Donnerstag, 19. Mai 2016

Stube mit Hübsch-Möbeln - C. Moritz Reichel - 1960s roombox


Eine Puppenstube aus den 1960ern von C. Moritz Reichel.

Woran erkennt man denn Reichel-Stuben? Wie immer am ehesten am Bodenbelag und an den Fenstern. Hier ist eine Chronologie aller bisher in meinem Blog vorgestellten Stuben, Puppenhäuser und Läden, aber man muss schon genau hinsehen, um Reichel-Gehäuse zu erkennen.
Die Stube habe ich mit zeitgenössischen Paul-Hübsch-Möbeln ausgestattet, die ich zum Teil aus den noch vorhandenen Möbelkartons herausnahm.

Roombox made by C. Moritz Reichel. Rebecca translated a chronology of Reichel roomboxes, dolls houses and toy shops here. All interior shown in this post was made by Paul Hübsch at about the same time.

1969

Ein seltener Glücksfall, wenn ich mal eine Datierung in einer DDR-Publikation finde.
Dieselbe Blume, dieselben Möbelfüße sind auch im Wohnzimmer zu sehen, es wird also etwa zur selben Zeit hergestellt sein worden.
I was lucky to find the exact date of the bedroom, 1969, and as the same flower pot and the same furniture legs apply to the livingroom it is probably from the same time.


Was für ein unbequemes Wohnzimmer, keine Couch, nur eine Liege, keine Sessel, nur gepolsterte Hocker. Relaxen kann man wahrlich nicht. Zur Unterhaltung sind nur Bücher vorgesehen, kein Radio oder TV, kein Teppich oder Bild zur Verschönerung des Zimmers. Der Spielwert ist nicht sonderlich hoch. Aber chic sieht der weiße Schleiflack aus und hochmodern war diese lässige Polstergarnitur wahrscheinlich auch.
What an uncomfortable livingroom - no sofa, only a daybed, stools instead of armchairs. No radio, no TV, no carpet, no picture. 
But certainly it was very modern.




Weiter gehts mit weißlackierten Möbeln, noch ein Wohnzimmer, kombiniert mit einem Esszimmer.
Two more white lacquered rooms, another livingroom with a dining room.


Dieses Wohnzimmer ist wieder konventioneller, ein geräumiger Schrank, eine Polstergarnitur mit Couch und Sesseln, und diesmal fehlt auch der Fernseher nicht und eine Uhr sagt uns, wann wir ihn einschalten müssen.
This time the livingroom is quite conventional, a big cabinet, a real sofa, two comfortable armchairs, a TV and a clock.

 

 Auf dem Möbelkarton sind Wohnzimmer und Esszimmer in weiß auch abgebildet.
The furniture on the box.


Hier habe ich dem Esszimmer mal mehr Platz eingeräumt und es mit dem kleineren Wohnzimmer kombiniert.
This time the diningroom moved into the bigger room.


Auch hier haben wir eine zeitliche Einordnung, es ist ebenfalls von 1969. Wir sehen, dass mir der originelle Schaukelstuhl fehlt.
Again the diningroom was in an East-German toy magazine in 1969. The wonderful rocking chair is not in my collection.

Dienstag, 17. Mai 2016

Nachruf für Inge Michno - Obituary for Inge Michno


Letzte Woche starb Inge Michno, bekannt als eine der drei Sammlerinnen der legendären Ausstellung "Traumwelten der 50er Jahre" von 1996.
Ich lernte Inge Michno vor ein paar Jahren in ihrem kleinen Museum in Jakobsweiler kennen, wo ihre Exponate aus dem Traumwelten-Ausstellungkatalog dauerhaft ausgestellt sind. Schon von ihrer Krankheit gezeichnet widmete sie all ihre Zeit dem Museum und war eine kluge und liebenswerte Gesprächspartnerin. Hier habe ich über diesen Besuch berichtet.
Sie und ihre zwei Sammlerfreundinnen haben mich durch ihre Ausstellung in meiner Sammelleidenschaft sehr bestätigt und unterstützt - in einer Zeit als kaum jemand die Fünfziger-Jahre-Puppenhäuser als sammelwürdig erachtete. Kaum ein Buch oder Ereignis hatte diesen Einfluss auf mich, wie ich schon zu >Beginn meiner Bloggerzeit schrieb. Deshalb werde ich Inge Michno nicht vergessen können.


"Traumwelten der 50er Jahre. Puppenwelt und Wirklichkeit. Katalog zur Ausstellung des Badischen Landesmuseums im Bruchsaler Schloss vom 15. Dezember 1996 bis 4. Mai 1997. Von Wolfram Metzger u.a. ISBN 3-88190-211-2"

Last week died Inge Michno, known as one of the three collectors who organized the legendary exhibition Traumwelten der 50er Jahre ("Dream worlds of the 50s") of 1996. I met her a few years ago in her small museum in Jakobsweiler where her collection is on display. Already very ill, she devoted all her time to the museum and was a clever and amiable conversationalist. Here I wrote about this visit. She and her two collector friends are one reason for my lasting dollshouse passion - the exhibition was the first proof that collecting dollhouses of the fifties was not a strange eccentricity of mine. Hardly another book or event had this influence on me. That is why I will never forget Inge Michno.

Donnerstag, 12. Mai 2016

Plastikküche - Rülke und VERO - plastic kitchen


1967 konnte man im DDR-Versandhauskatalog "Konsument" eine komplette Puppenhauseinrichtung kaufen. Terrasse und Küche waren aus buntem Plastik, das Wohnzimmer war aus Holz und Plastik und das Schlafzimmer war noch ganz im Fünfziger-Jahre-Stil und damit komplett aus Holz.

In 1967 an East-German mail order catalogue offered four sets of rooms for a dolls house. The plastic kitchen was very modern compared to the old-fashioned wooden bedroom.


Das ist der Kartondeckel der vier Möbelsätze: Hermann Rülke war die Herstellerfirma.
Ein späterer Karton hatte das Logo nun auf dem Deckel. Ein Mädchen sitzt auf einem "R".
Es ist dieselbe Küche, mittlerweile in der wohl moderneren Modefarbe orange.

Above you see the illustration of the box. The furniture was made by Hermann Rülke. A later box showed the logo on the lid, a girl sitting on the letter "R", see below. It is the same kitchen but in another colour - meanwhile the colour orange was more popular.


1972, nach der Enteignung und Einbindung in die staatliche Firma VERO, änderte sich der Aufdruck auf dem Karton, aber nicht der Inhalt.
 In 1972 Rülke was disowned and became part of the nationally owned VERO. The imprint on the box changed but the contents did not.






Rülke aus Kleinhartmannsdorf war nun ein Teil von VERO, doch nach der Wende gelang es der Familie tatsächlich, die Firma wieder erfolgreich zu übernehmen und weiterzuführen. Deshalb gibt es noch heute die

Rülke GmbH
Dorfstraße
D-09575 Eppendorf/OT Kleinhartmannsdorf

Zitat von der Homepage:
"In Kleinhartmannsdorf gründete Carl Herrman Rülke 1887 das Familienunternehmen. Seit diesem Zeitpunkt werden hier Puppenmöbel liebevoll gestaltet. Mit handwerklichem Geschick und Geschäftssinn entwickelte sich Rülke Holzspielzeug zu einem zuverlässigen und leistungsfähigen Unternehmen. Es befindet sich heute in vierter Generation in Familienbesitz."

Die Jahre 1972-1989 werden hier großzügig übergangen...

In 1989 East-Germany collapsed and disowned firm owners could get their property finally back. The family Rülke really succeeded in reviving their old toy firm and still exists. On their homepage they proudly write about being a family run enterprise since 1887 - not even mentioning the years between 1972 and 1989 when the state had turned them out.

Freitag, 6. Mai 2016

Küchen - Paul Hübsch 1951 bis 1976 - kitchen

Chronologie


1951 Katalognr. 610/3
noch im Katalog von 1952 abgebildet

1955 Katalognr. 210/2

Sammlung Katharina

"Traumwelten der Fünfziger Jahre"
um 1957

 um 1957/58


um 1957




 Sammlung Gronau

1958
Katalognr. 115/4
Es gab auch Sets ohne Hochschränke, ohne Spülschrank, ohne Herd. Auch 1959 im Katalog.


 1958 Katalognr. 110/1 bzw. 111/1

1958



Sammlung Katharina
Erste Hälfte der 1960er


Sammlung Borbeck

 Sammlung Borbeck
Erste Hälfte der 1960er


Sammlung Borbeck




Erste Hälfte der 1960er

 
Erste Hälfte der 1960er




Aus dem Messekatalog Leipzig von 1964 stammt dieser Eintrag für die Puppenmöbelfabrik Paul Hübsch, in dem man auch schön das Logo erkennen kann. Noch ist die Firma trotz politischem und wirtschaftlichem Druck selbstständig.
In 1964 the firm Paul Hübsch is still producing doll's furniture in the traditional ore mountains of East Germany despite of many political and economical obstacles that would eventually lead to the nationalization of the company in 1972.
In der Mitte der 60er hatten sie eine auffallende Holzküche im Angebot, auffallend wegen des schönen Mosaikmusters der Tischplatte. Die Möbel wurden in vielen Farben und Größen verkauft.


Erste Hälfte der 1960er

 

 In dieser Puppenküche habe ich einige zum Vergleich nebeneinander gestellt.

In the middle of the 60s they had a wooden kitchen on sale which is quite attractive because of its table with a mosaic pattern.
In the room above I arranged several scales and colours of this kitchen.



Die Möbel wurden in diesen Kartons verkauft, auf dem ein VERO Puppenhaus zu sehen war. Der Maßstab 1:15 passte zu den kleineren Möbeln von Paul Hübsch. In der Küche ist auch der Mosaiktisch zu sehen.
This is one of the cardboard boxes in which the doll's furniture was sold. The cover shows a VERO dolls house - scale 1:15 like Lundby - with Paul Hübsch furniture. In the kitchen is the table with the mosaic pattern.


ein späteres Modell mit Plastik-Schiebetüren
um 1968



 

From 1972 onwards the now nationalized company still produced their kitchen furniture operating under the name "VEB Puppenmöbel Seiffen" but in 1976 they were also integrated in the one and only national  company for wooden toys:  VERO  - signifying the end of Paul Hübsch's doll's furniture production. The following photos show a wooden kitchen with a new plastic table and plastic chairs.
VEB Puppenmöbel Seiffen 1972 - 1976
(beide Fotos von mir aus der Sammlung http://www.puppenhausmuseum.de/)

Die Firma Hübsch wurde 1972 zwangsenteignet und trug den neuen Firmennamen „VEB Puppenmöbel Seiffen“. Aber 1976 wurde auch dieses Kombinat in die VERO eingegliedert und die Puppenmöbelfertigung ganz eingestellt. Die Holzküche aus dieser Zeit ähnelt noch sehr der 60er Küche von Paul Hübsch - nur der wunderschöne Küchentisch ist durch die VERO Variante in Plastik ersetzt worden.

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