Der Herd stammt von Bodo Hennig.
The beginning of a fitted kitchen:
wall cupboards.
The fridge and the stove are single pieces by other firms.





Progress Kunststoffküche mit Edi-Püppchen
Progress plastic kitchen of about 1957
 




Wichtelmarke
Mit Einbauherd
With matching stove




Paul Hübsch
Anfang der Sechziger Jahre
Einbauküche mit passendem Herd und Spülschrank






um 1959 EMS
Einbauküche mit Holzherd
Fitted kitchen with wooden stove







1958 Bodo Hennig
Mit Kühlschrank und Herd in passender Größe
With fridge and stove in matching size

Sammlung Gronau






Crailsheimer Kunststoffherde aus den Sechzigern



Crailsheimer Einbauküchen der Sechziger






1960er Paul Hübsch
Einbauschränke, Spüle, Elektroherd, Tisch und Stühle, sowie ein Kühlschrank
Fitted kitchen, sink cabinet, electric stove, table and chairs, and a refrigerator

Also, wie gesagt, die Mädchen haben neben der Puppenstube gekocht.
Auf etwas größeren Blechherden konnten die Mädchen viel besser Küche spielen
und sogar eine Esbit-Flamme erzeugen,
um ein bisschen Suppe warm zu machen.

Dasselbe galt fürs Spülen, das machte ja auch viel Spaß,
aber das Wasser zerstörte das Puppenhaus,
also wuschen sie auch lieber außerhalb ab -
eine Blechwanne und das größere Puppengeschirr reichte ja schon.
So konnten die Mädchen auch selbst aus den kleinen Tässchen Saft trinken.

So, as I said, the girls mostly cooked next to the dollhouse.
The girls were able to cook much better on somewhat larger metal stoves
where they could even create an Esbit flame,
to warm up a little bit of soup.

The same was true for washing up, which was a lot of fun, too,
but water tends to destroy the doll house like fire does,
so they also prefered to do the dishes outside -
a tin tub and the larger doll's tableware were quite sufficient.
So the girls could even drink tea from the little cups themselves.