Mittwoch, 1. Juli 2015

Schlafcouchen der 50er - Sofa beds of the 50s


1953 schrieb Klara Trost in "Schönes Heim, schöner Hausrat", dass aus dem Wohnzimmer wegen der Wohnungsnotzeit ein Allraum geworden sei:
Esszimmer - Arbeitszimmer - Spielzimmer - Küche - Schlafzimmer
Obwohl die Lage sich langsam besserte, vermutet sie: "Vielleicht werden sich aber am längsten im Wohnzimmer Verwandlungs-, Klappbetten oder Schlafsofas halten, da viele Menschen heute lieber auf ein Schlafzimmer zugunsten eines weiteren Wohnraums verzichten."
Und damit hat sie wohl recht gehabt.

Auch in der Puppenstubenwelt gab es Sofas, die nachts zum Bett wurden - und manchen sieht man diese Zusatzfunktion wirklich nicht an.

The small flats of the 50s and the scarcity of housing let to multifunctional rooms: a bedroom with an additional desk, a sewing machine or a cot, a livingroom which is also a dining room, a study, or a bedroom at night. 
Just like their real world models many of the sofa beds in dolls houses do not look like beds at all.

 Evas Sammlung
VEB Niedersaida - vor 1959

Nur den Hebel an der Seite verschieben und schon hat man ein Doppelbett.
You move the trigger at the side and you have a double bed.




Auch hier kippt die Rücklehne nach hinten und man hat eine ebene Fläche.



 Sammlung Borbeck
 1963 dregeno/Rülke


Auch dieses bequeme Sofa wird nachts zum Doppelbett.


Wieder ein raffinierter Schiebemechanismus.
An elegant mechanism.

 
Sammlung Gronau/Sauerland
Rülke Mitte der 50er


Crailsheimer Mitte der 50er

 

Hier muss die komplette Couch hochgehoben werden und dann kann man das Unterteil nach vorne klappen - also kein realistischer Mechanismus.
You need to lift the sofa to fold the second part to the front - not convenient for the real world.

 
Sammlung Anna Setz


Habe ich noch eine Schlafcouch vergessen?

Dienstag, 23. Juni 2015

Alte Puppenmöbelkartons - Old dolls house furniture boxes

Meine älteren Puppenmöbelkartons mit schönen Deckelabbildungen.
This post presents many of my dolls furniture boxes, mostly with painted illustrations on the lid.

Crailsheimer

 60er - Crailsheimer - 60s


60er - Paul Hübsch - 60s



 50s Wichtelmarke

 60s Wichtelmarke

 
 60er - Ullrich und Hoffmann, Wichtelmarke - 60s


60er - Altmann - 60s


60s Hermann Rülke



Hermann Rülke 1960s


 Modella 60s

Modella 60er






VERO


- revised blog post of 09.05.2011

Samstag, 20. Juni 2015

Kaufläden - Linus Dähnert - toy grocery shops

 1950 Schulbuch "Die goldene Brücke"

Die Kinderkaufläden am Anfang der Fünfziger Jahre waren noch sehr am Design der Vorkriegszeit orientiert. Seit Jahrhunderten hatte sich daran nicht viel geändert:
Ein vorne und oben offener Holzkasten stellte den Laden dar, an der hinteren Wand waren Regale mit Schubladen, an den Seiten Vitrinen, offene Regale oder noch mehr Schubladen, in der Mitte des Raumes stand eine kompakte Theke und darauf oft eine Waage oder die Kasse.

At the beginning of the 1950s toy grocery shops had not yet changed their pre-war design. For centuries there had been the wooden box which was open in front and on top - presenting basically the shop. On the back wall were the shelves with the drawers, on the sides as well or alternatively shelves without drawers or glass cases. In the middle of the box/shop the counter took its important place sometimes with a set of scales and/or a cash box.

Linus Dähnert
 1951
Türen und Schubladen der Firma Linus Dähnert aus dem Erzgebirge konnte man schon seit Jahrzehnten an den Griffen erkennen, denn sie verzierte die Knöpfe mit einem kleinen Nagel und einer dekorativen Unterlegscheibe.


For some decades you could easily identify a Linus Dähnert door or drawer by its knob:
a nail decorated with a flat bead.

Sammlung Anna Setz
 1954

 1954
 Mitte der Fünfziger entwickelt sich die Architektur des Kaufladens in eine offenere Bauweise. Eine Seitenwand ist weggefallen. Die Basis ist auf dieser Seite abgerundet und auf der niedrigen Rückwand steht ein bunter Blumenkasten. Eine dekorative Vitrine lockert auch die hintere Schubladenwand auf.
Einige traditionelle Elemente sind geblieben. Hans, der von seiner Mutter zum Einkaufen geschickt wurde, steht vor dem kompakten Thekenklotz und muss der Verkäuferin seine Wünsche immer noch einzeln aufzählen. Sie wiegt noch viele Lebensmittel einzeln ab und verpackt sie dann. Während die Waage in der Vorkriegszeit bei Linus Dähnert keine Rolle spielte, wird sie in den Fünfzigern zum beherrschenden Element aller seiner Kaufmannsläden.

In the mid-50s the shops opened up and reached out to attract the customers:
more glass to look inside, more open shelves with mirrors instead of closed drawers, one side wall occasionally disappeared. 
 But still Hans is standing in front of the compact counter and has to tell the shop assistant every single piece of his shopping list. The shop assistant fetches each item and puts it on the counter, prior to that he has to weight many groceries and then put it in bags.
Placed on the counter the scales now play a dominant part in Linus Dähnert's toy grocery shops.

Evas Sammlung
1958 

Gegen Ende der Fünfziger setzten sich auch im Kaufladen filgranere Formen durch. Die Theke ist kein kompakter Holzklotz mehr. Sie steht nun leichtfüßig im Raum, ist an den Seiten durch Glaswände einsehbar und wird zur Ausstellung der Waren genutzt. Auch die Schubladen auf der Rückseite des Ladens stehen nicht mehr im Vordergrund. Den Platz nimmt jetzt eine riesige Vitrine ein. Noch wird die Ware aber für den Kunden oft abgewogen und so sorgt die riesige Waage für Spielvergnügen.
At the end of the decade the design became more sophisticated - e.g. the counter has ceased to be a heavy log of wood. 

Sammlung Katharina (oben)
1960   -   1973 

Linus Dähnert (DDR) bleibt bis zur Enteignung seiner Firma im Jahr 1972 seiner Linie treu. Er arbeitete bis zuletzt primär mit Holz und die Weiterentwicklung des Tante-Emma-Ladens zu Supermärkten mit Selbstbedienung spielte für seine Firma keine Rolle. Wir werden noch andere Hersteller sehen, die den Wandel des Einzelhandels schon in den Fünfzigern ins Kinderspielzeug umsetzten.
Up to the end the East-German firm Linus Dähnert sticked to their traditional principles of working mainly with wood. Interestingly enough they also completely ignored the dying of the shops around the corner. When the firm was eventually disowned and nationalized in 1972 there still was no supermarket on offer.


 > größte Kaufladensammlung der 50er Jahre in Deutschland
> largest collection of German toy grocery shops in Germany


Erster Teil meiner Reihe: Kaufläden aus der ehemaligen DDR
First part of my series: Toy grocery shops made in East-Germany

 1951 produzierten und exportierten diese Firmen aus Sachsen Kaufläden nach West-Deutschland.



Mittwoch, 17. Juni 2015

Werbefiguren - Ed-usch-o - promotion figures

Eduscho Kaffee - Werbefiguren der Sechziger Jahre


 Sammlung Borbeck


Ed und Usch und O
ca. 7cm groß aus Weichplastik

Diese drei Werbekinder, die von Eduscho an Kunden verschenkt (?) wurden, begegnen uns in manchen Puppenhäusern dieser Zeit.



Promotion figures of the 60s by a well-known German coffee company,
 two boys and a girl,
 were sold? or given away?
 to customers
 and lived happily e.g. in dolls houses of that time.



Donnerstag, 11. Juni 2015

Wochenendhaus - 1960 Bodo Hennig - weekend cottage

Aus der Sammlung Gronau/Sauerland


Was für ein Fund! Dieses Haus sehe ich zum ersten Mal in einer Sammlung, nachdem ich es vor Jahren auf einer schlechten Katalogkopie bewunderte.
1960 bis 1962 (?)
konnte man kleinen Mädchen den Traum vom eigenen kleinen Haus verwirklichen und sie auch noch "Ferien" spielen lassen.
Wieder sind es fast nur die einfachen unverzierten gelben Holzplatten, aber wie anders ist der Effekt mit einer Vorder- und Rückseite, großen Fenstern, einer Tür und einem Dach.

What a wonderful find! This is the first time I see Bodo Hennig's weekend cottage in a collection. Between 1960 and about 1962 parents could fulfill the dreams of their little girls of a dolls house with the extra bonus of a holiday feeling.

 

Noch interessanter ist die Minimal-Einrichtung fürs Wochenende: Küche, Betten, Wohn-Ess-Ecke, an alles ist gedacht. Die Einrichtung entspricht genau den alten Katalogfotos.
Cooking, sleeping, eating and living in one room.





 

Die Einbaubetten und die Spiegel-Regal-Kombination gab es nur speziell für dieses Haus.
The built-in bunk beds and the mirror-shelf construction were only designed for this house.






Tatsächlich ist das Haus nicht ganz vollständig, denn es gab noch eine riesige Terrasse mit einem kleinen geschwungenen Metallgitter als Vorbau. Dazu passen die Hennig-Terrassenmöbel und die Erna-Meyer-Biegepüppchen perfekt. In dem Spielzeugprospekt wurde das Wochenendhaus wundervoll stimmig auf einer Kunstrasenlandschaft mit Papierbäumen dekoriert.

Actually the house is missing the holiday part - I mean the large patio element which was to be placed in front of the house. The photo in a toy brochure shows the weekend cottage in a wonderful atmosphere created by an artificial grass floor, cardboard trees, patio furniture made by Hennig and dolls by Erna Meyer.

Donnerstag, 4. Juni 2015

Einraumstube - 1957 Bodo Hennig - room box

Aus der Sammlung Gronau/Sauerland


Die einfache Einraumstube ohne Tapeten und ohne Bodenbelag ist natürlich nur für Hennig-Sammler ein ganz besonderes Stück. Genau der richtige Hintergrund für seine Puppenmöbel aus dieser Zeit, genau die richtige Farbe, das richtige Material, der richtige Maßstab. Alles stimmt.
Für eine Fünfziger-Jahre-Stube sieht es recht minimalistisch aus. Es gibt keine harten Kontraste, die Farbe Schwarz taucht nicht auf, auch die Metallverzierungen fehlen - aber das ist eben das Besondere an Bodo Hennigs Möbelstil, der sich nie am Warenhausdesign orientierte sondern an dem Angebot der gehobenen Möbelhäuser und in diesem Fall eher am skandinavischen Möbelstil.

A rather simple roombox without wallpaper and without a floor covering. But a collector of Bodo Hennig's furniture values the artless background: 
exactly the colour, material and size you need for the perfect presentation.
It is not the typical fifties livingroom. Where are the contrasting colours, the swinging forms, the metal bands, the colour black, the asymmetry?
We realize again that this was never Bodo Hennig's design at all. He loved wood and had probably studied the Scandinavian style of making furniture very closely.



Die Einrichtung der Stube orientiert sich so nah wie möglich am Vorbild des Katalogfotos oben. Auch die Puppen und viele der Accessoires von Bodo Hennig passen zeitlich - leider gibt es nicht viele originale Ziergegenstände von Hennig aus dieser Zeit, so dass auch spätere Plastikteile zu sehen sind.

The interior resembles the one of the catalogue photo very much.






Diese Einrichtung ist aus einem Spielwarenkatalog und offensichtlich nicht entsprechend der Hennig-Werbefotos eingerichtet, denn obwohl alle Möbelstücke von ihm hergestellt wurden, wären die Kommoden an der hinteren Wand niemals so in einem Hennigprospekt hingestellt worden - denn eigentlich sind es Schrankoberteile.
Ich finde es sehr originell und den Fernseher habe ich vorher auch noch nicht in Farbe gesehen, geschweige denn in einer Sammlung.

Another photo of around 1959 found in a toys catalogue. Although there are only Hennig pieces in the room box it was not furnished by the firm itself - the sideboards on the wall are actually upper elements which were put ON sideboards. I like that. And besides, it is one of the very rare colour photos of that time.



1957 - 1960

Die leere Stube zeigt noch mal die spartanische Ausstattung. Es gab noch zwei dazu passende Stuben ohne Fenster, eine kleine für die Küche und eine größere für das Schlafzimmer. Natürlich sollten die Mädchen sich daraus eine Wohnung zusammenstellen können. Die beiden anderen Stuben ohne Fenster und Türen sind im leeren Zustand selbstverständlich völlig reizlos - wenn man nicht Bodo-Hennig-Fan ist...

There was a matching roombox for the bedroom and the kitchen, both without windows or real doors, looking even more frugal than this livingroom box. But together they formed the doll apartment - and I would love to have them all...