Freitag, 25. Februar 2011

Puppen im Sceno-Test - Caco - dolls and the Scenotest

  
1951

"A Practical Technique for Understanding Unconscious Problems and Personality Structure."

Anfang 1938 hatte eine Kinderpsychologin die Idee, ihren kleinen Patienten einen Spielkoffer zu geben, mit dem sie Miniaturszenen aus ihrer häuslichen Welt nachstellen sollten. Sie erhoffte sich dadurch Hinweise auf die seelischen Hintergründe ihres "Fehlverhaltens", besonders im Hinblick auf die "nicht selten irreführenden Angaben der Angehörigen über das häusliche Milieu der Kinder".

In 1938 a German child psychologist had the idea of giving her little patients the opportunity to portray all important persons in their lives and to have them "play out" the family constellations on a miniature scale.

 1943

Den Kern ihres Materials bildet "eine Familie biegsamer Puppenfiguren", die Stimmungen und Gefühle durch ihre Körperhaltung darstellen können. Die Puppen sind so ausgewählt, dass alle in der Umgebung der Versuchsperson vorhandenen Personen repräsentiert sind.
The basis of the material was a number of bendable figures that could represent the persons in a subject's life.


Der Großvater kann auch als Rektor, Pastor, Vater, Onkel oder alter Seemann im Spiel verwendet werden, genauso wie der Arzt auch als Bäcker, Verkäufer, Monteur oder Friseur dient.
Von Staabs verkaufte diesen Therapiekoffer direkt und nannte nie den Namen des Puppenherstellers:

Canzler and Hoffmann (vor 1945) bzw. 
Fritz Canzler (nach 1945),
die bekannten CaHo oder Caco Biegepuppen.

Grandfather (also teacher, uncle, pastor), grandmother,and modern adults in various clothes as well as children from baby to school child. Von Staabs sold the therapeutic kit including the dolls herself and never gave the name of the dolls' manufacturer: 
Canzler and Hoffmann (pre-war) or 
Fritz Canzler (postwar),
the famous Caho or Caco dolls.

In jeder Neuauflage ihres Buches blieben die dargestellten Szenen oft dieselben, aber die Puppen kamen jeweils aus dem aktuellen Angebot von Caco.
In each new edition of her book the dolls in the depicted scenes changed according to the current range of Caco dolls.

Scene: Maid leads a mixed choir.
1943
1964
1991


Geist erscheint   -   A ghost is scaring the boys.
1951
1964
1991


Manche Szenen sind auch für Nicht-Psychologen nicht schwer zu verstehen:
Some scenes do not need much interpretation:

bomb - 1951


Kind auf der Brücke  -  Girl on extremely shaky bridge
1943
1964


Samstag, 12. Februar 2011

Sammlerin in den Niederlanden - Karin Wester - Collector in the Netherlands

Poppenhuizen 1880-1980.
Een wereld van illusie.
Femmie Markestein, Karin Wester.
Waanders Uitgevers, Zwolle 2004.
ISBN 9040089558

Die Niederlande haben neben England und Deutschland wohl die traditionsreichste Puppenhausgeschichte. Auch hier wird gesammelt und dieses Buch zeigt die Schätze von Femmie Markestein, die die älteren Puppenhäuser hat, einige von Gottschalk, wie auf dem Buchumschlag, und auch englische und französische. Sie gibt einen Überblick über die Geschichte.  Karin Wester ist die Sammlerin und Kennerin der Puppenhausgeschichte von 1945 - 1980, bei ihr sind die holländischen Hersteller wie SIO, OKWA und auch die deutschen Modella, Hennig und Jean vertreten, soweit sie in den Niederlanden verkauft wurden, sie führt die Geschichte weiter, alles aus holländischer Sicht, was wurde im eigenen Land hergestellt, was wurde importiert.

The Netherlands have a long and great tradition of dolls houses, just like England and Germany. This book  presents Femmie Markestein's collection, Gottschalk houses, old english and french dolls rooms and houses, with a short history. Karin Wester is the specialist on the dutch dolls house history of 1945 to 1980, she introduces dutch producers like SIO and OKWA but as they had no line of furniture of their own, Lundby and German firms are presented, too. Modella, Hennig and Jean were sold in the Netherlands for the interior decoration of dutch dollshouses. 

Gottschalk Straße - Gottschalk street

Viele Informationen (auf holländisch) und sehr schöne Fotos machen das kleine Buch zu einem Grundwerk für jeden holländischen Puppenhaussammler und sind auch für mich sehr interessant, denn SIO und OKWA Puppenhäuser wurden auch in Deutschland verkauft.

Much information (unfortunately only in Dutch - but her website is in English, too) and beautiful photos, a wonderful reference book for the dolls house history of one country.

 SIO Puppenhaus von Anfang der 70er mit Crailsheimer, Modella und VERO Möbeln, sowie Ari Puppen.
SIO dolls house from around 1972 with Crailsheimer, Modella and VERO furniture, and Ari dolls.


Karin Wester schreibt viel für die niederländische Puppenhauszeitschrift "Dolls House Nederland", z.B. über Lundby (Nr. 21/2006 und 34/2007), OKWA (Nr. 23/2006), SIO (Nr. 27/2007).

Karin Wester writes a lot for the Dutch dolls house magazine "Dolls House Nederland", e.g. about Lundby (Nr. 21/2006 and 34/2007), OKWA (Nr. 23/2006), SIO (Nr. 27/2007).

Dienstag, 8. Februar 2011

1960er Puppenhaus - Moritz Gottschalk - 1960s dolls house

Ein Gottschalk Puppenhaus aus der Sammlung meiner Freundin: freundliche Pastellfarben, rotweiße Markise über fast die ganze Front, Fenster mit grünen Läden und überquellenden Blumenkästen und auf dem Dach ein Spielplatz. Sehr einladend, aber das außergewöhnlichste architektonische Detail ist auf der linken Hausseite zu finden...
A late Gottschalk dolls house from my friend's collection: friendly pastel colours, large red and white awning, windows with green blinds and richly filled flower boxes, a roof play ground. A welcoming front but there is an extraordinary architecural detail on the side of the house...


 Sammlung Borbeck

...die überraschenderweise voll verglast ist - mit Kunststofffenstern.
 ... a fully glazed side section - with plastic panes.



Ich habe das Haus auf die 60er datiert, weil 1966 in der Zeitschrift "Das Spielzeug" mit dem folgenden Gottschalkhaus geworben wird, das viele Gemeinsamkeiten zu diesem Haus aufweist.
I place the house in the sixties because of the following ad of 1966. There are many similarities like the windows, doors and the base.


Aber...    But...


Diese schon aus "Traumwelten" bekannte Anzeige eines Chemiekonzerns von 1960, der Werbung für Plastik macht, zeigt ein bemerkenswertes Puppenhaus mit genau derselben seitlichen Fensterfront. Der Zeichner ließ sich von der Architektur dieser Zeit inspirieren, d.h. von der Formensprache fällt das Haus in die 50er, von der Herstellung her ist es ein Mitt-Sechziger-Haus.

This ad from 1960 of a chemical enterprise, that just wanted to promote their high quality plastics, shows a  quite amazing dolls house with an identical glazed side. The illustrator was inspired by the architechture of his time, meaning that this Gottschalk house is a child of the 50s by its design - even when it was built in the mid-sixties.

Hier noch ein Foto von der genauso farbenfrohen Rückseite.
The colourful backside.


Sammlung Borbeck

Mittwoch, 2. Februar 2011

JEAN

  
um 1975

Wie die Modella oder Crailheimer Plastikmöbel wurden die JEAN Möbel teilweise auch in farbig bedruckten Puppenzimmern verkauft, jeweils zwei Zimmer bildeten ein Puppenhaus aus Pappe. Laut Packungsaufdruck sollte die Plastikfolie herausgeschnitten werden - und schon konnte es los gehen. Die Möbel sind mit Plastikeinsätzen oder Riemen befestigt, die man leicht lösen kann.

Like Modella or Crailsheimer the manufactory JEAN sold its plastic doll furniture partly in colourful printed cardboard boxes, representing various dolls rooms. Two rooms form a small dolls house and you only had to cut out the protecting plastic foil to start playing. The furniture is fixed with plastic applications which can easily be removed.


Typisches rosa Bad und eine teilweise orange Küche mit passendem Teppich und Gardinen.
Oh - und das Maßstabproblem schon wieder, aber endlich können die kleinen Lundby-Cacos auch mal in ein anderes Haus.




 Typically pink bath and the kitchen in orange with wonderful matching carpet and drapes.
Oh - the scales problem again, but small Lundby Caco dolls fit wonderfully, so it must be 1:16 after all.

Auf der Verkaufspackung ist hinten das damalige Möbelprogramm zu sehen, alle Sets (außer den Bauernmöbeln) finden sich auch in meiner Sammlung. Diese Möbel entsprechen dem Lundby-Maßstab.
On the JEAN dolls house box the plastic furniture of that time is listed. All sets (apart from the peasant style ones) can be seen in my collection. The scale is the same as Lundby.


 Das Logo auf der Seite.
Logo of JEAN on one side of the box.


Kinderzimmer - children's room


Esszimmer - dining room



Terrassenmöbel - patio furniture




bedroom

kitchen

Ein Wohnzimmer, das ich selten sehe.
A livingroom which I rarely see.



Puppenhauseinrichtung aus Plastik in Lundbygröße, hergestellt ab 1970 von JEAN in Deutschland.
Nur das rosa Bad fehlt auf dem Foto.
Plastic interior for a dolls house since 1970 - Lundby scale - made by JEAN in Germany.
Just the pink bath is not on the photo.

Zwei Fernseher habe ich bis jetzt von JEAN. Gab es noch weitere?
Two TV sets of JEAN from my collection - was there another one?



The problem of scale again. I bought this blister set (from the 80s?) for my OKWA dolls house from the 70s which needs a livingroom but these pieces are a little bit too small. In fact, they just do not fit to any of my dolls...
Eigentlich sollten die Möbel (aus den 80ern?) in mein OKWA Puppenhaus, da verschwinden sie optisch aber, weil sie ein bisschen zu klein sind. Vom Maßstab her passen sie in keins meiner Puppenhäuser...
 

 Firmengeschichte - JEAN - company history

 

1973 feierte das Unternehmen sein 50. Jubiläum. 1923 von Leonhard und Johann Höfler inmitten der Inflationszeit in Fürth gegründet, musste jeder der beiden 3 Billionen Papiermark als Betriebskapital aufbringen. Es wurden Blechartikel in Massenproduktion hergestellt, der Blechfrosch wurde nur wenig verändert noch im Jahr 1973 verkauft.
Als der Kunststoff aufkam, war Höfler eine der ersten Firmen, die ihre Produktion darauf einstellte und schon direkt nach der Währungsreform wurde wieder produziert. Schon 1953 wurden viele Artikel in durchsichtigen Kunststoffbeuteln verpackt, dann waren sie die ersten, die die Blisterverpackung in der Spielwarenbranche benutzten und damit groß herauskamen.
1966 starb Johann Höfler, Leonhard Höfler hatte sich schon lange aus dem Unternehmen zurückgezogen. Die Leitung hatte im Jubiläumsjahr Dipl.-Kfm. Toni Spangler und das Schwergewicht der Produktion lag auf Plastik-Wildwest-Figuren und vielen anderen Plastik-Spielwaren, wie Puppenmöbel, immer auf niedrigem Preisniveau. Der Exportanteil war mit 40 % sehr hoch, geliefert wurde vor allem nach Frankreich, Holland, Italien und Nordamerika. Zu dieser Zeit arbeiteten 220 Leute im Betrieb, dazu kamen noch 500 Heimarbeiter.
Der Teilhaber der Firma Johann Höfler - Ernst Albert Bettag - war gleichzeitig der Leiter der Firma BIG. Man versuchte, seine Angebotspalette scharf voneinander abzugrenzen, um sich nicht selbst Konkurrenz zu machen. 


 In 1973 the company celebrated its 50th anniversary - founded in 1923 by the brothers Leonard and John Hoefler  in Fuerth, near Nuremberg, midst the German hyperinflation - which meant that each of them had needed three billion Papiermark as working capital for the firm. They manufactured  small metal products in mass production, e.g. a small toy metal frog which was still on sale in their 50th anniversary year.

When plastic came along, Hoefler was one of the first companies that adapted to the change and produced the first inexpensive plastic promotional gifts to food products right after the currency reform in 1949. By 1953, many of their products were packed in clear plastic bags, they also were the first ones who came out with the blister packaging in the toy industry and had a huge success with it.

In 1966 John Hoefler died, his brother Leonhard had long retired from the company. The firm was managed then by Toni Spangler and the main focus was on the production of plastic Wild West figures and many other plastic toys such as dolls furniture - always at low prices. The export share of 40% was very high, customers were mainly in France, Holland, Italy and North America. At that time they had 220 employees and 500 home workers.

 The shareholder of the company - Albert Ernst Bettag - was also the manager of BIG. Höfler and BIG tried to distinguish its range of products  sharply from each other, avoiding the competition.



- aktualisierte und zusammengefasste Version von 4 Blogbeiträgen aus 2011 und 2012 (2014) -