Montag, 31. März 2025

Kaffee im Kaufladen - Coffee at the play grocery shop

 


Der Kaufladen in Stromlinienform.
Rosa plus Metallbändern als Verzierung.
The streamlined shop.
Pink plus metal bands as decoration.
 
 

 
1955
Werbung in einem Spielzeugprospekt
"Kaufladen, neuzeitliche aparte Form mit geschwungenen Schauvitrinen
und Ladentheke mit Cellonglas.
8 Schubladen, Regale mit Cellonglas zum Aufschieben,
gute Verarbeitung, Länge 74 cm, leer DM 19,-"

Dieser Kaufladen in Grün ist etwas größer als mein Exemplar in rosa.
 
 Advertisement in a toy brochure
‘Shop, modern, distinctive shape with curved display cabinets
and counter with cello glass.
8 drawers, shelves with cello glass to slide open,
good workmanship, length 74 cm, empty DM 19,-’

This green shop is slightly larger than my pink one.

 

 

Seit langem ist der Laden bei mir als Konditerei eingerichtet.
Dazu die typischen Kaffee-Kaufladenpackungen.
The shop has long been set up as a patisserie.
With coffee boxes for children to play with in the shop.
The company brands are typical of the 1950s in West Germany.

 
 

Die Kuchen sind aus Masse.



Weitere Kaffeesorten aus Deutschland für den Kaufladen.
  Other brands of coffee from Germany for the shop.
 
 
 
 
 
 
 


 Für diesen Blogpost ist der Kaufladen mit alter Kaffeewerbung aus Österreich dekoriert.
Auf den Zuckerwürfeln in den Konditoreien fanden sich 
anscheinend fast alle Hersteller.
Vor Jahren habe ich solch eine Zuckerwürfelsammlung gekauft.
Die Marken mit ihren schönen Motive waren mir als Deutsche alle fremd.
 
 For this blog post, the shop is decorated with old coffee adverts from Austria
which were printed on sugar cubes.
Years ago, I bought such a collection of sugar cubes.
The brands with their beautiful motifs were all foreign to me as a German.









 
Meine österreichische Zucker-Kaffee-Motiv-Sammlung
umfasst folgende Marken: 
 My Austrian sugar-coffee motif collection
includes the following brands:

 
ADEG
Anker Kaffee
Arabia
Arian. Der Mocca für Kenner 
Berger Kaffeee
Columbia Kaffee 
Costa Kaffee
Leisten wir uns doch Doro Kaffee
Fuchs Kaffee 
Gelautz Kaffee
Graf Kaffee Braunau am Inn
Handl Kaffee, 125 Jahre
Hansy Kaffee, Baden
Hausbrandt Kaffee, Inh. Hans Wetsch
Heika Kafee
Hibler Kaffee
Hornig Kaffee
Espresso Isola
Jacobs Kaffee
Karavela Kaffee
Kilian Kaffee Mischung, Lauffenthaller, Ybbs/Donau
Kunz
Laverna Espresso 
Lorenz Kaffee
Martin Kaffee, Salzburg
Meinl Kaffee 
Mikado, Tee, Kaffee
Naber Kaffee
Kaffee Nosko ist doch der beste
Nussbaumer Kaffee
Kaffee Oriental - besonders gut!

 
Eine gute Idee, Trink Paar-Kaffee 
 
 Pobeheim Kaffee

 
 
 
Praxmarer Kaffee
Regio Kaffee - König der Kaffees
Rose von Cariba, aus besten Kaffee's der Welt.
Sahara - Ihr Kaffee! Josef Wiesler, Salzburg
Santora Kaffee
Seeberger Kaffee
SK Stempfer Kaffee, Kaffeerösterei Salzburg
Stambulia Kaffee
Stranz-Espresso-Kaffee, Stranz-Kaffee, Heinz Stranz, Salzburg
Kaffee Türke, Ludwig Gelauch
Unterberger & Comp., Innsbruck, Kaffee-Import
Viktoria Kaffee Tee Import 
Wedl Kaffee
Zumtobel Gourmet-Kaffee, Einfach der Beste!
Immer Zeit für Zumtobel Kaffee




 
Die genannten Kaffeesorten und Marken stammen aus unterschiedlichen Zeitperioden
 und spiegeln die Entwicklung der österreichischen Kaffeekultur wider.
Unglaublich, wie viele Sorten es gab!
 
   Marken wie Unterberger & Comp., Innsbruck (1820), Handl Kaffee (125 Jahre), 
Meinl Kaffee (1862), Hausbrandt Kaffee (1892), Arabia (Wien 1892),
 Jacobs Kaffee (1895) wurden noch im 19. Jahrhundert in Österreich gegründet.
   Naber Kaffee (Wien 1908) und Hornig Kaffee (1912) am Anfang des 20. Jahrhunderts.
 
Alle Sorten waren noch in der Nachkriegszeit präsent, 
als Kaffee zu einem Symbol für Wiederaufbau und Wohlstand wurde.
   Werbeslogans, Leisten wir uns doch Doro Kaffee“ oder „Eine gute Idee, Trink Paar-Kaffee“, 
spiegeln den Optimismus dieser Zeit wider.
 
(Diese Zusammenfassung hat sich ChatGPT ausgedacht,
als ich die Namen sämtlicher Kaffeesorten zur Identifizierung
dort eingegeben habe.)
 
Diese „österreichische Zucker-Kaffee-Motiv-Sammlung“ zeigt nostalgische Designs
 und beleuchtet die historische Entwicklung 
der Kaffeekultur in Österreich und ihre regionale Vielfalt - 
mit einigen heute problematischen Motiven.
 

 
The coffee varieties and brands mentioned originate from different time periods
 and reflect the development of Austrian coffee culture.
It's unbelievable how many varieties there were!
 
   Brands such as Unterberger & Comp., Innsbruck (1820), Handl Kaffee (125 years),
Meinl Kaffee (1862), Hausbrandt Kaffee (1892), Arabia (Vienna 1892),
 Jacobs Kaffee (1895) were founded in Austria in the 19th century.
   Naber Kaffee (Vienna 1908) and Hornig Kaffee (1912) at the beginning of the 20th century.
 
All varieties were present in the post-war period,
when coffee became a symbol of reconstruction and prosperity.
   Advertising slogans such as ‘Let's afford Doro coffee’ or ‘A good idea, drink Paar coffee’,
reflect the optimism of the time.
 
(ChatGPT came up with this summary,
when I entered the names of all the coffee varieties
there for identification purposes)
 
This ‘Austrian sugar-coffee motif collection’ shows nostalgic designs
 and sheds light on the historical development
of coffee culture in Austria and its regional diversity - 
with some motifs that are problematic today.



 
 
Dieser schwarze Junge im Logo der Firma Meinl
 hat sogar einen längeren Eintrag in der Wikipedia:
 This black boy in the Meinl logo
 even has a longer entry in Wikipedia:

Mohren bei Kaffeeröstereien
 Im Logo der Wiener Kaffeerösterei Julius Meinl 
findet sich ein „Mohr“. 
Der Meinl-Mohr trinkt Kaffee, 
trägt einen hohen roten Fez und 
die Uniform eines Hotelpagen oder Dienstboten. 
Er wurde 1924 von dem Grafikdesigner Joseph Binder entworfen
 und 1965 zu einer abstrakteren Darstellung modernisiert. 
Auch mit ihm sollten Sinnlichkeit und eine „weltoffene“ und „exotische“ Atmosphäre 
von südländischen Hotels oder Kolonialherren-Anwesen assoziiert werden. 
Für die USA hat der Meinl-Konzern das schwarze Gesicht durch Gold ersetzt.
 In Europa präsentierte sich Meinl weiterhin mit dem traditionellen „Mohren“ mit rotem Fez. 
Allerdings gibt die Firma offiziell an, 
der Mohr ähnele einem „sympathischen Barockengel“
 und stehe daher für „die europäische Komponente“ der Firma.[53] 
Seit 2004 ist ein neues Design (ganz in rot) in Gebrauch.
 Im Oktober 2021 wurde beschlossen, 
den Mohrenkopf im Markenzeichen aus Gründen des Zeitgeists aufzugeben
 und nur noch den bekannten Meinl-Hut ohne Kopf erscheinen zu lassen.[54][55]
 Dies gilt nicht für die Tochtergesellschaft Meinl Austria.[56]
 Wikipedia
 
 
Moors at coffee roasters
 The logo of the Viennese coffee roasting company Julius Meinl
features a ‘Moor’.
The Meinl Moor drinks coffee,
wears a high red fez and
the uniform of a bellboy or servant.
It was designed in 1924 by the graphic designer Joseph Binder
 and modernised into a more abstract representation in 1965.
It was also intended to convey sensuality and a ‘cosmopolitan’ and ‘exotic’ atmosphere 
of southern hotels or colonial estates.
For the USA, the Meinl Group replaced the black face with gold.
 In Europe, Meinl continued to present itself with the traditional ‘Moor’ with a red fez.
However, the company officially states that
the Moor resembles a ‘sympathetic baroque angel’
 and therefore stands for ‘the European component’ of the company[53].
A new design (all in red) has been in use since 2004.
 In October 2021, it was decided
to abandon the Moor's head in the trademark for reasons of zeitgeist
 and to only use the well-known Meinl hat without the head[54][55].

Translated with DeepL.com (free version)
 
 

 
Frühe Reklamebilder, insbesondere für sogenannte Kolonialwaren,
 inszenieren häufig Bilder exotisch erscheinender Menschen. 
Die Waren werden ihnen als Attribute beigegeben, 
und die Stigmata des Exotischen, dunkle Haut, 
Kleidung, der Grad der Nacktheit, Früchte oder Waren wie Kaffee, 
Schokolade oder Tabak, 
Signa des Weiblichen oder Federschmuck, 
werden relativ willkürlich vergeben. S.16
Early advertising images, especially for so-called colonial goods,
 often staged images of exotic-looking people.
The goods are added to them as attributes,
and the stigmas of the exotic, dark skin,
clothing, the degree of nudity, fruit or goods such as coffee,
chocolate or tobacco,
signa of the feminine or feather jewellery,
are assigned relatively arbitrarily. p 16
 
 Zitat aus:
  Oesterreich, M. (2018) Bilder konsumieren : Inszenierungen ‘exotischer’ Körper in früher Bildreklame. Paderborn: Wilhelm Fink.



Auch:

diePuppenstubensammlerin: Werbefiguren - Ed-usch-o - promotion figures

 Werbebeigaben der Fünfziger


 
 
 
  Wenn nicht anders vermerkt, sind alle Fotos aus meiner Sammlung
diePuppenstubensammlerin
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Sonntag, 23. März 2025

Blechherde, Blechküchen - Doll’s kitchens and cookers

 
 
 Postkarte aus den 1930ern

Vor einiger Zeit habe ich über den kleinen Küchenherd
geschrieben, der in Puppenhäusern und -stuben
 als Teil der Kücheneinrichtung zu finden war.
 Some time ago I wrote about the small kitchen cooker
that could be found in doll's houses and parlours
 as part of the kitchen furnishings.
 
 
 
 
 
Das weitaus bekanntere Spielzeug war aber der Herd oder die Spielküche,
mit der "richtig" gekocht wurde.
Erst im 19.Jh kommen diese Puppenküchen mit Blechherd
 und der entsprechenden Beheizung,
 auf den Spielzeugmarkt.
 However, the far better-known toy was the single cooker or play kitchen,
which was used for ‘real’ cooking.
It was not until the 19th century that these individual doll's kitchens with tin cookers
 and the corresponding heating,
came on the toy market.
 
 
 
 
 1940 Erzgebirge
 
 Wie üblich, wird in der Puppenküche aus Holz nicht gekocht
oder gewaschen.
Waschzubehör und Herd stehen separat.
 As usual, there is no cooking or washing in the wooden doll's kitchen.
The washing accessories and cooker are separate.

 
1951 
 Komm mit ins Spielzeugland


Der Herd hat Kindergröße


Kurioses aus der Spielzeuggeschichte:

 1953
sah sich die italienische Spielwarenzeitschrift „La rivista del giocattolo“ 
zu einem heftigen Angriff gegen den deutschen Hersteller 
Martin Fuchs, Metallwarenfabrik, Zirndorf b. Nürnberg, veranlasst, 
der in der Ausgabe Nr. 29 vom 20. Juli 1953 unter dem Schlagwort 
„Der Krieg der Miniaturkochherde“ 
 veröffentlicht wurde.
 
1953 the Italian toy magazine ‘La rivista del giocattolo’
launched a fierce attack against the German manufacturer
Martin Fuchs, Metallwarenfabrik, Zirndorf near Nuremberg,
which was published in issue no. 29 of 20 July 1953 under the headline
'The war of the miniature cooking stoves'
English original text at the end of this blog post.
 
Was war passiert? 
 
(Der englische Originaltext übersetzt aus der Export-Version des Branchenblatts "Das Spielzeug")

Ein italienischer Spielzeughersteller hatte den Eindruck, 
dass Fuchs ihren elektrischen Puppenkochherd, 
ein geschütztes italienisches Muster, in missbräuchlicher Weise kopiert hatte. 
Die italienische Firma hat von Anfang an zugegeben, 
dass sie die typische Form der neuen amerikanischen Elektroherde
 als Grundlage für ihr neues Produkt genommen hat, 
um es international bekannt und verkaufsfähig zu machen. 
Das hat natürlich auch die Firma Fuchs in Deutschland getan; 
trotzdem hat die deutsche Serie neben der gleichen Grundform
 weitere Merkmale und Vorteile. 
Mit dem Zirndorfer Kochherd kann das Kind wirklich kochen
 - mit Esbit-Trockenbrennstoff, 
während der Bologna-Kocher eine reine Attrappe ist. 
Die italienische Version ist der Nachbau eines „reinen Elektroherds“, 
der deutsche eine Kombination aus einem mit Kohle und Gas befeuerten Kochherd. 
Aufgrund jahrzehntelanger Erfahrungen im Bau von Puppenherden
 ist das deutsche Muster viel stabiler und in seinen Einzelteilen
 besser konstruiert und ausgestattet als das italienische; 
beim deutschen Muster schließt die durchsichtige,
 gefederte Tür des Backofens automatisch, 
bedingt durch eine Patentfeder; 
der Backofen ist ummantelt und gerillt, 
um dem Fleischbräter den nötigen festen Stand an der Seite zu geben; 
der wasserdichte Teekessel ist mit einem Verschluss ausgestattet, 
der zu pfeifen beginnt, sobald das Wasser kocht; 
der Kessel hat einen isolierten, griffigen Griff. 
Alle diese Unterschiede sind so wesentlich, 
dass auch das italienische Gesetz und seine Beschützer
 keine Gleichheit oder eine vielleicht verdammenswerte Nachahmung feststellen werden. 
Und welche Bedeutung haben die wenigen Gleichheiten?
 
Alle neuen amerikanischen Kochherde haben ein niedriges Paneel mit einem Zifferblatt in der Mitte; 
und schließlich hat jeder Gas- und Elektroherd Schalter, 
aber selbst beim Paneel wurde sorgfältig darauf geachtet, 
dass keine Konformitäten der gepressten Muster entstehen.
Wir geben zwar zu: 
das deutsche Muster wird eine Gefahr für das italienische Produkt sein, 
aber nur wegen seiner besseren Qualität und seines größeren Spielwertes.
 
Der Wunsch der Spielzeugindustrien aller Länder, ihre Neuheiten zu schützen,
 ist in der Tat nachvollziehbar, da es sich um Produkte handelt, 
die in mühsamer Arbeit und mit hohen Kosten hergestellt wurden. 
Deshalb sollte das Kopieren der Produkte von Konkurrenten gemieden werden.
In der Spielzeugbranche sind die Dinge in dieser Hinsicht jedoch besonders kompliziert, 
vor allem, wenn es sich bei den neuen Spielzeugmustern
 - wie es bei einem guten Spielzeugmuster immer der Fall sein sollte - 
um kleine Nachbildungen von Geräten, Maschinen usw. handelt, 
die von Erwachsenen benutzt werden.
Wenn fünf Hersteller Nachbildungen des neuesten Typs der Elektrolokomotive anbieten,
 werden sich diese neuen Muster logischerweise ähneln. 
Ist diese Ähnlichkeit als Musterdiebstahl zu werten? 
Beim Kopieren von Staubsaugern, Bügeleisen, Waschmaschinen usw. wäre es dasselbe. 
Nur die neuesten und modernsten Typen dieser Geräte 
müssen dem Original nachempfunden werden,
 sonst würden sie von den kleinen Hausfrauen nicht mit Zufriedenheit angenommen. 
Jedenfalls wird diese Notwendigkeit gewisse Ähnlichkeiten der Fabrikate nach sich ziehen, 
oder besser gesagt, eine gewisse Verwandtschaft zwischen den neuen Mustern der Fabriken bewirken.
 
Übersetzt mit DeepL.com (kostenlose Version)
 Spielzeug-Export, Sept.-Okt. 1953, S. 166-167
 
 
 
Ich habe kein Foto eines Blechherds in der beschriebenen Form
aus 1953 von Martin Fuchs gefunden.
Diese Werbung von 1955 kommt dem beprochenen Modell am nächsten.
 I have not found a photo of a tin cooker in the form described
from 1953 by Martin Fuchs.
This advert from 1955 comes closest to the model described.
 

 Dies ist ein Fuchs-Blechherd aus späterer Zeit,
in der die Schubladen links nur Attrappen sind.
 
1955
Göso Puppen-Anbauküche mit 
Eischrank, Waschmaschine, Boiler, 
modernem Herd mit Esbit-Feuerung.
 
 
1956
 Die Firma Ernst Rauch, Nürnberg,
zeigte neben der bekannten Kollektion
in elektrischen Kinderherden ...


Hans Schweiger & Co., Nürnberg
Elektrischer Kinderkochherd "Irene".
Mit zwei Kochplatten von 10 cm Durchmesser, 
je 150 Watt Heizleistung, durch einen kombinierten
Vierstufenschalter beliebig schaltbar.
Anschlussfertig mit dreiadrigem Kabel und Schukostecker.
13 Modelle zum Teil auch ohne elektrische Beheizung

 


 
 1953 ca.
Wünscht Euch was von
 
Der Blechhherd im Zentrum des Titelfotos.
 The tin cooker in the centre of the cover photo.
 
 


1955
Breuninger Spielwaren
 Auch hier werden die Blechherde prominent hervorgehoben.
Links ist der Fuchs-Blechherd.
 The sheet metal cookers are also prominently highlighted here.
On the left is the Fuchs sheet metal cooker.




 
 
1950er Spielzeugprospekt
 
 

Bis weit in die Fünfziger Jahre gehörten zur Küche im Puppenhaus
diverse Küchenschränke in verschiedener Höhe,
d.h. Buffet oder Anrichte, Spültisch, Abstelltisch u.ä.,
sowie ein Küchentisch und zwei Stühle.
Zu einem Küchenmöbelset gehörte normalerweise kein Herd und auch kein Kühlschrank.
Die Blechherde wurden separat aufgestellt,
Die Kinder kochten seit dem 19. Jahrhundert 
auf kleinen Herden aus Schwarzblech und Eisen mit Spiritus,
was nicht ungefährlich war.
Nach und nach kamen elektrische Kochherde dazu.
In Puppenküchen aus Holz war der Blechherd manchmal sehr klein
und wurde in den Raum integriert.
Ein Holzherd war in Puppenstuben eher selten Teil eines Puppenküchensets.
Erst mit den Einbauküchen kam er in jedes Puppenhaus.

Until well into the fifties, the kitchen in the doll's house featured
various kitchen cupboards in different heights,
i.e. buffet or sideboard, sink unit, storage table etc,
and a kitchen table and two chairs.
A kitchen furniture set normally did not include a stove or refrigerator.
The plate cookers were set up separately.
Since the 19th century, children had been cooking
with spirit on small stoves made of black plate and iron,
which was not without danger.
Gradually electric cookers were used.
In doll's kitchens made of wood the tin stove was sometimes very small
and could be integrated into the room.
In dollhouses a wooden stove was rather seldom part of a kitchen set.
Only with the fitted kitchens of the sixties it came into every dollhouse.



 
 
Blechherd von 1957
 
 
 
 

Fuchs-Herd
 

1962

Fuchs, Martin
 
 
 
 
1958
"Please don't" 
 
 
 
 
Noch eine Blechküche von Fuchs.
Im Neckermann-Katalog von 1963 wird der Blechherd
als "Schwedenherd" bezeichnet.
"Heizbar durch Hartspiritus, 
mit dazugehörendem Schwedenschrank"



Sehr schön ist der Blick aus dem Fenster:
das Mädchen rennt auf den Vater zu,
der gerade nach Hause kommt.
The view out of the window is very beautiful:
The girl runs towards her father,
who is just coming home.





1962 Neckermann


 
 
 
1964 Karstadt
 
 



1966
 
 Ein flacher Karton mit einer modernen Puppenküche aus Blech und Kunststoff.
A flat cardboard box with a modern doll's kitchen made of sheet metal and plastic.


In der Verpackung ist auch die Fliesenrückwand und der Fliesenboden enthalten. 

Die Küche hat ein Büfett für das Zubehör, einen Spülschrank mit Wasserablauf, 
einen Boiler mit eingebautem Wasserbehälter und einen Herd,
 der wahlweise mit Esbitbeheizung oder Trafo betrieben werden kann.
With cardboard wall and floor.
 

 

 

Werbung 1972

Text 1971: Große Anbauküche mit Backröhre in Sichthöhe,
moderne beheizbare Kochmulde, Spülbecken mit richtigem Wasserboiler, 
ein Hängeschrank, viele Türen zum Öffnen,
dazu Töpfe, Deckel, Pfannen und Geschirr aus nichtrostendem Material,
vielseitige Verpackung als Ablagefach oder zum Tragen.
Large fitted kitchen with overn at eye level,
modern heatabele cooking section,
sink with proper water heater,
one wall cupboard, many doors which open,
plus pots, lids, pans and utensils of stainless material:
multi-purpose packing which can be used for storing or supporting the articles.

Die Küche gab es schon in weniger auffälligen Farben Ende der Sechziger.

 

 

 

 

 Auch 1970 im VEDES-Katalog


 
 
 
 Schopper - Blechküche

1971
im Quelle-Versandhauskatalog 
"Kochherd mit Zubehör, DM 9,90





Schopper-Blechküchen kann man heute noch kaufen:
 
Etwas ganz Besonders sind unsere Küchen im Maßstab 1:6, 
mit denen man sogar kochen kann: 
Mit einem Sicherheitsbrenner für ESBIT-Trockenbrennstoff
 lässt sich der Herd anheizen. 
Aus dem Wasserhahn lassen sich 
über einen integrierten Wassertank bis zu 40 ml Wasser zapfen. 
 Doll's cookers by Schopper
Our 1:6 scale kitchens, 
which can even be used for cooking, 
are something very special:
 The cooker can be fired up with a safety burner for ESBIT dry fuel.
 Up to 40 ml of water can be drawn from the tap via an integrated water tank.
 
 
Von der Webseite:
Als Brennstoff dient der bewährte Trockenbrennstoff ESBIT, 
der in Form von Tabletten verwendet wird.
 Bereits 1936 brachte der schwäbische Unternehmer Erich Schumm
 die Trockenbrennstofftabletten auf den Markt. 
Daher auch der Name ESBIT für
 „Erich Schumms Brennstoff in Tablettenform“.

 

 

 1956 warb Erich Schumm für 
"Esbit-Trockenbrennstoffpackung, handlich, praktisch und sparsam,
mit 10 bzw. 20 Tabletten Inhalt.
Die Tabletten sind nicht gesundheitsschädlich. 
Mit 3 Tabletten kann 1/2 Liter Wasser zum Kochen gebracht werden.
Erich Schumm GmbH, Esbit-Werk, Murrhardt-Württ."
 
 

1972
Richtiger Elektroherd mit 2 Platten,
beleuchtetem Backrohr und Kontrolllampen DM 99,-
Real electric cooker with 2 plates,
illuminated oven and pilot lights DM 99,-
 
 
*************

The war of the miniature cooking stoves
The desire of the toy industries of all countries to protect their novelties is indeed cogent, due to the fact that these are the products of toilsome work and a high amount of costs. That is why the trespass of copying the products of competitors should be shunned as fire.
However, in the toy line things are specially intricate in this respect, particularly if the new toy samples – as a good toy sample should always be – are small replicas of appliances, machines etc. that grown-ups use.
If five manufacturers feature the replicas of the newest type of the electric locomotive, these new samples will logically resemble one another. Shall this similarity be considered as a sample-theft? When copying vacuum cleaners, flat irons, washing machines etc. it would be all the same. Just the newest and most modern types of these appliances have to be copied from the real thing, otherwise the little housewives would not accept them with satisfaction. At any rate, this necessity will entail certain similarities of the makes, or better to say, will cause a certain relationship between the new samples of factories.
Some weeks ago Italian toy manufacturers had the impression that a German toy factory had copied in an abusive way its electric doll cooking stove, a protected Italian sample. The Italian toy magazine “La rivista del giocattolo” thought to be urged to start a vehement attack against the German manufacturers Martin Fuchs, Metallwarenfabrik, Zirndorf b. Nürnberg, under the catchword “The war of the Miniature Cooking Stoves” published in copy No 29 of July 20 th, 1953. The Italian firm admits from the beginning that the typical form of the new American electric cooking stoves was taken as basis for its new feature, in order to make its product internationally appreciable and saleable. Of course, the Grman firm did the same, too; in spite of this fact, the German range has other features and advantages, besides the equal basic form ensueing  of the above mentioned reasons. With the Zirndorf cooking stove the child can really cook – with Esbit dry fuel, whereas the Bologna stove is a mere trap. The Italian sampe copied an “only electric-range”, the German one a combination of a cooking stove fueled with coal and gas. Due to experiences in the construction of doll ranges, made in decades, the German sample is much sturdier and in its single parts better designed and featured than the Italian one; with the German sample, the translucent, spring-lock door of the baking oven closes automatically, caused by a patent spring; the baking oven is encased and grooved, to give the meat roaster the needed firm poise at the side; the waterproof tea kettle is equipped with a fastener which begins to whistle as soon as the water boils; the kettle has isolated easy-grip handle. All these differences are so essential that also the Italian law and its protectors will not find out any equality or any perhaps damnable imitiation. And what an importance have the few equalities? All new American cooking stoves have a low panel with a clock dial in the center; and finally every gas and electric cooking stove has switches, but even with the panel any conformities of the pressed patterns have been carefully avoided.
We admit, indeed: the German sample will be a danger for the Italian product, but only because of its better quality and its greater play value.
Original text, Spielzeug-Export, Sept.-Okt. 1953, S. 166-167


 
 
Holzherd-Attrappe, Blechkühlschränke und Blechherde
 
 
 
  Wenn nicht anders vermerkt, sind alle Fotos aus meiner Sammlung
diePuppenstubensammlerin
Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Freitag, 14. März 2025

Wir bauen ein Puppenhaus - 1966 - We are building a dollhouse

 1966
 
  

 Wir bauen ein Puppenhaus : Bauanleitungen f.d. Bau verschiedener zusammenlegbarer Puppenhausmodelle / L. Hitschold. Mit über 40 Zeichn. u. 12 Fotos [von L. Hitschold]

In den Sechziger Jahren erschienen noch viele Anleitungen zum Puppenhausbau.
Noch gab es viele Hobby-Bastler, die für ihre Töchter zu Weihnachten 
eine selbstgebaute Überraschung planten.
Dieses Büchlein zeigt auch die fertige Einrichtung
in vielen Fotos, leider nur in Schwarzweiß-Fotografien.
In the 1960s, many guides for building dollhouses were still being published. 
At that time, there were still plenty of hobby craftsmen
 who planned a handmade surprise for their daughters at Christmas.
  This booklet also showcases the finished furnishings in many photos
— unfortunately, only in black and white.
 
 
 
 
 
 Es ist ein riesiges Puppenhaus mit dem mindestens zwei Schwestern
gleichberechtigt spielen konnten,
denn auf jeder Seite war eine komplette Wohnungseinrichtung.
Hier die eine Seite:
Schlafzimmer, Kinderzimmer (oben)
Crailsheimer-Küche, Göso-Bad und Wichtelmarke-Wohnzimmer (unten) 
Da das Buch 1966 erschien, sind die Möbelsets von Anfang der Sechziger. 
It features a large dollhouse designed so that at least two sisters could play equally,
 as there was a fully furnished apartment on each side.
Here is one side:
Upper floor: Bedroom, children's room
Lower floor: Crailsheimer kitchen, Göso bathroom, and Wichtelmarke living room.
Since the book was published in 1966, 
the furniture sets date back to the early 1960s.

Kürzlich war auf der Angebotsplattform Kleinanzeigen
dieses Haus zum Verkauf angeboten.
Der Erbauer hatte sich Ende der Sechziger weitgehend an die Vorlage gehalten
und viele Teile der Ausstattung stammen auch aus dieser Zeit.
 Recently, this very house was listed for sale on an online marketplace. 
The builder had largely followed the original design from the late 1960s, 
and many of the furnishings were also from that time:
 
 
 
 Fritz-Altmann-Schlafzimmer, Bodo-Hennig Bad, ein späteres Lundby-Bad
Crailsheimer-Küche und Wichtelmarke Schulzimmer.
 Fritz Altmann bedroom
Bodo Hennig bathroom
A later Lundby bathroom
Crailsheimer kitchen
Wichtelmarke schoolroom
 
Auf der Rückseite ist im Buch von Anfang der Sechziger 
dann also noch eine zweite Wohnungseinrichtung zu sehen,
mit Modella-Schlafzimmer, Wichtelmarke-Wohnzimmer,
Küche und einer Garage für das Blechauto. 
On the back cover of the early 1960s book, 
another apartment setup can be seen, featuring:
Modella bedroom
Wichtelmarke living room
Kitchen and a garage for a tin car
 
 
 
 
Im Kleinanzeigen-Angebot
The online listing also showed:
 
 
 sehen wir zwei Wohnzimmer von Fritz Altmann,
ein VERO-Bauernesszimmer, ein Hübsch-Kinderzimmer,
ein Paul-Hübsch-Schlafzimmer und eine Lundby-Küche.
Dazu kommen noch spätere Modella-Terrassenmöbel von Anfang der Siebziger.
 Two Fritz Altmann living rooms
A VERO farmhouse dining room
A Hübsch children's room
A Paul Hübsch bedroom
A Lundby kitchen
Early 1970s Modella patio furniture

 
 
Das Besondere an diesem Haus ist die platzsparende Aufbewahrung:
Es handelt sich ja eigentlich um zwei Puppenhäuser,
die aneinander gebaut sind, dazu noch ein Dachgeschoss 
zur Aufbewahrung von weiteren Möbeln und
es steht auf vier hohen Holzbeinen, damit die Kinder
bequem an alle Zimmer kommen.
Aber alle Teile können einfach auseinandergenommen werden,
wenn nicht mehr gepielt wird.
Die Basis des Puppenhauses ist ein großer Kasten,
der alle Böden, Wände, das Dach und die Beine aufnimmt,
und dann unter das Bett geschoben werden kann -
wie die Fotos zeigen. 
 
A Special Feature: Space-Saving Storage

What makes this house unique is its clever storage design.
 It is essentially two dollhouses built together,
 with an attic for storing additional furniture. 
It stands on four tall wooden legs, 
allowing children to comfortably reach all the rooms.
However, all parts can be easily taken apart when playtime is over. 
The base of the dollhouse is a large box 
that holds all floors, walls, the roof, and the legs. 
Once disassembled, it can simply be stored under a bed
as shown in the photos.
 




Für Puppenstubensammlerinnen wie mich 
sind diese Anleitungen eine wahre Schatzkiste voller Informationen:  
 
Wie waren Puppenhäuser damals eingerichtet?
 Entsprachen sie wirklich den Abbildungen in Spielzeugkatalogen? 
Welche Räume waren den Mädchen besonders wichtig
 – oder vielleicht eher ihren Müttern? 
Welche Möbel waren beliebt, wurden sie gekauft oder selbst gebastelt? 
War Holz das bevorzugte Material oder setzte sich Plastik zunehmend durch
 – und wann änderte sich das?  
 
Wer sich für die Geschichte des Wohnens, Innendekoration und Wohnstile interessiert, 
ist herzlich eingeladen, Vergleiche anzustellen: 
Unterscheidet sich die kindliche Vorstellung vom perfekten Zuhause 
von der Idealvorstellung aus Wohnzeitschriften?  
 
Wie immer ermöglichen es uns Puppenhäuser auf anschauliche Weise,
 zu verstehen, wie in verschiedenen Epochen gewohnt und gelebt wurde.
 
  Treasure Trove for Dollhouse Collectors
For collectors like me, these guides are a true treasure trove of information:
How were dollhouses furnished in different eras?
Did they really match the illustrations in toy catalogs?
Which rooms were most important to children—or to their mothers?
What furniture was popular? 
Were pieces bought or often handmade?
Was wood the preferred material, or did plastic become more common
— and when did that change? 

Anyone interested in the history of home decor and interior design
 is invited to explore these differences: 
Does the children's version of a dream home 
differ from the ideals found in interior design magazines?
As always, dollhouses offer us a fascinating and tangible way 
to understand how people lived and furnished their homes in different times.
 
Vielen Dank für die Genehmigung der Verkäuferin des Sechziger-Jahre-Puppenhauses
die Fotos hier zu zeigen.
 
 
 Noch 1970 wurde in einer Zeitschrift eine Bastelanleitung für dieses Puppenhaus veröffentlicht.
 Even in 1970, a magazine still published DIY instructions for building this dollhouse!
 
Ein Puppenhaus zum Zusammenlegen 
A fold up dollhouse



Quelle: Ratgeber für Haus und Familie 1970, Heft 11

 

Mehr Bausätze für Puppenhäuser aus den Sechziger Jahren:
Wir bauen das allerschönste Puppenhaus - 1964 - We build the most beautiful doll's house ever